Archive for the ‘blaustift’ Category

weniger ist mehr

Montag, Februar 18th, 2013

Weniger aus ästhetischer als vielmehr aus ökologischer und wirtschaftlicher Sicht soll hier einmal mehr der Versuch gestartet werden, das Bauen und die Architektur hinsichtlich ihrer tatsächlichen Effektivität im Umgang mit kostbaren, wertvollen Ressourcen zu untersuchen. Nicht nur, daß mit jedem Quadratmeter umbauten Raum entsprechende Ressourcen verbraucht werden: sie wollen auch bezahlt werden! Was uns immer wieder beim Planen von Wohnungen, Häusern, Büros, Geschäften oder auch Indsutriebauten auffällt, ist die enorme Großzügigkeit und zunehmende Selbstverständlichkeit, mit der wir, private, öffentliche wie auch gewerbliche Bauherren unsere Raumprogramme im Flächenbedarf definieren. Hat man noch vor 80 Jahren vielleicht 15 bis 20 Quadratmeter Wohnfläche je Einwohner kalkuliert, waren es vor 40 Jahren bereits 35 bis 40m² je Einwohner (Boom der Einfamilienhäuser und des vorstädtischen Siedlungsbau). Heute gehen wir in der Bundesrepublik gemittelt auf stolze 50 Quadratmeter Wohnfläche je Einwohner zu. Wohlhabende Singels wie auch kinderlose Paare wohnen nicht selten in über 100m² großen Altbauwohnungen oder Einfamilienhäusern, in denen damals ganze Familien mit 3-5 Kindern gewohnt haben. Die in den 1970´er Jahren gebauten, ca. 120m² bis 140m² großen Bungalows und Einfamilienhäuser – und davon gibt es mehrere 100.000 an der Zahl – werden heute nur noch von den meist über 60 jährigen Eltern bewohnt (also 50 bis 60m² je Hausbewohner), während die längst Erwachsen gewordenen Kinder ausgezogen und ihr eigenes Heim mit „kleiner“ Familie längst gebaut haben oder in großräumigen Altbauwohnungen ein komfortables DINKI-Leben führen. Wenn junge Bauherren heute planen, gehört ein zweites Bad, eine begehbare Umkleide, ein zusätzliches Arbeitszimmer und ein Gästezimmer quasi fast schon zum Standard. Tatsächlich werden die Räume eines Einfamilienhauses aus den 1970´er Jahren bei einer 4-köpfigen Familie effektiv im Mittel nur zu 10 bis 15% voll genutzt! Das heißt, daß bei 120m² Wohnfläche im Jahr nur 12m² bis 18m² effektiv rund um die Uhr genutzt werden. 85-90% der gesamten Jahreszeit sind die Räume quasi unbewohnt und stehen leer. Die am stärkesten genutzten Räume sind mit 45% bis 50% Auslastung wohl noch die Kinderzimmer, gefolgt  vom Elternschlafzimmer mit 35% und dem Wohnzimmer mit 15-25%. Alle anderen Räume wie Küche, Eßzimmer, Badezimmer werden effektiv zu  7% bis 10% genutzt, Hobbyraum, Hauswirtschaftsraum, Gäste-WC und sonstige Flur-, Treppen- und Nebenräume (ohne Abstell- und Lagerräume) werden meist nicht mehr als 5% der Zeit effektiv ausgenutzt. Von den insgesamt 8.760 Jahresstunden ist die Familie vielleicht 5-6 Wochen im Urlaub (9-12%, also ca. 1.000 Stunden p.a.). Bei Vollzeitarbeit und/ oder Schulunterricht sind die Bewohner ca. 2.200 bis 2.500 Stunden außer Haus. Gehen beide Eltern arbeiten, sind es bei Voll- und Teilzeitarbeit schon schnell über 3.000 Personenstunden außer Haus. Geschlafen wird ca. 2.500 bis 2.600 Stunden. Eine Schlafetage mit 2 Kinderzimmern, 1 Elternschlafzimmer mit Ankleide, 1 Badezimmer, Treppe und Flur wird effektiv nur zu 25% bis 30% genutzt. Das Erdgeschoss mit Diele, Flur, Treppenhaus, Gäste-WC, Küche, Eßzimmer und Wohnzimmer wird sogar nur zu 15% bis 20% genutzt. Zusammen kommt man bei 4 Personen auf eine effektive Auslastung von nur 20% bis 25%! Im Klartext: min. 75% der in einzelne Räume gegliederten Wohnfläche und damit auch der Bau- und Unterhaltskosten (Renovierung, Sanierung, Heizkosten) werden quasi für unsere funktionalen Bedürfnisse nur „vorgehalten“. Bei der optimalen Nutzung von Investitionen gleich Welcher Art ist natürlich auch die Qualität, das Handling, der Komfort, die Usability und zunehmend die Ökologie entscheidend, doch im wirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Vergleich muß ein Artefakt stets zu geringen Kosten maximal „leistungsfähig“ sein.

performance: Prof. H.C. Schulitz, ehemaliger Professoor für Industriebau an der TU-Braunschweig,  sublimierte diesen Aspekt von Bauwerken und Konstruktionen gleich welcher Art jüngst in einem Vortrag an der TU- Braunschweig unter dem aktuelleren Begriff „Performance“. Beim Leistungs-Vergleich von internationalen Fußball-Stadien ging es darum, die gesamten Baukosten (Investitionen) auf 1 Sitz- oder Stehplatz umzurechnen. Je weniger Materialverbrauch (Stahl, Beton etc.) in der Konstruktion, dem Dachtragwerk und der Fassade steckt, desto effektiver, sprich kostengünstiger die Investition je Stadionplatz. Und tatsächlich sind die Stadien von Schulitz und Partner, etwa das Niedersachsenstadion in Hannover, bauartbedingt die kostengünstigsten, damit leistungsstärksten der Welt! Beispiel PKW: ein normaler PKW-Besitzer nutzt sein Auto bei 300 bis 450 Betriebsstunden (20.000 bis 30.000km) im Jahr weniger als 5%! Die meiste Zeit (95%!) steht das Auto in der Garage oder auf dem Parkplatz. Bei einer Investition von ca. 22.500,- Euro für den Neuwagen (1.500,- Euro p.a. bei 15 Jahren Lebenszyklus) kostet eine Betriebsstunde 3,30 Euro bis 5,00 Euro an Fahrzeugwert! Ein PKW, der 12 Stunden täglich gefahren wird (4.380 Betriebsstunden p.a., z.B. Car-Sharing, City-Cae, Taxi etc.), kostet lediglich 0,35 Euro Fahrzeugwert je Betriebsstunde, ist also mehr als 10 mal so effektiv wie Otto-Normal-Kraftfahrzeugbesitzer. Hinzu kommen fixe Kosten für die Versicherung, die KfZ-Steuer, ggfs. Clubbeiträge und Miete/ Kosten für den Garagenstellplatz etc., die umso günstiger ausfallen, je häufiger das Fahrzeug tatsächlich genutzt wird.

effektiv: Gegenstände – und damit Material-, Energie-, Reperatur- und Kosteninvestitionen-, die nicht oder kaum genutzt werden, sind im Prinzip überflüssige Fehlinvestitionen, erst Recht in Zeiten, in denen Rohstoff- und Energieknappheit sowie Umweltprobleme akut zunehmen! Natürlich kann man 120m² große Wohnungen für 4 Personen nicht auf 3/4 der Fläche und Kosten reduzieren, um eine 100%ige Raumauslastung zu bekommen. Doch man kann Räume, die zeitlich weniger als 5% effektiv genutzt werden, so klein wie eben möglich gestalten oder sie ggfs. ganz weglassen, etwa den begehbaren Ankleideraum, das zweite Badezimmer, das zweite Gäste-WC, den Hobbyraum, das Gäszezimmer, die Bibliothek, das Arbeitszimmer oder die Werkstatt . . . während Räume, die wirklich stark frequentiert werden, entsprechend zu optimieren. Auch besteht die Möglichkeit, sich in Bauherrengemeinschaften an gemeinschaftlich genutzten Räumen zu beteiligen, um die Effektivität der Investitionen (Hobbyraum, Werkstatt, Gemeinschaftsraum, Waschküche, Fahrradraum, Technik-/ Heizungs-/ Hausanschlußraum, Gartenschuppen etc.) zu steigern und die Kosten niedrig zu halten. So sollte man sich Gedanken machen, wie große eine Küche wirklich sein muß, um für 4 bis 6 Personen zu kochen. Die Küche wird im Jahr nur etwa zu 350 bis 600 Stunden effektiv genutzt (4% bis 7%). Die Bauinvestitionen liegen (ohne Finanzierung) bei durchschnittlich 15.000,- Euro bis 18.000,- Euro zuzüglich 15.000,- bis 35.000,- Euro für die Kücheneinrichtung. Auf´s Jahr gerechnet kostet eine Küche von 12m² bis 15m² Größe also ca. 450,- Euro bis 550,- Euro an Baukosten (33 Jahre Lebenszyklus) zuzüglich 1.500,- bis 3.000,- Euro für die Kücheneinrichtung (10 Jahre Lebenszyklus), zusammen also 1.950,- bis 3.550,- Euro jedes Jahr, unabhängig davon, wie häufig sie genutzt wird. Eine Stunde Küche kostet also umgerechnet ab 3,25 Euro bis weit über 10,00 Euro je Betriebsstunde! Je kleiner die Küche und je günstiger und langlebiger die Kücheneinrichtung, desto besser die „Performance“, desto höher die Ersparnis, desto höher die durch anderwertige Geldanlagen -etwa ein Sparbuch für die Ausbildung der Kinder oder Enkelkinder- erwirtschaftete Rendite. Die Küche und das Badezimmer sind übrigens Beispiele, bei der die Küchen- und Badeinrichtung die eigentlichen Bau- und Folgekosten meist um ein vielfaches übersteigt! Der Traum von einer „Tollen Küche“ und die damit verbundenen (Luxus-) Kosten stehen in keinem nachvollziehbaren Kosten-Nutzen-Verhältnis mehr.

emotion: Im normalen Geschäftsleben reagieren wir dagegen sehr empfindlich auf Preissteigerungen von nur wenigen Prozentpunkten! Beim Bau eines Hauses und seiner Einrichtung hingegen sind wir im Flächen- und Raumbedarf anscheinend mehr als großzügig, während die Prozentfalscherei wie penible Erbsenzählerei spätestens jedoch wieder bei den Angeboten und Leistungen der Architekten, Ingenieure, Handwerkbetriebe und Möbelhersteller beginnt. Unter wirtschaftlichen, ökologischen und rationalen Aspekten agieren wir hier bar jeder Vernunft. Freilich funktioniert die teure Luxusküche wie auch das luxeriöse Badezimmer änlich wie bei der Mode und beim Autokauf überwiegend auf emotionaler Basis. Sie kann beim Verkauf einer Immobilie tatsächlich ausschlaggebend sein und den Käufer zu einer Kaufentscheidung bringen wenn nicht sogar einen überhöhten Verkaufspreis erzielen, der den tatsächlichen Wert der Küche und des Badezimmers weit übersteigt. Für die Eigennutzung hingegen sollte man sich sorgsam überlegen, ob man 1.000,- bis 2.000,- Euro Mehrkosten jährlich für eine teure Küche und ca. 300,- bis 600,- Euro Mehrkosten jährlich für teure Badezimmerfliesen und Badobjekte nicht besser in Nützlicheres investiert. Wohlgemerkt, daß ein Badezimmer bei 4 Personen nur zu 6-9% und die Küche nur zu 4-7% genutzt wird. Um nicht falsch verstanden zu werden: aus gestalterischer und ästhetischer Sicht haben natürlich auch wir Architekten große Freude an Design-Bädern und Luxusküchen. Aus ökologischer Sicht muß man objektbezogen fein Differenzieren, welche Materialien verwendet werden. Eine Küche mit Fronten aus lackierten Glaspaneelen und einer Arbeitsplatte aus Dolomiten-Granit oder Tropenholz hat natürlich gegenüber einer heimischen Buchenplatte und Schränken aus heimischen Vollholz ökologisch wie regionalwirtschaftlich keine Chance. Auch die beschichteten Spanplattenmöbel mit hoffentlich zertifizierten Hölzern aus Skandinavien oder Russland können mit Vollhölzern nicht wirklich konkurrieren. Auch bei den Fliesen kommt es auf die Herstellungsbedingungen, Brenn- und Lackiertechniken sowie die Transportwege an. Teure wie billige Fliesen, die beispielsweise aus Spanien oder Italien importiert werden wie auch Steinböden, die aus China, Italien oder Norwegen kommen, tragen zweifelsfrei allein wegen der weiten Transportwege mehr zur Belastung der Umwelt bei als regional, vor Ort unter strengen bzw. strengeren Umweltauflagen produzierte Fliesen und Steinplatten, auch wenn die Importware meist zu günstigeren Konditionen angeboten wird.

orientierung: Defacto fehlen den Verbrauchern hier -wie bei anderen Produktgruppen auch- eindeutige Kennzeichnungen in der Ökobilanzierung, um die Materialien, Objekte und Güter objektiv miteinander Vergleichen zu können. Und doch werden wir die nächsten Jahrzehnte im Dienstleistungs- wie Waren- und Güterbereich nicht um solche offiziellen „Kennzeichnungen“ herum kommen. Nachdem zunächst die eigentliche Leistung eines Objektes oder einer Dienstleistung definiert ist,  kann diese Leistung nun mit Materialangaben, Stundenaufwendungen und einer ordentlichen Ökobilanzierung hinterlegt und vom Verbraucher halbwegs objektiv verglichen und geprüft werden. Schwierig wird es tatsächlich schon bei der Leistungsbeschreibung, da hier festgelegt wird, was gesellschaftlich als Standard gewollt und was eben nicht gewollt wird. Die Performance eines Stuhls beispielsweise (Leistung: 1 Person muß x-Stunden beschwerdefrei sitzen können) hat dann auf dem Beipackzettel herstellerbedingte Material- und Energie-Verbrauchsdaten (Input, Output von Energie, Wasser, Abraum, CO2, sonstige anfallende Emissionen und Umweltstoffe wie Gifte), die dann noch verbraucher- und kundenfreundlich über ein objektiv vergleichendes Ranking- oder Punktesystem bewertet werden können. Das verchromte Stahrohr und die lederbezogene Sitzfläche aus Schaumstoff eines Freischwingers beispielsweise muß sich dann in seiner „Performance“ mit dem solide gebauten Holzstuhl aus einer regional ansässigen Möbeltischlerei vergleichen lassen. Natürlich gibt es auch noch andere, nicht umweltbezogene, sondern rein nutzungsbezogene Faktoren wie die Bequemlichkeit, die Ergonomie, die Multifunktionalität (Stapelbarkeit), die Hygiene, das Design, die Ästhetik oder auch die Haltbarkeit, Reperaturanfälligkeit und Brandschutzgüte, die bei der Leistungsbeschreibung berücksichtigt werden müssen. Doch beim Thema Umwelt und Nachhaltigkeit, Ressourcen- und Energieeinsparung geht es nicht um zivilisatorische, also ausschließlich auf den Menschen bezogene, nutzungsbezogene Faktoren, sondern allein um den tatsächlichen Rohstoff- und Umweltverbrauch pro Serviceeinheit.

alt + neu: Natürlich erfüllt ein mit 34PS extrem schwach motorisiertes Auto (Beispielsweise ein alter VW-Käfer) die gleiche Leistung wie ein Auto mit weit über 300PS, wenn man bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 120km/h von Hannover nach Berlin reisen will. Beide Fahrzeuge kommen -wenn auch im Käfer wesentlich unsicherer wie unkomfortabler, bestimmt aber doch spaßiger als beispielsweise im Porsche Cayenne- gleich schnell an, mit dem Unterschied, daß der Käfer nur knapp 800kg und der Porsche Cayenne Turbo ca. 2.200kg wiegt und der Porsche -zumindest innerstädtisch- fast doppelt soviel Kraftstoff und CO2 verbraucht wie der Käfer. Doch selbst, wenn der Porsche genauso viel oder sogar weniger Kraftstoff wie der Käfer verbrauchen würde (also die im Normalverkehr nicht oder kaum nutzbare Luxus-Performance des Motors mit 500PS tatsächlich bei gleichem Verbrauch abolut 14,7 mal höher, effektiv -also bezogen auf das Fahrzeuggewicht- jedoch nur noch 5,4 mal höher als die des Käfermotor ist), wurden für den gleichen Zweck bei der Herstellung das 2,75 fache Gewicht an wertvollen Rohstoffen und entsprechende Energieressourcen sowie damit anfallende Umweltbelastungen verbraucht bzw. erzeugt. In Bezug auf den Kaufpreis bekommt der Käufer beim Cayenne Turbo sogar nur 31,5% gewichtsbezogene Leistung je Euro Kaufpreis, weil die Motorleistung zwar 5,4 mal effektiver ist, das Auto aber 17 mal so teuer ist wie der Käfer! Beim Einstiegsmodell mit 300PS und 2 Tonnen Gewicht ist der Motor nur noch 3,5 mal so effektiv, aber 8,6 mal so teuer wie der Käfer, insgesamt also 60% weniger gewichtsbezogene Leistung je investierten Euro beim Porsche. Und auch bei den Anschaffungs- und Fixkosten wie Reperatur, Steuer und Versicherung schneidet der Porsche aus ökonomischer Sicht bezogen auf die wesentliche Grundleistung „1 Personenkilometer“ ziemlich miserabel ab, auch dann noch, wenn man das Einstiegsmodell (300PS, 60.000,-Euro) wählt. Ein Jeans-Käfer Modell 1200 mit 25KW (34PS) Baujahr 1974 kostete damals knapp 7.000,- DM, der Porsche Cayenne Turbo ist ab zirka 120.000,- Euro erhältlich! Der Marktanteil der SUV in der BRD liegt apropos mit über 500.000 Neuwagen jährlich in der BRD bei derzeit über 15% mit starker Tendenz zu 18% Marktanteil und ist damit bereits heute die drittgrößte Modellgruppe! Jedes Jahr werden damit allein in der BRD rund 500.000 Tonnen an veredelten Rohstoffen zusätzlich verbraucht, verglichen mit einem normalen, zweckmäßigen Auto, was nur ca. 1 Tonne wiegen würde. Das sind jährlich geschätzt mindestens über 15 Mrd. Euro, die deutsche Autokäufer mehr zahlen, um einen doppelt so schweren SUV fahren zu können. Hinzu kommt die 3-fache Menge Treibstoff (verglichen mit einem 3-4 Liter Auto), also ein unnötiges mehr von ca. 600 Mio. Litern Kraftstoff pro Jahr (bei ca. 20.000 km p.a.) im Wert von ca. 1 Mrd. Euro! Allein das sind schon 16 Mrd. Euro Mehrkosten (200,- Euro je Bundesbürger bzw. 400,- Euro je Haushalt), die uns der ganze Wahnsinn SUV kostet. Vater Staat verdient mit 19% Mehrwertsteuer und einer saftigen Spitsteuer etc. natürlich nicht wenig an diesem ca. 20 Mrd. Euro schweren SUV-Markt, der übrigens nur einen Bruchteil des Exportmarktes für deutsche Automobilhersteller ausmacht. Dies ist auch der Grund, warum Vater Staat gesetzlich nichts gegen diesen Wahnsinn unternimmt, weil er ordentlich mitkassiert und die SUV´s zudem Arbeitsplätze sichern (jeder 5´te Arbeitsplatz hängt leider an der Automobilindustrie). Den eigentlichen Gewinn jedoch machen mit geschätzten 10 Mrd. Euro allein auf dem deutschen Markt wohl die SUV-Hersteller selbst.

vernunft + $: Was ist nun mit der viel beschworenen Vernunft, Weitsicht, Intelligenz und dem fortschrittlichen Verantwortungsbewußtsein der westlichen Zivilisation im 21. Jahrhundert? Sobald die Dollarzeichen blinken, setzt -wie eh und je. der Verstand bei den Produzenten wie Konsumenten offensichtlich zu 100% aus. Die Verantwortlichen in der Indsutrie sind -kein großes Geheimnis- allein am maximalen Profit interessiert (maximaler Preis für minimalen Service-, Produktions- und Materialaufwand) . . . was der Markt und die Gesetzgebung eben so hergeben. Und wenn die Politik es als Gesetzgeber neben der Macht der Konsumenten nicht schafft, den Markt mit vernünftigen wie nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen zu regulieren (und das macht ja sonst keiner freiwillig außer der Politik bzw. unseren Volksvertretern), kann man den Marktmachern, also der Wirtschaft und der Industrie im Prinzip keinen Vorwurf machen, wenn sie am Wohlergehen der Menschheit und der Natur nicht wirklich interessiert sind, wohl aber am Geldverdienen, an neuen Märkten und an traumhaften Umsatzsteigerungen weltweit. Wir Bürger wählen im Prinzip nicht an der Wahlurne, sondern letztendlich mit unserem Geldbeutel, mit unserem Konsumverhalten und auch mit unseren Firmenbeteiligungen von Aktiengesellschaften, die das Prinzip der maxialen Ausbeute stärken.

politic + moral: ein kleiner Ausflug in die Politik und Wirtschaft: eigentlich dürften aus moralischen und ethischen Gründen nach dem 2. Weltkrieg auf deutschem Boden so oder so nie wieder Waffen hergestellt, geschweige denn gebraucht werden. Und doch hat sich die deutsche Rüstungsindustrie durch außenpolitische Zwänge und politische Legitimation (legitimiert durch den Bundessicherheitsrat, der durch Mitglieder der Regierung gestellt wird) bis heute weltweit zu einer der feinsten und einflußreichsten Adressen auf der ganzen Welt entwickelt (über 11% Anteil am Waffenexport weltweit, über 5 Mrd. US-$ jährlich, drittgrößter Waffenlieferant weltweit nach den USA und Russland). Und man ist sogar noch stolz, wenn Konzerne wie Siemens, Mercedes (Dasa, Focker, MTU, MBB, TST, AEG), Rheingold, Krauss-Maffei Wegmann, Diehl, Heckler & Koch, Mauser usw. Jahr für Jahre Milliardenaufträge aus der ganzen Welt erhalten, „made in germany“ natürlich Arbeitsplätze, Know-how  und auch Steuereinnahmen sichert. Kunden sind natürlich EU-und Natoländer, Natoverbündete, Dritt- und Entwicklungsländer, u.a. Taiwan, Saudi-Arabien, Türkei, Griechenland, Israel, Irak, Katar, Singapur, Polen, Kanada, Korea, Arabische Emirate, Ghana, Südafrika, Afghanistan, Algerien, Chile, Kolumbien, Libanon, Oman, Philipinen, Indien, Serbien, Kosovo, Trinidad, Kasachstan, Ukraine, Andorra, Burkina Faso, Mosambik usw., über 50 Länder allein in 2011. Mehr als 40% aller Waffenexporte gingen 2011 in sogenannte Entwicklungs-(9%) und Drittländer (33%). Ein Land mit einer solch traurigen Geschichte wie Deutschland hat „friedliches“ Vorbild für die Welt zu sein, anstatt wieder Nr. 3 der Waffenhersteller zu werden. Es hätte gereicht, das Bündnis Nato -zumindest bis zum Ende des kalten Krieges- zu unterstützen und niemand hätte von den Natostaaten ernsthaft erwartet, daß Deutschland sich an Kampfeinsätzen in der Welt beteiligt. Ganz gleich, wie man zum Einsatz von Kriegswaffen steht: einmal angewendet bringen sie viel Tod, Zerstörung, Schmerz und Leid in eine Bevölkerung (siehe 3. Reich) und die körperlichen wie seelischen Wunden sowie Folgekosten gehen weit in die nächsten Generationen hinein, bei den Tätern wie bei den Opfern und auch der Umwelt. Wie auch immer haben die Alliierten es im Dunst des beginnenden „Kalten Krieges“ zugelassen, daß im Nachkriesdeutschland schon bald wieder produziert werden darf (Eintritt in die EVG 1952 durch den Ost-West-Konflikt ( Koreakrieg), Eintritt in die Nato 1955 (Gründung des Warschauer Pakt) und schließlich die Gründung der Bundeswehr im gleichen Jahr), obwohl sich der Deutsche Bundestag 1949 „gegen“ eine nationale Wiederbewaffnug ausgesprochen hatte. Daß Deutschland eine Bundeswehr und auch wieder eine Rüstungsindustrie bekommen hat, ist also allein Folge des „Kalten Krieges“, der jedoch spätestens mit dem Zerfall des Warschauer Pakt und der Sowjetunion 1991 „Schnee von gestern“ ist und damit historisch betrachtet seit nunmehr 14 Jahren keine politische Legitimation mehr besitzt. Waffen sollten eigentlich im 21. Jahrhundert nach zwei verheerenden Weltkriegen, nach Vietnam und auch nach dem fatalen Ausgang des Golfkrieges keine Option mehr sein, Konflikte nachhaltig und menschenwürdig lösen zu wollen. Was also mit aller christlichen oder menschenrechtlich verankerten Moral von Friede und Gerechtigkeit (die wir unseren Kindern so mühsam beibringen!), wenn sich im wirklichen Leben keiner dran hält und auch Musterdemokratien wie die unsrige daran nicht wirklich etwas ändern, wann immer es etwas zu verdienen gibt?

doppelmoral: Sodann steckt insbesondere bei den Deutschen immer eine seltsame Doppelmoral in allem, was wir wirtschaftlich als technikaffine, wissenschafts- und ingenieurbegabte Exportweltmeister stets 100%ig so auf die Beine stellen. Und seltsamer Weise profitiert davon, vor allem vom Geschäft mit dem Tod, nichteinmal so sehr das Volk (bis auf ein paar 1.000 Arbeitsplätze), sondern überwiegend eine überschaubar kleine Gruppe von extrem machtorientierten Industriellen und Mehrheitsaktionären. Aus Gründen der Wahrung und Achtung der „Menschenrechte“ dürfte man (also die BRD, defacto also wir Bundesbürger und Volksvertreter) eigentlich mit so manch potentiellem Auftraggeber keine Geschäfte machen. Machen wir aber -ganz offiziell via werbender Kanzlerin-, weil es um Millionenaufträge für die deutsche Wirtschaft geht, weil es um internationalen Wettbewerb geht, um technologische Vormachtstellungen usw. Und auch die Bauindustrie ist in ihrer monopolorientierten Organisation und Struktur, in ihrem Streben nach (internationalem) Einfluß, Macht und Marktbeherrschung nicht wesentlich anders aufgebaut als die Automobil-, die Pharma-, Lebensmittel- oder auch Rüstungsindustrie. Man hat kein Interesse daran, nachhaltige, ressourcenoptimierte, energiesparende, vernünftige Produkte zu entwickeln, weil Einsparungen und Optimierungen jeder Art immer mit Produktions- und Umsatzeinbußen, gar dem Wegfall der vorhandenen Technologien und Produktionsstrukturen gekoppelt sind. „Wachstum“ läßt sich nur durch neue Märkte, mehr Produktion, mehr Absatz, geringere Lohnkosten und mehr Konsum herstellen, nicht aber durch Effizienz und Optimierung der Produkte, gar Verzicht auf ein unsinniges Marktsegment. Große, etablierte Pharmakonzerne bespielsweise schrecken selbst vor Kindern nicht zurück, wenn es um die Steigerung des Absatzes von bestimmten, nicht für Kinder erprobten noch zugelassenen Medikamenten geht! Die Lebensmittelindustrie rotiert seit Jahrzehnten von einem Skandal zum nächsten und die Politik unternimmt nichts, was in dieses pervertierte System massiv eingreift. Es gibt aus Sicht der Konsumenten kein Argument mehr, warum man diesen wirtschaftlich pervertierten Strukturen der Industrie, aber auch der permanent versagenden Politik noch Vertrauen, gar Verständnis entgegen bringen sollte. Nicht nur, daß sich die Arbeitsbedingungen, die Löhne, die Renten und Beschäftigungssicherheit (Massenentlassungen, Zeitarbeit, Import von billigen Arbeitskräften aus den Nachbarländern, Minimierung der Stammbelegschaft, Unterdrückung von Betriebsräten bis hin zur lagerähnlichen Unterkunft von Zeitarbeitern usw.) zunehmend auf existentiell bedrohliche Weise verschlechtern, nein, auch die Produkte und Produktionsweisen schädigen rücksichtslos Natur wie Mensch. Die Gewinne der deutschen Industrie werden, wie man den Statistiken der Vermögensverteilung entnehmen kann, seit Jahrzehnten nicht an die arbeitende Bevölkerung und/oder den Staat weitergegeben. 10% der Bundesbürger besitzen 80% des gesamten Vermögens. Der Staat hat es -aus welchen Gründen auch immer- seit Jahrzehnten sträflichst versäumt, diese profithungrige Industrie an die Kette zu nehmen. Als Ergebnis haben wir quasi marktbestimmende Monopolsituationen in fast allen Wirtschaftsbereichen (oder auch Scheinwettbewerb wie bei der Energieindustrie), während unzäglige KMU´s mit ehemals sozialer wie auch ökologischer Verantwortung Insolvenz angemeldet haben. Die Industrie kümmert sich um Ökologie und Fairness nur, wenn man damit (kurzfristig) Geld verdienen kann. Ansonsten muß alles durch Tiefstpreisgestaltung vom Markt gefegt werden, was nur irgendwie Konkurrenz und Umsatzminderung bedeutet. „Raubtierkapitalismus“ ist keine Fatamogana sondern gelebte Realität in ganz Europa, hübsch verpackt mit einem Lächeln und einer roten Schleife! „Soziale Marktwirtschaft“ gibt es seit 30 Jahren nicht mehr, wohl aber Berlin- und Brüssel-Lobbyismus in Reinkultur. Die sozialen, kulturellen wie wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Skandinavien (Schweden, Norwegen) und der BRD oder auch Frankreich und GB sind zu groß, als daß man hier noch von „sozial“ sprechen dürfte. Und wenn die heimischen Märkte einmal ausgezehrt sind, zieht man -die Raubtierkapitalisten- in die weite Welt, nach China, nach Russland, nach Südamerika und Afrika, mit 2 stelligen Wachstumsraten und sicheren Konten im Ausland, während man die Tore in Deutschland einfach von heute auf morgen schließt (z.B. Nokia Bochum, Rumänien etc.), verbunden mit Massenentlassungen und all dem kontaminierten Müll, den mehrere Jahrzehnte Industrialisierung und die systematische Ausbeutung von Arbeitskräften (Krankheitsfolgekosten etc.) hinterlassen! Nicht Deutschland ist reich, sondern nur ein paar Tausend Menschen von 82 Millionen Bundesbürgern sind wirklich unverschämt reich, weil wir Bundesbürger sie durch viel zu billige Arbeit und zu teure Produkte einfach reich gemacht haben . . . oder aber wir Produkte kaufen (und damit defacto die Hersteller legitimieren), die von Menschen hergestellt werden, die ihre Arbeit aus existentieller Not noch viel, viel billiger anbieten. All das ist kein Pessimismus oder Schwarzseherei, sondern Alltag in Deutschland, Alltag in der EU, Alltag in der ganzen Welt. Und wenn man die Leute fragt, will keiner Krieg und Gewalt, will keiner Not und Elend in der 3. Welt, will keiner Ausbeutung und Abhängigkeit, will keiner Umweltzerstörung, will keiner neben einem atomaren Endlager oder AKW wohnen, will keiner kontaminierte Eier oder falsch deklariertes Gammelfleisch, will keiner qualvolle Tiertransporte durch Europa, will keiner die Streichung des informellen Selbstbestimmungsrechtes zugunsten der Wirtschaft, will keiner den Überwachungsstaat und keiner will Korruption und Lobbyismus in der Politik usw. Wenn keiner das will, ist die Frage berechtigt, warum wir es in den letzten 30 Jahren nicht geschafft haben, eine soziale und umweltfreundliche Politik der Vernunft und Einsicht zu etablieren und auch Europa so zu gestalten, daß zukünftige Generationen tatsächlich ein besseres Leben haben werden.

gebäudeoptimierung: um ein Gebäude so umwelt- und kostenschonend wie möglich zu bauen, fließen mehrere Faktoren zusammen:

1. der Grundriss sollte möglichst kompakt (quadratisch/ rund) sein, um bei gleicher Grundfläche ein Minimum an teuren Hüllflächen (gedämmte Fassaden) zu verbrauchen. Allein hier können bis zu 20% an Materialaufwand und Kosten für die Hüllflächen sowie Kühl- und Heizkosten eingespart werden.

2. Optimierung und Reduzierung der tatsächlich benötigten Funktionsflächen/ Raumprogramm: auch hier können je nach Funktion bereits 20% bis 30% an Grundfläche (Verkehrsflächen wie auch Raumgrößen) eingespart werden. Mit der eingesparten Grundfläche reduzieren sich automatisch auch die Kosten und der Materialeinsatz für die Fassadenhüllflächen. Je weniger m³ umbauter Raum, desto geringer auch die Kühl- und Heizkosten.

3. Der Aufwand für eine Gründung ist bei einer 1-geschossigen Bauweise nicht effektiv: je kubischer das Volumen, desto günstiger das Verhältnis von Hüllfläche zum umbauten Raum! Die Höhe eines Gebäudes sollte also in etwa den Kantenlängen entsprechen. Bei üblichen Gebäudetiefen von 10 bis 20 Metern im Quadrat also 3 bis 6 Vollgeschosse. Hinzu kommt, daß beim Geschossbau für mehrere Nutzungseinheiten nur 1 Hausanschluß- und 1 Heizungsraum benötigt wird. Medien- und Installationsleitungen können zentral und damit raum-, material- und kostensparend organisiert werden. Auch das Heizungssystem wird umso effektiver, je mehr Nutzungseinheiten daran angeschlossen sind. Bei einer 1- geschossigen Bauweise fallen bei 100m² Grundfläche 200m² Hüllflächen für Boden und Dach (2m²/m² Grundfläche) an. Bei einer 2 geschossigen Bauweise halbiert sich der Verbrauch auf 1m² je m² GF, bei einer 5 geschossigen Bauweise sind es nur noch 0,4m²/ m² GF. Natürlich wird auch die verbrauchte Grundstücksfläche umso effektiver und damit kostengünstiger ausgenutzt, je mehr Geschosse ein Gebäude hat. Berücksichtigt man den zusätzlichen Erschließungsaufwand für Treppenanlagen und Aufzug (ca. 15-20%), wird das Grundstück bei einer 5 geschossigen Bauweise 4 mal so effektiv ausgenutzt wie bei einer 1-geschossigen Bauweise.

4. Optimierung der Raumhöhe: je kleiner die Räume, desto geringer können die lichten Raumhöhen sein (min. jedoch 2.50m i.L.). Zur lichten Raumhöhe kommt nun noch die Deckenhöhe, die konstruktiv möglichst gering ausfallen sollte (ca. 20-25cm). Niedrige Decken sind mit entsprechend geringerem Gewicht und Materialeinsatz verbunden. Ist die lichte Raumhöhe statt 2,50m etwa 2,75m und die Deckenhöhe statt 20cm etwa 30cm, ergibt sich bei 5 Geschossen eine zusätzliche Fassaden- und Innenwandfläche sowie zusätzlichen Bruttorauminhalt (Heizkosten…) von ca. 12 bis 15%. beträgt die lichte Raumhöhe 3.00m und die Deckenhöhe 40cm, sind es schon 25 bis 30%  an zusätzlichen Fassaden- und Innenwandflächen sowie Bruttorauminhalt.

5. Leichte Bauweisen in Holz haben gegenüber einer massiven Bauweise eindeutige Nachteile im akustischen Verhalten sowie im Brandschutz, sind jedoch wesentlich leichter (Minimierung Transport- und Montagegewicht, geringere Eigenlasten = geringere statische Dimensionierung) und wesentlich einfacher und schneller vor Ort zu verbauen. Dämmtechnisch Verhalten sich beide Bauarten nahezu identisch, während massive Bauteile die Wärme viel besser speichern und zeitverzögert an die Räume wieder abgeben können (erhöhter Komfort). Bei Holzbauweisen kann die Dämmschicht grundflächensparend in die konstruktive Ebene verlegt werden, während sie bei massiven Bauteilen zusätzlich von außen aufgesetzt wird. Fassaden in Leichtbauweisen benötigen ca. 40 bis 60% weniger Konstruktionsfläche als gedämmt Massivbauwände. Bei einem Gebäude von 20×20 Meter Kantenlänge (40 lfm. Fassade) sind dies je Geschoss ca. 12m² für Massivbauwände (3% der Grundfläche) und ca. 6m² (1,5% der Grundfläche) bei Leichtbauweise. Multipliziert mit der Geschoßzahl 5 werden beim Massivbau beispielsweise 30m² zusätzliche Konstruktionsfläche = weniger Nutzfläche benötigt! Hinzu kommt die enorme Gewichtseinsparung von über 50 bis 75%, die sich positiv auf die Statik (schlankere Dimenionierung) und das Verbau- und Transportgewicht auswirkt. Auch, wenn beide Bauarten zu 100% Recycelbar sind, muß beim Massivbau durch das hohe Gewicht wesentlich mehr Energie bei der Sanierung/ Erneuerung der Bauteule investiert werden. Daß Holzbauten bei richtiger Konstruktion (konstr. Holzschutz) und Pflege auch als Geschoßbauten wie die Steinbauten mehrere Hundert Jahre alt werden können, stellt beide Bauweisen bezüglich ihres Lebenszyklus gleich. Vom Materialinput jedoch haben massive Bauteile mit 1.500 bis 2.000kg/m³(gebrannte Steine, Ziegel, Klinker, Kalksandsteine, Mörtel, Zement, Beton etc.) in Sachen Energie-, CO2-, Abraum- und Schadstoffbilanz gegenüber dem Holz (800kg/m³) keine Chance.

6. Minimierung und optimierung der Fensterflächen: Verglaste Fassadenflächen kosten ca. doppelt bis dreifach so viel wie geschlossene Fassaden. Der verglaste Fensteranteil sollte jedoch mindestens 20% der Grundfläche eines Aufenthaltraumes entsprechen, um diesen ausreichend mit tageslicht zu versorgen. Werden alle Nebenräume an die Nordseite positioniert, liegt der verglaste Anteil bei ca. 15% der Grundfläche. Bei einer Geschossfläche von beispielsweise 100m² sind dies ca. 15m² Fensterfläche, die die Fassade um ca. 12-15% verteuert. Ein raumhoch verglaster Bungalow kommt hier bei gleicher Grundfläche bereits auf 30 bis 50m² Glasanteil mit Mehrkosten für die Fassade von 25 bis 45%.  Nebenräume sollten hingegen grundsätzlich ohne Fenster ausgestattet werden. Auch teure und gute Isolierverglasungen haben nach wie vor einen wesentlich schlechteren Dämmwert als gedämmte Fassaden, so daß hier über die Fenster ein Teil der Heizenergie verloren geht, andererseits einstrahlende Sonne den Raum mit Energie und Wärme versorgt (solare Gewinne). Die meiste Energie geht jedoch durch unkontrolliertes Lüften (also Öffnen der Fenster) und schlecht gedämmte Decken bzw. Dächer verloren, da warme Luft immer nach oben aufsteigt. Die kaum von der Sonne gestrichene, meist verschattete Nordfassade (tiefstehende Morgen- und Abendsonne) sollte nach Möglichkeit zu 100% geschlossen bleiben, da hier außer blendfreiem Nordlicht kaum solare Gewinne zu erwarten sind. Glas ist ein wunderbarer Baustoff, aber auch extrem Energie- und Ressourcenintensiv!

7. Durch die Multiplikation der einzelnen Einspar- und Optimierungseffekte können Gebäude unter Berücksichtigung der Grundstücks-, Energie- sowie Sanierungs- und Renovierungskosten sehr ökologisch und kostengünstig hergestellt werden. Grundsätzlich gilt: minimal notwendige Grundfläche/ Programmfläche in effektiver Geschossbauweise (minimale Hüllflächen bei max. Raumvolumen durch kompakte Kubatur, maximale Ausnutzung der bebauten Grundstücksfläche) sowie minimaler Geschoßhöhe (minimales Raumvolumen, minimaler Kühl- und Heizbedarf und minimale Innenwand- und Fassadenflächen) und minimaler Bauteildimensionierung (minimale Konstruktionsfläche im Grundriss bei maximaler Nutzfläche je bebauter Grundstücksfläche, minimales Bauteilgewicht bei optimaler Statik durch geringe Eigenlasten) reduzieren die benötigten Fassaden-, Decken,- und Bodenflächen und damit den gesamten Material-, Rohstoff- und Energieeinsatz, die damit verbundenen Umweltbelastungen, die Bauzeit sowie insgesamt die Bruttobaukosten, Planungskosten, sowie Folgekosten wie Energie-, Renovierungs- und Instandhaltungskosten.

8. Weitere Einspareffekte für die Umwelt und den Geldbeutel können schließlich auch in der Innenausstattung, den Wand- und Bodenbelägen, der Beleuchtung und der Möblierung vorgenommen werden. So etwa müssen Bäder, WC´s und Küchen nicht zu allen Seiten raumhoch gefliest werden. Auch sind verputzte, gestrichene Wände wesentlich sparsamer als tapezierte Wände, die alle 3-5 neu tapeziert und gestrichen werden müssen. Sparsame wie platzsparende LED-Leuchten sind ohnehin als Standard auf dem Vormarsch. Aber auch über eine clevere Tageslichtsteuerung kann künstliches Licht und damit leuchtmittel- und Stromkosten eingespart werden. So können lichtreflektierende Boden- und Wandflächen im Innenraum wie auch außerhalb an bzw. vor den Fassaden viel Tageslicht in das Gebäude transportieren. Bei Planen und Verlegen der Schalter, Steckdosen und Kabel sollte man stets bedenken, daß in den zig laufenden Metern Elektrokabeln sehr wertvolle wie auch problematische Rostoffe wie Kupfer und PVC für die Ummantelung stecken. Auch das so beliebte Verlegen von Installationen Unterputz ist letztendlich mit zusätzlichen Material-, Energie- und Kosteneinsatz verbunden. Enorme Einsparpotentiale liegen schließlich beim Thema Heizen und Lüften. Vorweg sollten alle Räume durch ein automatisches Steuersystem nur soviel geheizt und gelüftet werden, wie es die tatsächliche Nutzung, Personenbelegung und Witterung auch erfordert. Dazu gehört natürlich die Nachtschaltung, die niedrigere Temperierung von Neben- und Schlafräumen sowie die nutzungsbezogene Heizung von warmtemperierten Bädern. Dazu gehören optimal, nicht überdimensionierte Brennwertkessel, Warmwasserspeicher und natürlich auch effiziente Wärmetauscher, die die Energie der warmen Abluft und auch des warmen Brauchwasser (Küche, badezimmer) wieder dem Energiekreislauf zuführen. Dazu auch regenerative Energiequellen wie Solarkollektoren zur Unterstützung der Brauch- und Heizwassererwärmung, Photovoltaik für die Stromerzeugung (Pumpen, Wärmetauscher), ggfs. auch sparsame Pelletheizungen statt Öl oder Gas und die Nutzung von Erdwärme (Geothermie) im Winter sowie der kühlen Luft im Erdreich im Sommer. Stark frequentierte Räume wie auch Küchen und Bäder brauchen einen erhöhten wie regelmäßigen Frischluftwechsel, der üblicherweise mit hohen Energieverlusten manuell über Fensterlüftung reguliert wurde. Partielle Lüftungsanlagen mit Wärmetauschern sind hier aus energetischer wie hygienischer Sicht sehr empfehlenswert. Kontrollierte Raumluftwechsel können aber auch allein durch den Grundriss bzw. die vertikale Raumorganisation positiv beeinflußt werden (Anbringung von Quellschächten, Wärmespeichern, gezielte Führung der aufsteigenden, erwärmten Luft durch das Gebäude, Ansaugen kühler/ frischer Luft aus unbeheizten Räumen oder dem Keller, geschickte Führung von Kaminschächten etc.). Noch immer werden heute im Schnitt weit über 100kwh/m² (das sind ca. 10 Liter Heizöl je m² p.a.) Wohnfläche im Jahr an kostbarer Energie für´s Heizen verbraucht, obwohl Nullenergiehäuser und Passivhäuser aus wirtschaftlichen, technischen wie ökologischen Gründen längst realisierbar sind. Energieautarkes, und damit allemal ökologisches Wohnen ist heute längst machbar und zudem noch rentabel! Doch auch zu viel Technik und Maschineneinsatz kann die Kosten- und Ökobilanz wieder negativ beeinflussen.

9. Bei allen kleinen Einspareffekten denken Sie immer daran, daß es noch 82 Millionen anderer Bundesbürger gibt, in der EU über 500 Millionen, die ebenfalls Ressourcen und Energien verbrauchen. In der Multiplikation macht 1 Gramm oder 1 Wattstunde schnell stolze 500 Tonnen oder 500.000 kWh bzw. 50.000 Liter Öl aus! Sparen alle Europäer nur 1 kg und 1 kWh pro Jahr, sind das schon 500.000 Tonnen eingesparter Ressourcen und 500 Millionen kWh Strom bzw. 50 Millionen Liter Mineralöl in der EU. Ein AKW produziert netto ca. 10 TWH p.a., das sind 1 Mrd. kWh im Jahr. Sparen alle Europäre pro Jahr nur 2 kWh (das sind gerade mal 200ml Benzin), kann man damit bereits 1 ganzes AKW abschalten! Derzeit verbrauchen wir Bundesbürger je Einwohner allein schon über 5.000kWh (=500 Liter Heizöl oder 500m³ Gas) an kostbarer Energie nur für´s Heizen unserer viel zu großen, schlecht gedämmten und technisch veralteten Wohnungen. Jeder Bundesbürger verbraucht jährlich im Schnitt 50 kg Auto netto, das sind 4 Mio. Tonnen Nettorohstoffe jedes Jahr! Und der ökologische Rucksack für 1kg Auto netto ist gewaltig! Würden wir Deutschen alle Kleinwagen bis max. 800kg Fahrzeuggewicht fahren, würden wir nur 25 kg Auto netto im Jahr verbrauchen und jährlich 2 Mio. Tonnen kostabrer wie teurer Nettorohstoffe einsparen. Würden wir dann auch noch Fahrgemeinschaften bilden, Care-Sharing oder das City-Car nutzen, vielleicht auch mal häufiger mit dem ÖVNP, der Bahn oder dem Fahrrad fahren, wären es schnell weniger als 10 kg Auto netto je Bundesbürger und Jahr, dann schon 3 Mio. Tonnen eingesparter Nettorohstoffe und damit verbundener Energie und sonstigen Umweltbelastungen allein in der BRD. Multiplizieren sie das dann noch mit dem Faktor 4 bis 5 bezogen auf die EU und sie verstehen, warum nicht nur die Industrie diesen lukrativen Massen-Markt nicht freiwillig aufgeben möchte.

10. Insgesamt haben die Deutschen 2012 einen Primärenergiebedarf von unglaublichen 46.000kWh pro Einwohner gehabt (entspricht ca. 5.500 Liter Benzin = 15 Liter täglich). Davon entfielen je Einwohner 15.000kWh auf Mineralöle (ca. 1.800 Liter Benzin, täglich 4,9 Liter), 9.700kWh auf Gas (ca. 1.100m³, täglich 3,0m³), 5.700kWh auf Steinkohle (ca. 700kg, täglich 1,9 kg), 5.600kWh auf Braunkohle (ca. 2.370kg, täglich 6,5 kg), 3.680kWh auf Atomenergie und 5.380kWh auf regenerative Energien. Jeder Bundesbürger ist exklusiver der Exportüberschüsse durch sein Konsumverhalten mehr oder weniger „direkt“ für diese maßlos hohen Verbrauchswerte verantwortlich! Es wäre aus ökonomischer wie aus ökologischer Sicht mehr als wünschenswert, wenn wir diesen Bedarf an Primärenergie auf weit unter 10.000kWh je Einwohner (das sind immer noch 1.160 Liter Benzin p,.a. bzw. 3,2 Liter täglich) reduzieren könnten. Verantwortung für die Umwelt beginnt dort, wo wir mit den z.T. endlichen Ressourcen so sparsam und vernünftig wie möglich umgehen. Ein Mehrverbrauch an Ressourcen bringt in den meisten Konsumbereichen kaum deutlich mehr an Lebensqualität! Wir alle haben das Gefühl für die tatsächlichen Werte von Ressourcen jeder Art komplett verloren. Stattdessen geht es nur um höhere Einkommen für die Steigerung des Konsum: eine größere Wohnung oder ein ganzes Haus, ein größeres Auto, einen Zweitwagen, mehr Computer, Laptops und Handys, Erdbeeren und Tomaten zur Winterszeit, Weine aus Australien oder Chile usw. Das Bruttonationaleinkommen der Deutschen betrug 2010 je Einwohner ca. 30.875,- Euro p.a. bzw. 2.570,-€ mtl., wovon ein Großteil direkt in den Konsum bzw-. Verbrauch von Energien und Ressourcen geht. Wir gehen davon aus, daß allein bei den Energien und Rohstoffen, die zudem überwiegend aus fernen Ländern importiert werden müssen,  mehr als das 10-fache überkonsumiert bzw. mehr oder weniger nutzlos zu Lasten der Umwelt verschwendet werden. Mehr als 80% der Sachgüter und Waren (Möbel, Kleidung, Auto, Elektrogeräte, Elektronik, Werkzeug etc.) werden effektiv weniger als 10% genutzt. Öffentliche Immobilien (Schulen, Kindergärten, Bäder, Museen etc.) wie auch Verwaltung-, Büro-, und Gewerbebauten werden inklusive aller nötigen Infrastruktur (Straßen, Wege, Parkplätze, Versorgungsleitungen, Heizungs- und Lüftungssysteme, Beschilderung) bestenfalls zu 25% genutzt. Lediglich Produktionsanlagen im Mehrschichtbetrieb kommen vielleicht partiell auf 80-90% Auslastung. Wohnbauten werden ebenfalls nur zu 20-25% effektiv genutzt. Autos, Handys, Kameras und PC´s werden nur zu 5-10% genutzt. Kurzum: eine fröhliche, unbekümmerte „Konsum“-Gesellschaft im totalen Überfluß ohne die geringste Vorstellung über den tatsächlichen Wert von Energien und Rohstoffen sowie inakzeptablen Produktions- und Geldwertbedingungen in den sogenannten Billiglohnländern.

11. Das Immobilienvermögen der BRD berägt inklusive der Grundstücke ca. 9,5 Billionen Euro, also ca. 116.000,- Euro je Einwohner. 87% des deutschen Anlagevermögens ist in Immobilien investiert. 2011 wurden insgesamt ca. 560 Mrd. Euro (6.830,- Euro je Bundesbürger), das sind ca. 22% des BIP, von den Deutschen in Immobilien investiert. 60% davon (338 Mrd. Euro bzw. 4.120,- Euro je Bundesbürger) wurden dabei von den privaten Haushalten ausgegeben. In den Hochbau flossen dabei 217 Mrd. Euro (2.650,- Euro je Bundesbürger), 2/3 (145 Mrd. Euro) in den Wohnungsbau und 1/3 (72 Mrd. Euro) in den Nichtwohnungsbau. Hinzu kommen weitere 24 Mrd. Euro für Reperaturen und Instandsetzungen, insgesamt also ein Bauvolumen von 241 Mrd. Euro (2.949,- Euro je Bundesbürger). 2010 wurden in der BRD ca. 1 Mio. Immobilien im Wert von 150 Mrd Euro gehandelt (150.000,- Euro je Immobilie). Von den insgesamt 40,5 Mio. Wohnungen sind 37 Mio. Wohnungen bewohnt, davon 54% vermietet und 46% von den Eigentümern selbst bewohnt. Einfamilienhäuser werden zu 88% und Zweifamilienhäuser zu 59% selbst genutzt. Die Durchschnittsgröße aller Wohnung betrug 2010 ca. 92m². Eigentumswohnungen waren im Schnitt 118m², Mietwohnungen 70m² groß, Wohnungen mit Kindern 113m². 2,3 Personen leben durchschnittlich in einem Eigentümerhaushalt, 1,8 Personen in einem Mieterhaushalt. Jede Person verfügt über 51m² in den Eigentumswohnung und 38,7m² in den Mietwohnungen. Die Bewohner von Eigentumswohnungen haben damit ca. 32% mehr Wohnfläche als die Bewohner von Mietwohnungen. Insgesamt vergügen die Deutschen bei 37 Mio. Wohnungen über 3,404 Mrd. m² Wohnraum, im Schnitt also 42,5m² Wohnraum je Einwohner.

Wir denken, daß 30m² Wohnraum je Person vollkommen ausreichend sind. Damit hätte die BRD bei 82 Mio Einwohnern einen ökonomisch wie ökologisch „angemessenen“ Wohnraumbedarf von 2,460 Mrd. m², also gut 0,944 Mrd. m² bzw. 28% weniger als im derzeitigen Bestand. Damit haben wir volkswirtschaftlich ein überflüssiges Immobilienvermögen von ca. 2,66 Bio. Euro inkl. Grundstücke, das sind je Einwohner 32.440,- Euro! Die daraus resultierende Umweltbelastung liegt bei ca. 1,1 Mrd. m³ Baustoffen (13,4m³ je Einwohner), die in Massivbauweise ca. 1,5 Mrd. Tonnen bzw. 18 Tonnen Baumaterialien je Einwohner entsprechen. Würde man zudem den notwendigen Bestand an Wohnungen komplett in Leichtbauweise (Holz-, Trockenbauweise) ausführen, könnten bis zu 20% der Baukosten (insg. dann 2 Bio. Euro Baukosten) sowie bis zu 60% an Baumasse (insg. dann 860 Mio. Tonnen Baumaterial) eingespart werden. Es geht uns dabei nicht um Geiz oder gar einer drohenden Ökodiktatur (wie es die Lobbyisten der angestammten Verbrauchsindustrie gerne polemisiert), sonder allein um die vernünftigste wie sozial und global halbwegs gerechte Verteilung, Nutzung und Organisation von Raum, Ressourcen und Energien. Urbane Dichte und damit auch soziale Interkation wird durch das unnötige Aufblähen von zusätzlichen, meist dezentralen Raumangeboten definitiv behindert wenn nicht sogar zerstört. Familie beispielsweise kann die gemeinsame Zeit im Haus oder der Wohnung „zusammen“ erleben . . . oder jeder für sich „autokommunikativ“ in einem separaten Raum. Der Preis, den wir auch für den Überschuß an öffentlichen Raumangeboten zahlen, ist enorm hoch. Je mehr neue Einkaufscenter und Outlet´s auf der grünen Wiese entstehen, desto leerer und öde werden unsere Innenstädte, desto mehr Insolvenzen gibt es bei den Einzelhändlern, desto voller werden die Straßen mit blechernden Autos, in denen ganze Familien zu IKEA & Co. pilgern. Die Jahrtausende alte Idee der gemeinsamen, lokal angestammten „Agora“ als Mittelpunkt einer Bürgerschaft ist die größte kulturelle wie soziale Errungenschaft, die wir nicht einfach so leichtfertig aufgeben sollten. Die wachsenden Angebote der modernen Medien, das Internet, der PC und auch das Handy machen es uns (und vor allem den jüngeren Generationen) schwer genug, noch „aktiv“ und direkt am sozialen und kulturellen Leben zu partizipieren. Doch auch hier werden wir zunehmend auf mediale Konsumenten reduziert. Amerikanische Kinder beispielsweise konsumieren bis zu 8 Stunden TV, Internet und Spielkonsolen täglich. Sieht so eine moderne Gesellschaft der Zukunft aus?

12. Nicht, daß uns die sogenannte Marktwirtschaft und der damit verbundene Wettbewerb mit Qualitäts- und Leistungsprinzip nur schlechtes gebracht hätte. Doch heute stehen wir an einem Punkt, bei dem die Wirtschafterei systembedingt (wegen schlechter Rahmenbedingungen) nur noch und ausschließlich unter Aspekten der Gewinnoptimierung funktioniert und kaum noch am kulturellen, gar sozialen Fortschtitt der Gesellschaft beteiligt ist. Kultureller Fortschritt ist bestenfalls ein Abfallprodukt, wenn man denn mit „fortschrittlichen“ Erfindungen auch Geld verdienen kann. Die Pharmakonzerne stehen exemplarisch dafür, daß i.d.R. nur dort geforscht und produziert wird, wo es einen lukrativen Markt gibt. Medikamente für die Armen oder Menschen mit seltenen Krankheiten lohnen sich einfach nicht. Sogenannte Ethikkomissionen wie auch Kartellämter haben es als Regulierungsinstrumente in den letzten 20 Jahren nicht geschafft, die „freie“ Wirtschaft, insbesondere die kapitale und einflußreiche Industrie, aber auch den mittlerweile pervertierten Finanz- und Versicheungsmarkt (wir erinnern an das legendäre V-Zeichen von Ackermann und die beschämende Boni-Regelung) wie auch die Immobilienbranche durch entsprechende Gesetze und Rahmenbedingungen „pro“ Bürgerschaft, also pro Staat (also im alleinigen Interesse der Gesellschaft) zu steuern. Unsere Wirtschaftsform, die zugunsten hoher Renditen allein auf maximaler Ausbeutung von Mensch und Natur basiert, hinterläßt vor allem in den ärmeren, industriell und technologisch schwach entwickelten Ländern, aber auch im eigenen Land eine katastrophale Umweltzerstörung wie auch soziale Armut und Ungerechtigkeit bzw. hierzulanede Arbeitslosigkeit und/ oder Arbeit zu Niedriglöhnen. Gerade die Deutsche „Veredelungs“-Industrie ist auf Rohstoffe und Energien aus der ganzen Welt angewiesen. Die daraus resultierende Abhängigkeit ist enorm und damit risikohaft für unsere gesamte Wirtschaft. Auch die feinen, in den letzten 10 Jahren drastisch steigenden Exportüberschüsse von mehr als 20% führen die deutsche Arbeitnehmerschaft letztendlich in eine riskante Marktabhängigkeit, die Deutschland im globalen Geschäft national nicht mehr kontrollieren kann. Im Ergebnis müssen wir eine sozial und kulturell unabhängige Wirtschaftsform finden, die zudem noch ressourcenoptimiert und umweltschonend aufgebaut ist. Der materielle Markt -den es nach wie vor geben soll und wird- darf eine Gesellschaft jedoch nicht durch Arbeitsplatzverlust oder Billiglöhne geiseln oder erpressen! Löhne und Gehälter müssen wieder überwiegend (und nicht ausschließlich) aus material- und energiefreien, also umweltfreundlichen Leistungen generiert werden (Dienstleistungsgesellschaft, Wissensgesellschaft etc.). Dazu gehört auch, daß die Einkommen nicht mehr so stark in den materiellen Konsum (Haus, Auto, Elektronik etc.) als vielmehr in echte Dienstleistungen mit sozialem und/ oder kulturellem Mehrwert investiert werden.

13. Wir schätzen, daß durch technische Rationalisierung (Maschineneinsatz, IT etc.) und überflüssige Wohlstandsleistungen, Wohlstandskonsum und Wohlstandsproduktion 50% bis 80% unserer derzeitigen Abeitsplätze zum Leben nicht relevant, also ebenfalls überflüssig sind. Statt 40 Millionen Arbeitsplätze bräuchten wir nur 10 bis 20 Millionen Arbeitsplätze zur qualitativ immer noch hohen Grundversorgung unserer Gesellschaft. Dies würde bedeuten, daß wir bei immer noch ca. 45% Beschäftigungsquote statt einer 40 Stundenwoche nur 16 bis 24 Stunden (also 2-3 Tage á 8 Stunden) die Woche arbeiten müßten. Ein enormer Gewinn an sogenannter „Freizeit“, vielmehr an Zeit für die Familie, die Kinder, Freunde, soziale Kontakte, generell soziales und kulturelles Engagement. Der gesamte Bedarf an versorgenden Infrastrukturen, Grund und Boden, Straßen, Bürogebäuden, Geschäftsgebäuden, Gewerbe- und Industriegebäuden etc. könnte im Prinzip mühelos halbiert werden. Der ganze die Umwelt wie Anwohner belastende Straßenverkehr, Bahn- und Flugverkehr mit all seinen personellen Aufwendungen, Lärm- und Schadstoffemissionen sowie tragischen Unfällen und damit verbundenen Gesundheitskosten könnte halbiert werden. Der gesamte Bedarf an Energie, an Strom, Kohle, Öl, Gas etc. wie auch regenerativen Energien könnte halbiert werden. Kein Mensch hat je ausgerechnet, wieviel an Rohstoffen und Energien man tatsächlich für eine zufriedene, glückliche und gesunde Gesellschaft benötigt. Doch allein das ist oder sollte der Maßstab für Fortschritt und Zukunft sein, lokal wie global. Wir glauben, daß es (nicht nur an Bürokratie) nur ein Zehntel dessen ist, was wir tatsächlich in Deutschland für unser vermeindliches Wohlstandsglück derzeit verbrauchen.

Immer wieder wird in dringlichen Fragen der Gerechtigkeit und des Umweltschutzes das längst antiquierte „antisozialistische“ bzw. „antikommunistische“ Argument der Freiheit, der Selbstbestimmung und individuellen Entfaltung von den Konservativen und sogenannten Marktliberalen angeführt, um die liberale Marktwirtschaft irgendwie noch zu verteidigen. Das stets gelobte amerikanische Modell vom unbegrenzten wie freien Kapitalismus hat sich jedoch seit den letzten 30 Jahren als extrem umwelt- und gesundheitszerstörend wie vor allem unsozial erwiesen, wenn man sich die Situation der amerikanischen Wirtschaft und seiner Bevölkerung heute anschaut. Hier wie da (Rußland, USA, China, Europa, neuerdings auch Südamerika) gibt es eine handvoll Superreicher und Wohlhabender mit einer ungeheuerlichen kapitalen wie politischen Macht, die tatsächlich den amerikanischen Traum „leben“ können. Doch wenn weniger als 10% der privilegierten Bevölkerung mehr als 80% des Vermögens besitzt, ist das zutiefst ungerecht, unsozial, undemokratisch wie gesellschaftsschädigend. Noch unverständlicher ist, daß diese Menschen (mit Ausnahme von China) politisch -also auf demokratischem Weg- dazu legitimiert sind, soviel Reichtum und Macht in einer Person zu konzentrieren. Tatsächlich haben wir es mit kapitalistischen Diktaturen und Diktatoren zu tun, die sich in globalen Pseudodemokratien frei entfalten können. Und es hilft auch wenig, wenn weltweit 100.000 Superreiche großzügige Spenden in soziale oder humanitäre Projekte fließen lassen, um nach außen hin medial wirksam den heiligen Samariter zu spielen. Diese extrem hohen Summen von Kapital, die sich hier auf einen sehr begrenzten Personenkreis innerhalb der global agierenden Superkonzerne konzentrieren, wurden fortlaufend mit Beginn der Industrialisierung und der Einführung der kapitalen Marktwirtschaft -ein Großteil deutscher Konzerne war darüberhinaus stark mit dem NS-Regiem und den damit verbundenen Zwangsenteignungen von Firmen sowie Zivilpersonen sowie dem Einsatz von Zwangsarbeitern direkt und indirekt verflochten- sukzessive der arbeitenden Bevölkerung -die ja erst die Produkte und Dienstleistungen erwirtschaftet haben- wie letztendlich auch dem Staat -etwa durch unterlassene Steuerzahlungen und systematische (illegale) Kapitalflucht ins Ausland wie auch durch starke Lobbyarbeit und Korruption bei der europäischen wie bundesrepublikanischen, parlamentarischen Gesetzgebung- entzogen. Ließe sich das daraus resultierende Vermögen in Relation zum Gesamtvermögen der Gesellschaft auf 5% bis max. 20% Anteil taxieren, würde man von sozialer Ungerechtigkeit heute nicht reden. Im Prinzip stehen alle Einkommen, die mehr als das Doppelte des durchschnittlichen Median-Einkommens betragen, unter dem dringenden Verdacht, nicht „leistungsgerecht“ erwirtschaftet worden zu sein. Kein Mensch kann im gleichen Zeitraum doppelt, gar dreifach so produktiv sein wie der Durschnitt! Wir aber leben in einem Land, in dem der Spitzenmanager eines Konzerns 100 mal soviel verdient wie ein angesehner Facharzt oder Universitästprofessor, der doppelt so viel verdient wie der Autobauer und Ingenieur, der doppelt so viel Gehalt bekommt wie der Kindergärtner oder Krankenpfleger, der immer noch doppelt so viel verdient wie ein Niedriglohnjobber bei Amazon oder als Spargelernter auf einem deutschen Acker. Der Spitzenmanager der Industrie verdient also 500 mal soviel wie der Kindergärtner oder Krankenpfleger, gar 1000 mal soviel wie der Niedriglohnjobber. „Halbwegs“ soziale Gerechtigkeit sieht sicherlich anders, ganz ganz anders aus. Kurzum: von unserer bundesrepublikanischen Idee einer sozialen Marktwirtschaft ist bis heute unterm Strich nicht mehr viel übrig geblieben. Der 2008 gefeuerte Boss der 2008 gegen die Wand gefahrenen HRE (Hypo Real Estate), der damals drittgrößten Bank Deutschlands, deren Rettung den deutschen Steuerzahler bisher über 19 Mrd. Euro gekostet hat (230,- Euro je Bundesbürger!), besteht noch heute im Alter von 57 Jahren auf Auszahlung seines Vorstandsgehaltes von insg. 3,5 Mio. Euro bis Vertragsende 2013 und eine monatliche Rente von 47.000,- Euro!, zusammen also mehr als 12 Mio Euro Forderungen an der Staat bis Rentenende. Wenn das Nichtstun in Deutschland 3,5 Mio Euro kostet (700.000,- Euro Gehalt jährlich) und der Mann soviel monatliche Rente haben will wie ca. 30 monatliche Nettopensionen (1.700,-Euro III/ 1.500,- Euro I ) bzw. Angestelltenrenten (1.600,-Euro III/ 1.400,- Euro I) bei einem Beamtengehalt bzw. Einkommen von 3.000,- Euro der Steuerklasse III bzw. I, wird das gesamte Leistungsprinzip zur Farce. Der unglückliche Exboss der HRE steht hier nur exemplarisch für weitere 100.000 an der Spitze deutscher Firmen und Konzerne. All das ist mit gesundem Menschenverstand nicht mehr vermittelbar.

Auch die mit Beginn der 1990´er Jahre einsetzenden Umweltbewegung -die Grenzen des Wachstums vom Clube of Rome erschienen bereits 1972!, die „Grünen“ starteten 1983 in den Bundestag- Stichwort: ökologisch-soziale Marktwirtschaft) ist heute zwar medial „en vogue“, in anbetracht der tatsächlichen Energie- und Rohstoffverbräuche der Privatkonsumenten und der Wirtschaft jedoch ein 100% Stillstand in nunmehr 25 Jahren. Obwohl die Produktionstechnologien bei uns immer smarter und umweltschonender werden, werden die Einsparungen durch einen kontinuierlichen Mehrverbrauch wieder zunichte gemacht (siehe Beispiel SUV, Smartphone-Terror, Anstieg der Wohnungsgröße usw.). Und global sieht es noch viel schlechter aus, da hier immer mehr Menschen (China, Südamerika, Afrika, Rußland) ebenfalls in den grenzenlosen Konsumgenuß kommen wollen (oder zumindest von der Industrie werbend dazu aufgefordert werden) und hierfür gewaltige Mengen Energie und Rohstoffe (mit zum Teil veralteter Technik) benötigt wird. Die produzierende Industrie „freut“ sich weltweit auf den neuen, milliardenschweren Absatzmarkt, wo mehr als 4 Milliarden unvermögende und meist arme Menschen weltweit von den Slums in die konsumorientierte Unter- und Mittelschicht aufsteigen wollen. Und immer wieder ist es die gleiche Mixtur aus technischem Know-How, priviligiertem Zugang zu Energieressourcen und Rohstoffen, die den Menschen Reichtum, Arbeitsplätze und Wohlstand verspricht, sie letztendlich aber nur mit den uns längst bekannten „zivilisatorischen“ Problemen geiselt. Nicht, daß wir gegen Technik, Know-how und Artefakte sind, doch sie müssen „pro“ Gesellschaft und „pro“ Natur eingesetzt werden – nicht mehr und nicht weniger. Wenn wir dahin kommen, daß uns beispielsweise eine dominante Rüstungsindustrie dazu auffordert, Krieg zu führen, nur allein um Arbeitsplätze zu erhalten oder zu schaffen, die Wirtschaft anzukurbeln oder um an wertvolle Rohstoffe bzw. Territorien zu gelangen, sind wir nicht besser als die finstersten Barbaren und andere prominente, verbrecherische Kriegstreiber der Weltgeschichte.

Menschen wollen leben, und dies überwiegend in Frieden und in Gerechtigkeit! So aber werden unsere Politiker (Volksverteter) mit den primitivsten Parolen vom Kampf der Kulturen und anderen existentiellen Bedrohungen (Achse des Bösen, Kapitalflucht, Wegbleiben von Investoren, drohende Insolvenzen, steigende Arbeitslosigkeit, Verlust der technologischen Führerschaft usw.) „paranoid“ und bange gemacht oder einfach nur mit verlockendem Geld und weiteren Annehmlichkeiten des Lebens korrumpiert, daß sie bei all den rentablen Verbrechen gegen Mensch und Natur das Recht des Volkes und die Macht des Volkes verbiegen und mißbrauchen. Die Gesellschaft der Zukunft sieht ganz anders aus, als es uns der „Markt“ werbenderweise immer wieder und wieder zu zeichnen versucht: nur ein Bruchteil der Menschen wird tatsächlich damit beschäftigt sein, die materielle Grundversorgung mit Nahrungsmitteln sowie notwendigen Infrastrukturen, Gütern und Waren herzustellen. Der Rest der Gesellschaft, und dies sind mehr als 75%, leben als hochsozialisierte „Kulturmenschen“, als Bildungsmenschen, als Erfinder, Forscher, als kreative Menschen und feiern die transparente Demokratie, die freie Bürgerschaft, das gemeinsame Miteinnader und Füreinander. Alle haben Angst vor diesem als „sozialromatisch“ verklärtem Gesellschaftbild, doch tatsächlich sind es nur die derzeit minoritären Reichen und Mächtigen, die davor Angst haben und sich wie in Rußland vor dem „Pöbel“ einzäunen, weil sie mit einer echten denmokratischen Gesellschaft all ihre gestohlene Macht und ihr gestohlenes Vermögen verlieren würden. Das ist der eigentliche (friedliche) Kampf, der die nächsten Jahrzehnte weltweit geführt werden wird und nicht der aggressive und mit Waffen zerstörende Kampf gegen Kulturen, gegen Religionen oder Menschen.

14. Was uns heute fehlt, sind kreative Konzepte, wie man mit sehr geringem Aufwand an Material und Energie auf allen Gebieten des Lebens maximalen Wohlstand und Komfort generieren kann! Allein im Bereich der Architektur und Immobilien gäbe es eine Vielzahl von Anwendungen, die sicherlich auch zu ganz neuen ästhetischen Aspekten der Raumwahrnehmung führen können. Der intelligente Leichtbau mit ökologisch halbwegs unbedenklichen Materialien ist nur eine Möglichkeit, wie man vom Möbel bis zum gesamten Tragwerk eines Gebäudes neue Formen und Strukturen entwickeln kann. Vor allem aber müssen sich die Programme und damit die eigentlichen Bauaufgaben und Raumnutzungen ändern, um die vorhandenen wie neuen Raumangebote wesentlich effizient nutzen zu können. Dies betrifft insbesondere die Neubauten und neue Stadtgründungen, etwa in China, Afrika oder Südamerika. Schwierig wird es sein, den alten Bestand mit neuen architektonischen Konzepten zu sanieren, zu erweitern, ohne erhaltenswerte Substanz zu zerstören. Soetwa hoffen wir, daß es schon bald thermisch wirksame, witterungsbeständige wie feuerhemmende Membranbaustoffe gibt, die endlich unsere massiven, schweren Fassaden und Dächer ersetzen werden. Im Bereich der Decken und Böden wird es extrem leichte Wabenstrukturen aus Holzverbundstoffen geben, die unsere alte Massivbauweise mit Zement und Stahlbeton ablösen wird. Auch die massiven Stahl- und Stahlbetonstützen werden extrem leichten, hochfesten 3D-Tragkonstruktionen aus u.a. aus ökologisch sinnvoll eingesetzten Karbonfasern weichen. Summa summarum werden wir je m² Nutzfläche nicht mehr 1 m³ Baustoffe mit einem Gewicht von über 1,5 Tonnen verbrauchen, sondern nur noch 0,2 m³ (in etwa der Inhalt eines Kofferaumes) Hochleistungsbaustoffe mit einem Gewicht von weit unter 100kg. Für einen Wohnraum von 30m² Größe werden heute in Massivbauweise noch 45 Tonnen Baustoffe, in Holzbauweise immer noch 12 Tonnen und in Leichtbauweise dann zukünftig nur noch 3 Tonnen benötigt. Damit sparen wir mehr als 90% des gesamten Energie- und Rohstoffbedarfs allein im Wohnungsbau. Deutschland bräuchte für seine 82 Millionen Einwohner bei 30m² Wohnfläche dann gerade mal 250 Mio. Tonnen Hochleistungs-Baumaterialien statt derzeit 4 bis 5 Mrd. Tonnen in Massivbauweise (60 Tonne je Wohnung bei durchschnittlich 42,5m² je Einwohner). Natürlich wird dies eine gesamte Branche massiv verändern und einen Großteil der derzeitigen Arbeitsplätze, insbesondere im Handwerk, komplett überflüssig machen. Doch echter kultureller Fortschritt heißt: minimaler Arbeitsaufwand (also minimale Beschäftigung/Arbeit) für maximale Leistung! Nur so können wir in den nächsten Jahrzehnten dafür sorgen, daß nicht nur 1 Mrd., sondern alle 5 bis 7 Mrd. Menschen gleichzeitig am Wohlstand, Komfort und kulturellem Wissen profitieren können. Was wir dadurch an sozialen wie kulturellen Synergieeffekten gewinnen, ist derzeit kaum vorstellbar . . . wäre ein Traum von wirklicher Moderne. „Weniger ist Mehr“ bedeutet hier als zukunftsorientiertes soziales wie umweltfreundliches Konzept vor allem ein Mehr für „alle“ Menschen, wenn Rostoffe und Energien durch intelligente Konstruktionen, Verfahren und Nutzungen optimal ausgenutzt werden.

Da Größe -innen wie außen-  dennoch eine wichtige kulturelle wie ästhetische Aufgabe erfüllt, sollten vor allem bestimmte öffentliche Gebäude und Freianlagen nach wie vor relativ „luxeriös“, doch mit Einsatz technologisch wie ökologisch weitentwickelter Baustoffe und Herstellungsverfahren realisiert werden. Wohnungsbauten machen hierzulande zirka 2/3 aller Gebäudetypen aus und sollten schwerpunktmäßig im Schnitt mit 30m² bis 35m² je Bewohner kalkuliert werden und nicht mehr als 8-10m² Grund und Boden je Bewohner verbrauchen. Für Bürogebäude sollten nicht mehr als 10-12m² je Büroarbeitsplatz vorgehalten werden und zudem eine durschnittliche effektive Jahresauslastung von mindestens 35% bis 40% statt der üblichen 15% bis 20% Auslastung erzielen. Ähnlich wie beim Car-Charing können und sollen wertvolle Nutzflächen von Büros, Werkstätten, Laboren wie auch Versammlungsstätten, Museen, Sporthallen, Mensen, Schulen und Kindergärten möglichst rund um die Uhr angeboten und genutzt werden, um die Rentabilität der Immobilien wie der dafür notwendigen Infrastrukturen voll auszuschöpfen.

prolog :: baukultur

Samstag, März 5th, 2011

blau_02.gif

prozesse :: unsere moderne Zivilisation steht mehr denn je in einem spannenden Wechselspiel und Kräftemessen zwischen „alten“ und „neuen“ Kulturformen, die durch Innovationen, neue Märkte, neue Produkte, neue Gesellschaftsformen und sich permanent verändernden Wertmaßstäben gebildet werden. Was die Gesellschaft formt, ist zum einen der Fortschritt der Technologien und des Erkenntnisstandes auf der einen Seite [Know-how, Innovation], die Stabilität und Kontinuität als zeichen der Sicherheit und Stabilität auf der anderen Seite [Tradition]. Experimente und Modernisierungen sind für die Entwicklung einer Gesellschaft überall dort notwendig, wo alte, bis dato bewährte Strukturen, Funktionen, Formen oder Konstruktionen nicht mehr oder nur noch zum Teil funktionieren bzw. dem aktuellen Erkenntnisstand nicht mehr genügen. Alte und neue Formen stehen dabei in einer prozesshaften Wechselwirkung, lösen sich ab oder ergänzen sich. Grundsätzlich ist eine Gesellschaft dabei immer nur so fortschrittlich, modern und effektiv wie die sie bedingenden Strukturen, in denen sie sich kulturell entwickeln und entfalten kann.

fortschritt :: während der Fortschritt in der Kunst wie auch im Design spätestens mit Beginn der „Moderne“ meist direkter Ausdruck seiner Zeit ist, den Zeitgeist quasi „synchron“ in marktfähige Produkte umsetzt, entwickelt sich der Städtebau und die Architektur als wesentlich komplexere, langfristig angelegte Umweltstruktur dazu meist immer zeitverzögert. Der Transfer von Kunst und Design in die Architektur vollzieht sich retrospektiv in einem Zeitraum von zirka 20 Jahren. Aber auch hier werden die Intervalle der technischen, funktionalen wie auch ästhetischen „Aktualisierung“ immer kürzer: bautechnische Innovationen können heute -wie etwa im Automobilbau- direkt und relativ kurzfristig in Städtebauliche wie architektonische Programme umgesetzt werden. So wirkt sich das Zurückhalten von Bauinvestitionen und Erneuerungen im privaten wie öffentlichen Immobiliensektor kurz- wie langfristig stagnierend auf die Entwicklung und den Fortschritt einer Gesellschaft und damit auch auf seinen kulturellen Entwicklungsstand. Dies, weil es überwiegend ökonomische Apsekte sind, die den tatsächlichen Wert einer kulturellen und fortschrittlichen Sichtweise versperren oder ihn verhindern.

qualität :: die Qualität eines Bauwerkes ist dabei im Wesentlichen abhängig von der Sorgfalt und Tiefe, mit der ein Gebäude entworfen, geplant, gebaut und schließlich auch betrieben und gepflegt wird. Viel, günstig, schnell und profitabel Bauen geht meist immer auf Kosten der die Qualität abzeichnenden „Baukultur“ und verfehlt damit soziokulturelle, funktionale wie gestalterische Chancen und Potentiale. Baukultur meint hier, mit und über das gegebene Know-how und den aktuell zur Verfügung stehenden Bautechniken hinaus eine bestmögliche, in sich stimmige Gestaltungslösung für eine bestimmte Bauaufgabe innerhalb eines gegebenen Kontextes zu finden. Je mehr Aspekte, Funktionen und physisch wie psychisch wirkende Effekte eine Architektur berücksichtigt und als integrale wie hochvernetzte Lösung schlüssig umsetzt, desto höher ist letztendlich ihr kultureller Rang als direkter Ausdruck unserer Fähigkeiten, schöne wie funktionale Artefakte zu erzeugen. Erst, wenn alle oder möglichst viele der relevanten Aspekte (Ökonomie, Ökologie, Kontext, Funktion, Bauphysik, Konstruktion, Statik, Energie- und Stoffhaushalt, Licht, Material, Form, Ästhetik, Güte, Qualität, Lebenszyklus etc.) eine in sich schlüssige, sinnvolle wie praktische „gestalterische Lösung“ oder Konzeption ergeben, kann man tatsächlich von einer „Baukultur“ sprechen.

qualitätssicherung :: eine auf nur wenige der oben genannten Aspekte reduzierte oder beschränkte bauliche oder auch städtebauliche Lösung erfüllt sicherlich formal ihren „Zweck“, trägt aber in der Gesamtbetrachtung nur wenig zur baulichen wie räumlichen Kultivierung unseres Lebens bei, verthindert sogar deren Entwicklung. Darin allein liegt unser Bestreben, das vermeindlich nur „zweckmäßige“ oder nur „ökonomische“ (rentable) auf ein kulturell anspruchsvolles Niveau zu heben und damit einen qualitativen Mehrwert für alle zu schaffen. Hierbei geht es nicht nur um die Findung und Umsetzung von intelligenten technischen, konstruktiven, statischen, energetisch nachhaltigen, bauphysikalischen und funktionalen Lösungen, sondern auch und vor allem um deren Transfer und Integration in eine sinnlich wie geistig wahrnehmbare, im besten Sinne „ästhetische“ Qualität: alles sinnlich Wahrnehmbare wie Licht, Farbe, Material, Oberfläche, Form, Struktur, Muster, Klima, Akustik etc. wirkt bewußt wie unbewußt auf unsere Physis und Psyche und kann damit unmittelbar positive, im schlechtesten Falle – was wir besonders vermeiden wollen! – natürlich auch negative Effekte in unserem komplexen Wahrnehmungsmechanismus, dem „Wohlgefühl“ verursachen. Positive Synergieeffekte können sich in einem praktischen „Werk“ (ein Raum, ein Haus, ein Gebäude, ein Platz, ein Wohngebiet, ein Stadtviertel etc.) nur dann entfalten, wenn möglichst alle funktionalen und ästhetischem Aspekte „nach bestem Wissen“ aufeinander abgestimmt sind.

erfahrung + experiment :: da wir das Rad – in unserem Falle Stütze, Träger/ Balken und Scheibe- nicht neu erfinden können, blicken Architekten, Städtebauer, Ingenieure und Gestalter stets auf einen reichen Fundus bereits vorhandener Gestaltungslösungen zurück. Diese „Referenzen“ der Bau- und Stadtbaugeschichte (der Raum, das Haus, die Stadt) gilt es zunächst einmal formal, funktional wie ästhetisch zu verstehen und schliesslich, nach vorangegangener Analyse, diese mit den heutigen Bedürfnissen und Bautechniken zu optimieren. Ändern sich die Bedürfnisse jedoch so stark, dass uns die „Alten“ hierfür keine brauchbaren Beispiele geben können, müssen neue Formen, Funktionen, Strukturen, Konstruktionen, Materialien, Bauelemente oder auch Typologien gefunden werden. Der Bahnhof, der Flughafen, die Fabrik, der Wolkenkratzer, das Fussballstadion, die Messehalle oder die Megapolis sind einige dieser neueren Bauaufgaben, die von den „Alten“ vielleicht im kleineren Maßstab bereits entwickelt wurden, aber erst durch moderne Baumaterialien, Baukonstruktionen und Gebäudetypen realisiert werden konnten. Hier startet offensichtlich das „Experiment“, neue Gebäudetypen zu gestalten und neue Bauweisen zu erfinden, für die es bisher keine Vorbilder gab. Dennoch müssen sich auch diese „Neuen“ Bauwerke stets mit den alten Referenzen an Qualität und Wirkung messen lassen, um sie letztendlich im Sinne der Baukultur für gut zu befinden.

alt + neu :: da sich unsere Lebensverhältnisse und Bedürfnisse permanent verändern (Mobilität, Kommunikation, Arbeitswelt, Wirtschaft, Demographie, Klima etc.), müssen sich zwangsläufig auch die Gebäude und Städte diesem Wandel in irgendeiner Form „anpassen“, wenn wir sie nicht museal oder konservatorisch als Geschichtsdenkmal erhalten wollen. Dort, wo alte Bau- und Stadtstrukturen bereits vorhanden sind, müssen die alten Gebäude, Quartiere und Strassen zumindest in Teilen den neuen Bedürfnissen angepasst werden (Technik, Funktion, Tragwerk). Haben diese Gebäude oder Quartiere einen nachweislich hochbewerteten baukulturellen oder geschichtlichen „Wert“, sollten sie dem hierfür vorgesehenem Denkmalschutz übergeführt werden. Andernfalls können sie durch respektive Modernisierung (Beibehalten/ Erhalten der alten Bausubstanz) oder durch Neubauten ersetzt werden. Hierbei wird es immer zu einer Auseinandersetzung mit dem „Alten“ kommen, bei der oft schwierigen Frage, es zu erhalten, auszutauschen oder durch neues zu ersetzen bzw. zu verändern. Doch Alt und Neu ist kein Widerspruch per se sondern kann sich, wenn es gut gemacht wird -nebeneinander wie miteinander-, zu einer ganz neuen, eigenen Qualität verschmelzen. Die Qualität der „Erhabenheit“ des Alten ist etwas, was neue Architektur -gleich, in welcher handwerklichen oder formalen Qualität ausgeführt- i.d.r. noch nicht besitzt, weil es eben noch keine Geschichte, keine schützende, zu respektierende Patina hat. Hierin liegt ein grosse Chance, den unzweifelhaften Charm des untauglich oder unpraktisch gewordenen Alten mit den Vorzügen und Notwendigkeiten moderner Architekturen zu kombinieren.                                     

architektur + baukultur

Freitag, März 4th, 2011

Liebe Gäste!

Das Thema Architektur und Baukultur ist ein weites Feld. Zur besseren Orientierung und Information stellen wir Ihnen daher zusätzlich zu unserer Internetpräsenz diesen Blog bereit und hoffen, mit dem ein oder anderen Thema und Gedanken über Stadt, Architektur, Baukultur, Kunst und Design Ihr Interesse zu finden. Die Themen und Beiträge werden von uns peu a peu ins Netz gestellt und nach Bedarf und Notwendigkeit aktualisiert.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen,

Ihr Björn Sellge