evaluation von architektur : anders, als bei anderen Artefakten, Maschinen oder Werkzeugen besitzen Architekten und Bauherren immer noch keine verläßlichen, allgemein anerkanntzen bzw. gültigen Kriterien zur Bewertung von Architektur. Jedes Gebäude oder städtebauliche Lösung wird in der Regel nach vorangegangenem Wettbewerb nach mehreren Kriterien von einer meist mehrköpfigen Fachpreisjury mit einer „Empfehlung“ beurteilt. Hierbei sind die Grundkriterien u.a. die städtebauliche Einfügung (Kontext), die Lösung funktionaler wie auch technischer, konstruktiver und statischer Zusammenhänge (Funktion + Konstruktion) sowie die baukörperliche Lösung innerhalb der sich über das Material darstellenden Form (Form). Schließlich eine wirtschaftliche und ökologische Bewertung (Langlebigkeit, Energiebedarf, Recycelbarkeit u.a.), u.a. auch der Erschließungsaufwand (Verhältnis Nutzfläche : Erschließungsfläche) wie auch die Baubarkeit bzw. der Bauaufwand innerhalb eines bestimmten Zeitfensters beurteilt werden. In der Summe der zahlreichen Bewertungsaspekte liegt es neben der sogenannten Sachpreisjury (mit Laien besetzt) dann am Architekten oder Ingenieur, eine bauliche bzw. architektonische Lösung als hervorragend, gut oder unbefriedigend zu bewerten.
Da Architektur bekanntlich mehr ist als die rein konstruktive, statische oder wirtschaftliche Raumlösung für eine bestimmte Funktion (Bauaufgabe), müssen zur Evaluation von Architektur andere Kriterien herangezogen werden, die weit über die üblichen Kriterien (ein vernünftiges Gebäude zu erstellen) hinausgehen. Auch solltem diese „architektonischen“ Bewertungen vorranig einen höheren Stellenwert als die bis dato üblichen Bewertungen erhalten, um tatsächlich gute Architekturen herausarbeiten und fördern zu können.
Hierbei machen wir versuchsweise den Vorschlag, bestimmte ( nämlich hauptsächlich ästhetisch relevante) Kriterien hinsichtlich ihrer Komplexität miteinander zu vergleichen bzw. zu addieren, um aus der Summe mehrere Einzelbewertungen einen durchschnittlichen Bewertungsfaktor für die Gesamtkomplexität der Architektur oder eines Gebäudes zu erhalten. Komplexität ist hier das Maß, an dem sich Artefakte u.a. auch bzw. vor allem in ästhetischer Sicht messen müssen. Eine hohe Komplexität setzt voraus, daß nicht nur die Anzahl von einzelnen Gestaltungsaspekten zunimmt, sondern diese auch in ihrer wechselseitigen Beziehung optimal aufeinander abgestimmt sind und auf komplexe Weise sich fügen.
- Komplexität des Grundrisses
- Komplexität der Funktionen
- Komplexität des Raumes, Raumprofiles
- Komplexität der äußeren Form, Kubatur und Ansichten
- Komplexität des Tragwerkes
- Komplexität von Material und Licht
Beispiel Form und Grundriss: ein Kreis hat einen Faktor von 0.5, eine ovale Form den Faktor 0.6, ein Dreieck den Faktor 0.7, ein Achteck den Faktor 0.8, ein Quadrat den Faktor 0.9, ein Rechteck den Faktor 1.0, ein Parallelogramm den Faktor 1.1 usw. Hierbei werden die geometrischen Bedingungen und Beziehungen der einzelnen Linien bzw. Formen bzw. deren gesamte Komplexität (Anzahl der Linien, deren Schnittpunkte, deren Winkelbeziehungen, Symmetrie etc.) beurteilt. Schließlich kann die Komplexität auch noch durch die Anzahl (numera) und Art mehrerer zusammenwirkender Formen bestimmt werden. Zwei Kreise haben eine höhere Komplexität als ein Kreis. Zwei unterschiedlich große Kreise haben eine höhere Komplexität als zwei gleichgroße Kreise usw. Ein Kreis und ein Quadrat haben eine höhere Komplexität als zwei Kreise. Ein Dreieck, Quadrat und Kreis haben eine niedrigere Komplexität als ein Dreieck, Quadrat und Oval usw. Auch die Entfernung und Position der einzelnen Formen, Figuren bzw. Elemente kann neben der Anzahl und Art (Typus) die Komplexität bestimmen. Zwei Quadrate, deren Oberkante auf einer gemeinsamen Linie liegen, sind als Gesamtkomposition weniger komplex als eine parallele, aber in beiden Achsen versetzte Anordnung wie auch zwei parallele Quadrate eine geringere Komplexität aufweisen als zwei zueinander verdrehte Quadrate, deren Symmetrieachsen also einen nicht orthogonalen Winkel bilden usw. Ferner kann auch durch den Takt und Rhythmus mehrerer Elemente die Komplexität verändert werden. Da das menschliche Auge bzw. Gehirn ab einer Anzahl von zirka 3 bus 5 die einzelnen Elemente nur noch als Gruppenform erfassen kann (es gibt auch Ausnahmen), werden alle Reihungen bzw. Wiederholungen mit mehr als 3 bis 5 Elementen nur noch mit einer einfachen „Gruppem“-Komplexität bewertet, wobei 7 Quadrate nicht mehr oder weniger komplex sind als 9 oder 11 Quadrate. Eine gleichmäßige (vom betrachter visuell schnell zu erfassende) Anordnung ( z.B. Raster, Linie etc.) ist weniger komplex als eine ungleichmäßige Anordnung. Ein Takt von 1-1-1 ist weniger komplex als ein alternierender Takt von 1-2-1 oder 1-1-2-1-1 usw.
Um eine solch vergleichende Bewertung einfacher Ordnungsstrukturen und einfacher geometrischer Formen bzw. Figuren hinsichtlich ihrer Komplexität vorzunehmen, muß man sich zunächst sehr intensiv mit den einzelnen Formen, Elementen und Figuren beschäftigen: dies kann zunächst im „Selbstversuch“ sehr subjektiv -von Zeit zu Zeit auch unterschiedlich!- sein, später aber durch mehr oder weniger wissenschaftliche Vergleiche mit Beobachtungen bzw. Bewertungen anderer Personen zu vielleicht ähnlichen, sich widerholenden Aussagen und Bewertungen, sprich Ergebnnissen führen. Auch statistische Verfahren können hierbei helfen, eine halbwegs verlässliche Aussage über die zunächst einmal ganz subjektiv empfundene Komplexität von Geometrien zu erhalten. Freilich stecken wir hier in der Wahrnehmungspsychologie immer noch in den Kinderschuhen, was die Bewertung von Formen, Farben, Mustern, Strukturen und deren komplexes Zusammenwirken betrifft. Auch unterschiedliche Kulturkreise, Umweltbedingungen und sonstige Unterscheidungen (Mann, Frau, Kind, Erwachsener, Bildungsgrad etc.) könnten vielleicht einen Einfluss auf unterschiedliche Bewertungsergebnisse liefern. Da wir als Gestalter und Architekten wegen fehlender wissenschaftlicher Ergebnisse hier jedoch keine Wahl haben, müssen wir nolens volens hypothetisch vorgehen und uns unsere eigene Berwertungsmatrix schaffen, um den Gesetzen des Sehens, Wahrnehmens und Empfindens irgendwie näher zu kommen. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es zu diesem relativ unscharfen Erkenntnismodell leider keine Alternative. Doch weiter:
Ein gewöhnlicher rechteckiger Raum erhält in der Grundrissbewertung also 1 Punkt, während ein kreisförmiger Raum nur mit 0.5 bewertet wird. Wird nun der rechteckige Grundriss noch mit additiven und subtraktiven Elementen (Kreis, Oval, Dreieck, Rechteck, freie Form) erweitert bzw. verjüngt (Vor- und Rücksprünge), erhöht sich damit auch die Komplexität des Grundrisses, da jede Aus- bzw. Einbuchtung (z.B. eine Loggia, ein Erker, ein Atrium), jede Richtungsänderung (ein spitzer oder flacher Winkel, eine bogenförmige oder geschwungene Wand etc.) wie auch jede Änderung der Raumgröße (schmaler Gang, große Halle, kleiner Raum etc.) zugleich auch eine zusätzliche Zonierung bzw. Gliederung des Raumes bewirkt, die den Raum also mit zusätzlichen Informationen und Bedeutungen ausstattet.
Der Grundriss einer Kirche (Basilika) beispielsweise könnte ein einfaches Rechteck mit 1 Punkt sein. Da aber nun noch das Seitenschiff (1 Punkt), im dritten Viertel ein Querhaus (1 Punkt) und am letzten Viertel ein Chor (1 Punkt) angehängt wird und sich im Kreuzungspunkt von Haupt- und Nebenschiff ein erhöhtes Vierungsquadrat (1 Punkt) ergibt und auch der Eingang noch durch einen subtraktiven Einschnitt (1 Punkt) herausgearbeitet wird, erhöht sich die Komplexität des Grundrisses von 1 Punkt auf 5 Punkte. Erhalten die beiden Seitenschiffe nun noch ein zusätzliches Seitenschiff (wie bei einer 5-schiffigen Basilika, 1 Punkt) und der Chor zusätzliche Apsiden (1 Punkt), hat der Grundriss gegenüber einem normalen Quadrat (0.8) bereits eine Komplexität von 7 Punkten. Genauso verfahren wir dann in der Beurteilung der Schnitte (vertikaler Raum, z.B. niedriges Seitenschiff, hohes Mittelschiff, noch höhere Kuppel über Vierung etc.) und der Ansichten (z.B. niedrige Wand Seitenschiff mit/ohne Apsiden, Dach Seitenschiff, verglaster/ unverglaster Obergarden Wand Mittelschiff, Dach Mittelschiff, überhöhter Kuppelaufbau über Vierung, ggfs. Laternenabschluß): je stärker der Grundriss, der (vertikale) Innenraum und die Ansichten gegliedert sind, desto höher ist seine Gesamtkomplexität. Im Falle der gotischen Kirchen käme noch das raumwirkende, meist hochkomplexe Werk der Strebepfeiler hinzu, die u.a. die Seitenschiffe konstruktiv mit dem Hauptschiff verbinden oder aus der Rosette über dem Eingang eine 3-dimensional gegliederte, selbstrragende Konstruktion machen (im Vergleich zu einem flachen, kreisförmigen Scheibenfenster: zusätzliche Gliederung des kreisförmigen Fensters in Kreissegmente: 1 Punkt. Zusätzliche Tiefenwirkung (1 Punk) durch das asymmetrisch (1 Punkt) profilierte Maßwerk: 2 Punkt).
Beispiel Konstruktion: Massive Wand: 1 Punkt. Mit Öffnungen gegliederte Wand: 2 Punkte. Wand mit Strebepfeilern/ Pfeilern: 2 Punkte. Wand als Curtain-Wall (Glas, Stütze im Innenraum): 2 Punkte. Massive Flachdecke oder Dach: 1 Punkt. Decke oder Dach mit massiven Unterzügen oder sichtbaren Sparren: 2 Punkte. Decke oder Dach mit sichtbarem Fachwerkbinder: 3 Punkte. Decke oder Dach als räumliches, mehrschichtiges Fachwerk: 4 Punkte. Materialgefüge: Ausführung eines Fachwerkträgers mit Ober- Untergurt und Streben mit nur einem Material und nur einem Profilquerschnitt: 1 Punkt. Differenzierung zwichen Obergurt, Untergurt und Streben durch 3 unterschiedliche Materialien mit zusätzlich unterschiedlichem Profil: 6 Punkte.
Beispiel Licht: gleichmäßige Ausleuchtung des Raumes: 1 Punkt. Zonierte Ausleuchtung des Raumes mit unterschiedlichen Helligkeits- und Farbwerten: 2 Punkte. Zonierte Ausleuchtung mit Akzenten: 3 Punkte usw., ferner bewußte Lichtlenkung des Tageslichtes (Schattenwurf, Ausleuchtung): 2 Punkte. Dynamische Lichtquellen: 1 Punkt. Farblich aufeinander abgestimmte Lichtquellen. 1 Punkt. Blendfreie Lichtquellen. 1 Punkt usw.
Beispiel Material + Farbe: einfarbig, homogenes Material: 1 Punkt. Zweifarbigkeit, gegliedertes bzw. strukturiertes Material: 2 Punkte. Mehrfarbigkeit, 2-3 Materialien, plastisch stark gegliederte Struktur: 3 Punkte usw. Die Komplexität der materialien kann auch hier noch viel feiner und tiefer differenziert werden.
Es wird klar, daß mit zunehmender Differenzierung und Gliederung der einzelnen Bauteile auch der ästhetische wie gestalterische Anspruch steigt, daß alle einzelnen Faktoren (isolierte Betrachtung) auch wieder „zusammen“ ein ästhetisch ansprechendes, in sich stimmiges Bild abgeben. Aus der bloßen Addition von stark differenzierten oder gegliederten Einzelbauteilen mit hoher Komplexität (hohe Punktzahl) ergibt sich aber nicht automatisch auch eine hohe Gesamtkomplexität der zu bewertenden Architektur. So etwa sollten rechnerisch die einmalige „Gesamtbewertung“ ca. 50% der Endbewertung ausmachen, während die zahlreichen Einzelbewertungen mit zunehmender Bearbeitungstiefe ebenfalls nur maximal 50% Anteil an der Gesamtbewertung ausmachen. Hiermit können falsche Annahmen bei der Einzelbewertung wie auch bei der Gesamtbewertung ggfs. ausgeglichen werden. Im Idealfall enstpricht die subjektive, mit seinen Präferenzen stärker auf das Individuum ausgerichtete Gesamtbewertung der Sunmme aller annähernd objektiv ermittelten Teilbewertungen. Hiemit wird der Erfahrung, daß das Ganze mehr (oder zumindest anders) ist als die Summe seiner Teile, Rechnung geschuldet. Erst, wenn uns die Neurologen und Psychologen einen Schlüssel für das System der subjektiven Wahrnehmung und Bewertung unserer Umwelt liefern (wovon wir derzeit nicht ausgehen, daß dies in absehbarer Zeit gelingen mag), ließen sich dann für die unterschiedlichen Subjekte vielleicht auch maßgeschneiderte Komplexitätsmodelle aus dem Bereich der Architektur entwickeln und anwenden. Da aber die Umweltbedingungen, der zeitliche Kontext und damit auch die ästhetischen Bewertungssysteme so vielschichtig und einzigartig sind, glauben wir nicht an allgemeingültige Rechenverfahren mit absoluten, universalen Ergebnissen. Da das Gehirn keine statische Sache ist und sich neuronale Netzwerke und deren Strukturen mit der Entwicklungszeit sowie jeder auf das Gehirn neu einfließenden Information ändern können, bräuchte man zudem ein dynamisches Rechenmodell, welches aus dem Reich der unendlich vielen Möglichkeiten und Varianten relativ wahrscheinliche Aussagen für x-beliebige Zeitpunkte von Entwicklungsszenarien träfe. Das käme einer Berechnung der Welt auf Grundlage kausaler (wissenschaftlicher) Zusammenhänge gleich, mit der alles Vorangegangene exakt rekonstruiert und alles Zukünftige exakt vorausgesagt werden könnte. Relativ unwahrscheinlich wie auch sinnlos! Also beschränken wir uns auf das, was wir bereits über die Mathematik, die Physik und die Chemie zu wissen glauben und wie das Stoffliche auf unterschiedliche Art und Weise auf uns Menschen wirkt oder wirken kann (Psychologie, Medizin, Biologie). Ein weiterer Faktor ist der (quantitativ wie qualitativ) große Unterschied zwischen dem naturwissenschaftlich Möglichen und dem widernaturwissenschaftlich Denkbarem! Unser Gehirn kann Dinge konstruieren (Phantasie, Traum etc.), die es so in der molekularen Welt nicht geben kann (existieren kann), etwa, wenn sie sich vorstellen, ein Quantenflossler zu sein, der vor Millionen Jahren einmal gelebt hat oder sie eine Kugel aus Gold sind, die von der Erde in 1 Sekunde auf den Mond reist. Fiktive Konstruktionen, die physikalische, mathematische oder chemische Gesetzmäßigkeiten brechen und dann auch noch mit irregulären Zeitverschiebungen arbeiten, wirken wohl auf unser Bewußtsein (z.B. Traumarbeit), sind aber nicht wissenschaftlich berechenbar noch voraussagbar. Dieses Paradox, daß das Mögliche (also unser Gehirn) etwas Unmögliches denken kann, was auch noch auf das Mögliche (also unseren Körper) wirkt, ist frei von jeder wissenschaftlichen Determination. Jeder Roman, jeder Film, jedes Theater- oder auch Musikstück und auch jedes künstlerische Bild wie auch jedes Werbebild arbeitet in seiner Wirkungsweise mit der Möglichkeit der „regellosen“ Konstruktion (Phantasie) in unseren Gehirnen. Was genau in unseren Köpfen passiert, kann man zwar mit EEG und MRT messen (sichtbar machen), aber nicht bewerten noch voraussagen. So bräuchten wir in der Architektur Million von Untersuchungen, wie welche Farben, Formen, Materialien und Konstruktionen in unterschiedlichsten Kombinationen und unterschiedlichsten Situationen auf uns Menschen wirken, um ggfs. aus diesen Erkenntnissen eine gestalterische Regel im Sinne des Normativen ableiten zu können. Macht das Sinn?
Das Beispiel der Gotik macht deutlich, wie schwierig es ist, für sich hochkomplexe Bauteillösungen zu einem überzeugenden Ganzen zu fügen (Beispiel Kölner Dom vs. Mailänder Dom). Jede Bauaufgabe bzw. Funktion hat demnach eine dazu passende Form und Materialität, die nicht einfach auf andere Bauwerke übertragen werden kann. Dennoch hilft die kategorisierte Bewertung bei der Gesamtbetrachtung. So etwa macht es keinen Sinn, eine extrem leichte, aerodynamische Karosse zu bauen, wenn der Motor nur 10 PS hat oder die Bremsen und Reifen nur bis 100km/h taugen. Auch hier, bei der (zeit- und raumgebundenen) Bewertung von Architektur, ist letztendlich die Gesamtperformance der Komplexität ausschlaggebend, ob es sich um vorbildliche, mittelmäßige oder schlechte Architektur handelt.
Ein anderes Problem ist zweifelsfrei, daß wir Menschen sowohl komplexe wie auch weniger komplexe Zusammenhänge, Artefakte, Werkzeuge, Maschinen, Bilder, Literatur oder Musik mögen. Wir denken, daß das „Besondere“ wie auch schöne nur durch das „Unbedeutende“ bzw. Banale oder auch Häßliche von uns Menschen wahrgenommen wird: das „Besondere“ (in diesem Fall hochkomplexe Lösungen) wird manchmal auch schon durch die Anzahl bzw. Vervielfältigung in seiner ästhetischen Wirkung eleminiert, da es dem Schönen und Besonderem im Bewußtsein des Betrachters an vergleichbarem Häßlichem und Bedeutungslosem mangelt. Was wäre das Empire State Building, wenn es davon noch ein paar weitere an gleicher Stelle oder benachbarten Orten gäbe? Auch die Originalität und Einzigartigkeit ist -spätestens nach der Reprokunst von Andy Warhol- ein wichtiger Faktor. Jeden Tag Hummer und Kaviar essen kann auf Dauer auch ganz schön langweilig und abgeschmackt sein, so wie auch tägliche Kartoffelspeisen unsere Sinne auf Dauer nur wenig befriedigen. Dennoch kann man sich die Mühe machen, Objekte, Artefakte und auch Architekturen einmal mathematisch zu evaluieren (auch nur eine Zahl von vielen), um hiermit ein vielleicht hilfreiches, professionelles Werkzeug im Umgang mit der meist subjektiven Bewertung von Architektur zu bekommen. Die Schnittstelle zwischen mathematisch evidenter Komplexität (Ratio) und letztendlich ausschlaggebendem subjektivem Empfinden (individuelle Psyche, ein undefiniertes wie schwankendes Mischmasch aus Erfahrung, Wissen, Ahnung, Glaube und Gefühl) mag weder rational noch irrational lösbar sein, wohl aber bilden beide Pole das grundlegende Bewußtsein für unsere menschliche Existenz. Ein Blick oder Horchen in die Musik mag hierbei hilfreich sein, denn auch hier hat es in der Zeit „hörbare“ Entwicklungen hinsichtlich der Komplexitätssteigerung und effektvollen Sinnesreizung von Kompositionen und Spielarten gegeben, wenn Rhythmus, Takt, Modulation, Moll-Dur, Disharmonien, Dodekaphonie oder einfach nur neue Instrumente im Jazz oder der Klassik über ein simples wenn auch berührendes „Allemeineentchen“ weit hinausgewachsen sind.
Die Natur ist freilch immer noch Meister im Herstellen komplexer Mechanismen oder Organismen. Das komplexe, nahezu chaotische, statisch hochgradig unbestimmte Tragwerk eines Baumes mit seinen vielen unterschiedlich langen, dicken und schrägen Ästen und Zweigen ist beispielsweise wesentlich komplexer als eine symmetrisch konstruierte Baumstütze aus Stahl, auch wenn es formale Ähnlichkeiten gibt. Jeder Ast und jeder Zweig ist én Detail genau so dimensioniert und ausgerichtet, daß im sich ständig änderndem Gesamtsystem (Wurzel, Stamm, Äste, Zweige, Blätter) eine maximal große Blattkrone auf die ständig wechselnden Witterungsverhältnisse -insbesondere den Wind- reagieren kann. Die stählerne, relativ unflexible Baumstütze hingegen ist auf eine überdimensionierte Maximallast (Dachlast, Windlast, Sicherheitswert etc.) berechnet worden und damit im Vergleich zum Baum permanent um ein Vielfaches überdimensioniert, was aus ästhetischer Sicht schnell zu einer ungünstigen Verzerrung von ästhetisch empfundenen (Natur-) Proportionen führt. Sie kann sich den ändernden Lastfällen nicht anpassen. Darum ist (bisher) jeder lebende Organismus grundsätzlich allen bisher nur möglichen, technisch konstruierten Konkurrenz-Artefakten stets überlegen, auch wenn mit zunehmender Anzahl an Sensoren unsere Maschinen immer flexibler und reaktionstüchtiger werden (Vergleich: Netzwerk Gehirn-Netzwerk Computer). Intelligente Maschinen müssen also über Fähigkeiten verfügen, sich selbst in ihrer Struktur zu verändern, also zunächst einmal Masse und Energie zu steigern oder zu vermindern, um sich effizient (geringer Energieaufwand) und damit optimal an die Umweltbedingungen anzupassen. Ein intelligenter Stuhl würde seine Tragfähigkeit also erst im tatsächlichen Lastfall mit Masse und Energie herstellen (etwa durch einen Sensor, der im Lastfall einen Kompressor aktiviert, um die Membran der Sitzfläche mit Luft zu füllen). Sensoren sind tatsächlich bereits seit mehreren Jahren das A + O im Fahrzeugbau von Flugzeugen, Eisenbahnen, Schiffen oder PKW´s.
Doch wie sieht eine Architektur aus, die sich mit Hilfe von Sensoren „intelligent“ verhält? Neben den bis heute einsetzbaren technischen Sensoren zur Regulierung von Wärme, Kälte, Licht, Schließanlagen oder Brandmeldeanlagen sind die Bauteile selbst noch überwiegend „sensorlos“, statisch, fest und unflexibel. Wie aber sieht beispielsweise ein sensorisches Tragwerk aus? Eine sensorische Decke oder eine sensorische Wand? Kann nicht sogar das gesamte Gebäude oder Teile des Gebäudes sich in seiner Position und Größe entsprechend der neuen Funktion, eines neuen Kontextes oder einer veränderten Witterung verändern? Ein sensorisches Tragwerk etwa würde die benötigten Kräfte und Festigkeitseigenschaften beispielsweise nur bei tatsächlichem Bedarf, also eintretenden Lastfällen aktivieren (Beispiel: pneumatische Architektur . . siehe Sitzmembran, automatisch ausfahrende Windbremsen zur Reduktion von Druck- und Sogkräften bei Fassaden und Dächern, Erhöhung des Bauteildruckes oder Gewichtes bei starken Regenfällen, Schneefall oder starken Winden durch z.B. Hydrauliksysteme oder chemische Wandlungsprozesse etc.). „Intelligente“ Wand- und Deckensysteme könnten z.B. nach Bedarf und Nutzung oder auch Lastfall eingefaltet, abgesenkt, stabilisiert, verschoben werden oder einfach nur ihre Opazität und Lichtfarbe ändern. Natürlich haben alle sensorischen Systeme etwas mit Technik und Kybernetik (Steuerungssystemen) zu tun und verbrauchen für den Antrieb zusätzliche Energie, können aber auch Energie und zusätzliche Nutzungen bzw. Funktionen durch ihre flexible Nutzungsoptimierung einsparen.
Zumindest werden wir schon in wenigen Jahren ganz neue, „smarte“ Bauteile und Materialien kennenlernen, die durch ihre Multifunktionalität und chemisch-sensorische Wandelbarkeit ganz neue Kategorien einführen werden. Dazu zählen etwa heute schon die sogenannten „phase-changing-materials“, Bauteile, die mit microverkapselten, wassergebundenen Wachsen arbeiten und die Wärmespeicherkapazität bei beliebig gewünschter Schalttemperatur enorm erhöhen (z.B. als Beigabe von Putzen, Gipsbauplatten, Mehrscheibenglas etc.). So etwa besitz ein 3 cm Putz mit 30% PCM-Anteil die gleiche Speichermasse wie eine 18cm dicke Betonwand oder eine 23cm dicke Ziegelwand. (Hierbei wird die benötigte Energiemenge beim sogenannten „Phasenübergang“ von flüssig zu fest oder fest zu flüssig genutzt. Um 1kg Eis mit 0°C zu 1 kg Wasser mit 0°C zu schmelzen, benötigt man eine Energie von 333 Kilojoule. Mit dieser Energie kann man aber auch 1 kg Wasser von 0°C auf ca. 80°C erwärmen.)
Was die Evaluation von Architektur anbelangt, wird sich zumindest die Komplexität der einzelnen Bauteile, Bauelemente bzw. Baustoffe durch solche und ähnliche Produktinnovationen allein durch die Zunahme an Funktionalitäten stark erhöhen. Auch aus ästhetischer Sicht können hier durch den Faktor Wandelbarkeit und Flexibilität neue Effekte und Anwendungen und damit auch eine höhere Komplexität je Raum- oder Bauteileinheit erzielt werden. Wenn die Bauteile nun selbst durch Sensoren oder chemische Prozesse wie bei den PCM´s die Temperatur, die Wärmespeicherfähigkeit, die Feuchtigkeit, die Akustik, das Licht, die Farbe und ggfs. auch die Härte bzw. Festigkeit (Tragfähigkeit) oder molekulare Dichte und auch Dampfdurchlässigkeit ändern können, haben wir es zumindest technisch mit einer ganz neuen Art von Komfort und Leistungsfähigkeit (Performance) von Gebäuden und Räumen zu tun, die auch zu einer neuen Ästhetik führen kann.
Freilich werden sich auch solche Architekturen in Sachen ästhetischer Komplexität mit denen unserer Vorfahren stets messen müssen, auch wenn wir bei einigen besonderen Gebäuden (etwa den Pyramidenbauten oder einigen Kirchen- und Dombauten) wissen, daß hier mehrere hundert Jahre Bauzeit und heute unbezahlbar viele Handwerksleistung wie auch nicht zu beeinflussendes, geniales schöpferisches „Können“ von Künstlern und Bildhauern (Michelangelo, Alberti, Bramante etc.) notwendig gewesen sind, die aus heutiger Sicht eher unrealistisch erscheinen. So etwa ist zum Beispiel die Maßgenauigkeit der alten Ägypter, deren exakten Quaderfugen der massiven, tonnenschweren Steine weniger als 1/10mm voneinander abwichen (Vergleich zu den Spaltmaßen der hochtechnisierten Automobilbranche), bereits ein Meisterwerk der Baukunst wie auch die römischen Aquädukte mit ihrem über mehrere hundert Kilometer „gleichmäßig“ verlaufendem Gefälle von nur 0,5% eine handwerkliche Meisterleistung sind (selbst Gefälle von 1,5% scheinen für heutige Estrich- und Bodenverleger ein handwerkliches Problem zu sein!).
Die ästhetische Evaluation über ein Punktesystem, welches die Komplexität einzelner Bauteile und Formen etc. von innen- und Außenraum sowie deren wechselseitigen Zusammenhänge bei unterschiedlichsten Nutzungsfällen bzw. Umgebungszuständen bewertet, wird natürlich mit der Bewertung des urbanen oder landschaftlichen Kontextes systematisch fortgeführt. Was nutzt uns die Bewertung einer Kirche oder eines Palastes, wenn wir den städtebaulichen Kontext nicht mit einbeziehen? Stellen sie sich ein Meisterwerk eines bekannten Renaissance-Künstlers vor und platzieren dieses Bild oder diese Skulptur an mehreren, vollkommen unterschiedlichen Orten, und sie werden feststellen, wie unterschiedlich der Kontext (z.B. Mailänder Bahnhof, St. Petersdom in Rom, Museum von Richard Meyer in Frankfurt, Fußballstadion auf Schalke, Atelier Bauhaus Dessau, direkt neben Rembrandt und Vermeer im Herzog-Anton-Ulrich-Museum in Braunschweig, in einem Großraumflugzeug über dem Atlantik etc.) auf die ästhetische Wahrnehmung des gleichen Bildes wirkt. Der Kontext ist bei der Evaluation von Architekturen mindestens so bedeutend wie das Gebäude selbst! Und sie werden einstimmen, daß besondere Orte und schöne Landschaften als Hintergrund bereits mehr als die Hälfte der Miete ausmachen, um einen Ort bzw. ein Gebäude als schön und zeizvoll zu bewerten. Hier gibt es Synergieeffekte, die weitaus stärker wiegen können als alle Mühe und Schweißarbeit in ein komplexes, ästhetisch anspruchsvolles Artefakt. Aber auch hier haben wir u.a. gelernt, das ideale und perfekte Zustände (wenn es sie denn überhaupt gibt!) nicht unbedingt ausschlaggebend sind, um einen Ort als spannend, zeizvoll, schön oder besonders zu empfinden. Manchmal ist es es genau das Unperfekte, das Störende, das vermeindlich Häßliche, das Mittelmäßige und Unvollkommene, das Unlogische wie Unverständliche in oder an einer Situation oder einem Artefakt, die für uns Menschen vielleicht gerade darum so interessant und schätzenswert bis liebenswert erscheint.
Was die Rolle der Moderne Anfang des 20. Jahrhunderts anbelangt, insbesondere in der Kunst, ist hier die Zeit zu finden, in denen sich Menschen systematisch und konsequent (beinahe wissenschaftlich strukturiert und organisiert) mit der Wirkungsweise von Einzeleffekten auseinander gesetzt haben. Auch Michelangelo hat zahlreiche Studien und Skizzen angefertigt, um über dieses selektierte Probieren und Studieren einzelner Körperphysiognomien oder Figurenkompositionen usw. die Wirkungsweise einer komplexeren Darstellung zu studieren, deren Ergebnis wir heute so bewundern. Die Künstler der Modernen hingegen haben sich weniger um das „Endwerk“ (also das fertige Bild oder die fertige Skulptur) als vielmehr und ausschließlich um jene vielen kleinen Einzeleffekte gekümmert, die es so zahlreich zu erforschen galt und deren wahrnehmungspsychologischen Erkenntnisse bzw. Grundlagen über Formen, Geometrien, Muster, Farben und Helligkeiten und deren Wechselwirkungen auch heute immer noch Gültigkeit haben. Das rote (oder auch schwarze) Quadrat auf weißem Hintergrund von Malewitsch aus dem Jahre 1915 ist eben nur darum so interessant, da es in der größtmöglichen Reduktion (also dem Weglassen eines störenden Kontexes) die maximale Komplexität des Wenigen bzw. Einzelnen demonstriert und damit das Wesen des Quadrates sowie zweier Farben mit Vorder- und Hintergrund für uns sichtbar macht (gleich, ob es einen Nutzen hat oder sinnvoll erscheint). Das wäre in etwa so, als wenn Dave Garrett auf seiner fast 300 Jahre alten „San Lorenzo“ Stradivari statt Rimski-Korsakow´s beliebten Hummelflug stundenlang nur den Kammerton „A“ spielen würde, um das Wesen dieses einen Tones zu studieren. Ist das legitim? Natürlich ist dies legitim und es ist sogar ästhetisch wertvoll, wenn man bei einigen Kulturen wie auch Tieren ähnliche Vokal und 1-Ton-Meditationen bzw. kommunikativen Sprachsysteme vorfindet (Konzentration auf einen Grundton, Ausblenden des Hintergrundrauschens usw.). Unsere Welt ist so unvorstellbar komplex, daß wir Menschen sie (wissenschaftlich/ akademisch spätestens seit den alten Griechen) methodisch sezieren und zerlegen, um hinter die Geheimnisse des Seins, des Raumes, der Materie, der Energie und der Zeit zu gelangen. Ob uns das so gewonnene Wissen etwas nutzt, ist freilich eine andere Frage, die nicht minderschwer zu beantworten ist, wenn wir uns in ethischen oder zumindest moralischen Spannungsfeldern unserer Zivilisation bewegen. Dennoch: werfen wir nur pauschal einen kurzen Blick auf die Welt der Artefakte, der Gebäude und Städte, so können wir insgesamt nicht glücklich sein über dann doch soviel . . . sprich „zuviel“ der Lieblosigkeit, Mittelmäßigkeit, Belanglosigkeit, Häßlichkeit und Einfallslosigkeit mancher Artefakte und Gebäude. Wir Gestalter, Designer, Maschinenbauer, Architekten und Städtebauer sind die einzigen, die sich darum professionell kümmern! Diesen Job macht sonst keiner außer uns!
Studieren Sie darum als Architekt (oder auch Gestalter, Designer, Musiker, Maler etc.) zunächst alle einzelnen Grundgeometrien, Grundformen, Basismaterialien und sonstigen Einzeleffekte, um ihr spezielles Wesen zu verstehen (quasi das Erlernen des ABC), um sie dann peu á peu in Kombination mit weiteren Formen oder Geometrien, Tönen, Farben etc. zu studieren usw. Schließlich enden sie nicht nur bei einer mehr oder weniger komplexen Gesamtkomposition (also dem eigentlichen Werk) sondern sind auch noch in der Lage, dieses Werk durch Improvisation, durch Variationen, durch unterschiedliche Tempi und Zeitverzögerungen (Synkopen) vielfältig darzustellen, um die Komplexität (in diesem Falle die gesamte Bandbreite des ästhetisch wahrnehmbaren Spannungspotential . . denken Sie an Hitchkock´s „Psycho“ oder Albinoni´s Adagio in g-moll, an Bach´s „Air“ oder die Toccata in D-Moll oder auch Beethoven´s Pathetique usw.) zu steigern. Da wollen wir letztendlich hin, wenn wir Freude, Genuß und Spaß an der ästhetischen Wahrnehmung haben und die schnöde wie freudlose Ebene des bloß funktionalen wie formalen oder des sich bloß ständig Wiederholenden überwinden und ein wenig dem näher kommen können, was man allgemeinhin als göttlich oder gottgleich bezeichnet. Architektur ist tatsächlich wie gefrorene Musik, die es noch so vielfältig zu entwickeln und zu entdecken gilt!
Bewertungsverfahren wie das oben vorgestellte Punkteverfahren helfen uns dabei, das komplexe Zusammenspiel von Ort, Raum, Form, Material, Farbe, Konstruktion und Funktion besser zu verstehen, es uns „bewußt“ zu machen, was dort im Einzelnen wie im Gesamten überhaupt passiert, wie und warum es passiert und letztendlich auch, wie es ästhetisch auf uns wirkt. Auch wenn wir sehr wahrscheinlich niemals zu normativen -sprich zu jeder Zeit und allen Orten „allgemeingültigen“ Aussagen kommen werden, können wir zumindest versuchen, uns an ein Quasi-Ideal vorsichtig heranzutasten, um diese Lösung als aktuelle Referenz zur Diskussionn zu stellen, dass andere sich an ihr messen können. Und glauben Sie mir, daß die meisten Entscheidungen für die Gestalt eines Objektes oder eines Gebäudes eben nicht einem halbwegs nachvollziehbaren Bewertungsverfahren zu Grunde liegen sondern meistens höchst irrationale wie subjektive Entscheidungen oder auch Präferenzen einzelner Personen sind (Gestalter, Ausführende wie Bauherren). Nicht selten sind die (ästhetischen) Ergebnisse reine Zufallsprodukte, die konsequent wie leidenschaftlich, aber meist mit beidseitig zementierten Scheuklappen, meist großer Unwissenheit, Einfältigkeit, großem Starrsinn, Selbstverliebtheit oder auch überzogener Selbstüberschätzung in die Welt gesetzt werden. Beratungsresistenz sind das eine, schlechte Berater das andere, was unseren Alltag im hektischen wie geizdurchdrungenem Schaffen von Artefakten meist prägt. Es fehlt fast immer Zeit und oder mit der Zeit verbundenes Geld, die Dinge der Gestaltung „langsam“ und bedächtig anzugehen. Der Weg nach guten bis optimalen Lösungen braucht nun einmal seine Zeit (sein vertieftes Studium) und kann eben nicht über Copy +Paste von irgendwelchen (automatisierten) Schubladenlösungen generiert werden, die bestenfalls mittelmäßige Lösungen repräsentieren. Gute Architekten nehmen sich diese Zeit, etwa Mario Botta, Peter Zumthor, Alvaro Siza oder auch David Chipperfield – um nur einige bekannte zu nennen-, die Artefakte von A bis Z in jeder nur möglichen Beziehung zu durchdenken. Doch der Alltag der unzähligen anderen „namenlosen“ Architekten und Gestalter -und die sind in der Mehrheit! – haben diesen „Luxus“ von Zeit und wohlwollenden wie potenten Bauherren mit attraktiven Bauprojekten meist nicht. Sie kassieren meist nur ein jämmerlich gedrücktes Honorar, mit dem einfach bei bestem Willen und vorhandener Begabung „keine“ vernünftige oder kulturell bedeutende Architektur zu machen ist! Heraus kommen dann einfallslose Standardkisten wie vielleicht auch gutgemeinte, aber letztendlich konzeptlose Stilvermischungen jeder Coleur. Weil es zum Beispiel keine qualitätssichernden Evaluationsverfahren gibt, die die Bauherren, den gestaltenden Architekten wie auch die Öffentlichkeit (als Bauherr) vor schlechter Architektur schützt.
Die (zunehmende) Vielzahl an Konstruktionsmöglichkeiten, an Bauweisen, an Formen und speziellen Bauprogrammen spricht uns Städtebauer und Architekten eben nicht davon frei, beliebig mit dem Raum und dem Material umzugehen. Demokratie, Individualismus und Freiheit werden hier spätestens mit dem Ende der ach so verhassten Stilarchitektur (also der Kunst des gemeinschaftlichen Bauens nach vorgegebenen Regeln) des späten 19. Jahrhunderts bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts (also dem Beginn der Moderne) bis heute falsch verstanden, solange sich die einzelnen Bauwerke nicht einem übergeordneten, mittel- bis lanfristig angelegtem Grestaltungskonzept unterordnen, welches mehrheitlich von allen Städtebauern und Architekten als bestmöglicher Standard innerhalb des großen Ganzen (also der eigentlichen Baukultur) definiert und akzeptiert wird. Die notwendigen Experimente und das ständige Suchen nach neuen Ausdrucksformen bzw. Bauweisen ist bis heute zum Selbstzweck verkommen, anstatt deren Ergebnisse über Analyse und Evaluation in die vorangegangene Bautradition „behutsam“ und mit bedacht überzuführen. Es ist so, als würden wir unser Recht (z.B. innerhalb eines Rechtsstaates) so flexibel gestalten, daß ein jeder selbst nach freiem Gusto das Recht zu seinen Gunsten auslegen kann. Wir würden das in Sachen des Rechtswesen zweifelsfrei als Anarchie (oder auch Diktatur) bezeichnen und uns -gegen diese Willkür- zurecht wehren. Nicht so im Falle der Städtebau- und Architekturgeschichte der letzten 100 Jahre! Weder Baugesetzte, Stadträte, Handwerksinnungen, Architektenkammern noch ausbildende Universitäten haben verhindern können, daß wir heute mehr denn je in einer Zeit des „Macht, was Ihr wollt“ leben. Das liegt nicht etwa an einer nicht vorhandenen Explosion an Komplexität von modernen Bauwerken bzw. Bauaufgaben, die uns etwa den Gesamtüberblick versperren würde (der Kölner Dom -ab 13. Jahrhundert- oder der St. Peters Dom -ab 16. Jahrhundert- sind Bauwerke von bis heute unübertroffen hoher architektonischer Komplexität!), sondern an einer [mit der Industrialisierung und dem Kapitalismus beginnenden] schleichenden sozialen, gesellschaftlichen, politischen wie wirtschaftlichen, damit insgesamt kulturellen Zersetzung bzw. Abflachung von kulturellen Werten wie auch handwerklichen Techniken (Quantität statt Qualität!). Die Industrialisierung (Technik) hat in Kopplung mit dem Kapitalismus ein ganzes soziales wie kulturelles Wertesystem innerhalb nur weniger Jahrzehnte komplett umgekrempelt. Die Industrialisierung hat die Menschheit bis heute zu modernen Knechten, Sklaven oder Leibeigenen gemacht und dabei mit dem gewaltigen Hunger nach Rohstoffen und Energien ganze intakte Landschaften und Natursysteme dem Erdboden gleich gemacht. Heute glauben wir mit allem Wohlstand und Luxus „frei und unabhängig“ zu sein, bleiben aber dennoch stets Gefangene unseres mittlerweile global ausgedehnten Wirtschafts- und Machtsystemes, das wir mit aktuellem Blick auf China, Afrika, Südamerika oder Korea wie auch auf die globale Umweltzerstörung jedoch nicht mehr oder immer weniger kontrollieren, geschweige denn verantworten können, weil immer deutlicher wird, das unsere Politiksysteme wie auch unsere Techniksyeteme keine echten Kultursysteme (also pro civitas), sondern primär rein wirtschaftlich orientierte Machtsysteme (pro pecunia) von wenigen Privilegierten sind. All das dürfen wir nicht vergessen, wenn wir von Fortschritt und Moderne sprechen! Weder der amerikanische Traum, weder Hitler, weder Marx und Engels noch Stalin, Lenin oder Mao . . und auch nicht alle ach so sakrosanten Weltreligionen haben uns wirklich eine bessere, fortschrittlichere Welt im Sinne von „civitas + natura“ geschenkt. Weder haben sie Gerechtigkeit, Frieden noch wirkliche Freiheit in die Völker gebracht. Immer nur geht es um Macht, um Herrschaft, um Beherrschung, um Vorteile von wenigen über viele. Der sogenannte Westen hat in den letzten 200 Jahren so viel intakte Erde vernichtet, daß ganze Arten aussterben, Ozeane leer gefischt sind, es zu gravierenden Klimaverschiebungen kommt (oder kommen kann), ganze Ökosysteme kippen und ganze Landstriche toxisch oder radioaktiv verseucht sind. Es ist, also ob wir an dem Fortschrittsmüll, den der Westen seit 200 Jahren produziert, allmählich selbst ersticken. Tonnen von giftigen Chemikalien haben wir aus der Erde geholt, sie in Artefakte gepreßt und als Müll wieder auf Mutter Erde als Todestrank geworfen. Allein das Spiel mit der Radioaktivität hat die Erde seit 1945 (6. + 9. August Bomnenabwurf auf Hiroshima und Nagasakie) wahrscheinlich einen ganzen Kontinent an Leben gekostet und es grenzt an ein Wunder, das der Max-GAU bei 70.000 Atomsprengköpfen in der Hochzeit des Kalten Krieges zwischen der ehemaligen UdSSR und den USA bisher immer noch nicht eingetroffen ist.
Solange es im 21. Jahrhundert keine Exitstrategien gibt, an denen sich alle Länder, vielmehr alle Menschen dieser Erde festhalten, werden die Verluste an Natur und Leben so hoch sein wie noch nie zuvor. Die Brennbunkte werden immer deutlicher und heftiger, wenn 50 Millionen, 100 Millionen oder gar 500 Millionen Menschen und mehr auf die Straße gehen/ gehen werden, um gegen Unrecht, Unterdrückung, Diktatur und Gewalt zu demonstrieren und dabei nicht selten gegen sich selbst kämpfen werden. Die Angst um den Clash of Cultures (orig. „Clash of Civilization“, 1993 von S. Huntington) ist trotz Coca-Cola, Nike und Tittytainment (1995 von Z. Brzezinski eingeführter Begriff, ehemaliger nationaler Sicherheitsberater von US-Präsident J. Carter) so nah gerückt wie nie zuvor. Es brodelt in China, in Griechenland, in Italien, in Ägypten, in Syrien, in Brasilien, in Mexico, in den USA, in Korea, in Rußland usw., daß es in Zeiten von Twitter und dem www nur eine Frage der Zeit ist, wann es zu einer globalen Solidarisierung der Menschen kommen wird. Und weit und breit gibt es keine (politische) Person -noch ein politisches Konzept!- , die wie einst M. Gandhi, Mutter Theresa, N. Mandela, K. Annan, M. L. King, J. Carter, J.F. Kennedy, W. Brandt oder M. Gorbatschow eine „global“ akzeptierte Führungsposition einnehmen könnte, um ein mögliches Chaos von gewaltsamen Bürgerkriegen (wie in Yugoslavien, Somalia, Syrien etc.) verhindern zu können. Zu groß sind die politischen Unterschiede, zu stark die Emotionen der Bevölkerung, zu groß die Kluft zwischen Arm und Reich und zu schwach wohl die internationalen Organisationen (etwa die UNO). Allein der irrationale Dauer-Zankapfel der Religionen zwischen dem Islam, den Christen und Juden beweist die große Unfähigkeit der religiösen Führer, wirklich Frieden und Liebe zu stiften. Ein weltweites Waffenverbot würde helfen, Schlimmeres zu verhindern.
Hinter diesen gesellschaftlich bedrohlichen Hintergründen kommen nun wir Architekten (und Künstler, Musiker, Dramaturgen, Dichter…) und vollen mehr baukulturelles wie ästhetisches Verständnis, werben für neue Technologien und Baumaterialien usw. All das, nicht weil wir in einem Elfenbeinturm leben, sondern weil es eine pädagogische Tugend wie Einsicht ist, die Menschen mit kulturell bedeutsamen Artefakten zu konfrontieren, daß sie das Gute und Wohlwollende im Menschen befruchtet und unterstützt! Das Lieblose unserer Artefakte spiegelt sich in unseren Seelen wider wie auch umgekehrt. Wir können das Gute im Menschen nur durch das Gute -also das „Schöne“ und „Geistreiche“- fördern, stützen und erhalten. Es erinnert uns daran, daß wir Menschen auch „anders“ können als brutal, agressiv, plump und einfallslos. Anspruchsvolle Architektur -wie auch anspruchsvolle Kunst, Literatur, Musik oder Theater- und Tanzstücke etc.- sind ein flüchtiges bis bleibendes Denkmal und auch ein Stück Hoffnung für den kultivierten, liebenden, friedlichen Menschen! Nicht mehr und nicht weniger. Es kann nur dieses eine Ziel sein, zu dem wir Menschen streben können, um für uns eine angenehme, befriedigende Welt zu schaffen, die unsere Befriedigung nicht aus dem natürlichen Prinzip von „Mord und Todschlag“ (Darwinistisch also: Fressen und gefressen werden…oder auch „Survival of the Fittest“), also den primitiven, archaischen, tierischen Machtgelüsten zieht (biblisch auch: Auge um Auge, Zahn umd Zahn), sondern geistig und sinnlich viel höher- und weiterentwickelt ist. Zumindest muß den leiblichen Instinkten und Trieben -wenn man/ Mensch sie schon mental nicht kontrollieren kann- ein vergleichbares Gegengewicht zur Balance entgegen gestellt werden. Umgebe Dich mit dem „Schönen“ und es wird Deine Seele -und damit Deine Menschlichkeit- auf wundersame Weise besänftigen!
Wenn man sich die Stilarchitekturen der letzten 2000 Jahre vergewissert, wird klar, daß massive, wehrhafte Burgen- und Festungsarchitekturen eine ganz andere Ausstrahlung auf uns Menschen haben als beispielsweise geometrisch ausgewogene Renaissancebauten (Ratio, Mathematik) oder romantisch verschnörkelte Barock- oder Jugendstilbauten (paradisische Fleischeslust á la Adam + Eva in P.P. Rubens-Manier). Gotische Bauwerke hingegen sind ein Zwitter, halb Monumental, halb Entmaterialisiert. Wahrscheinlich hätten die gotischen Baumeister (oder mehr „Ingenieure“) ihre Kathedralen wie Paxton und Eiffel gebaut, wenn sie Stahl und Glas statt Stein als Baumaterial gehabt hätten. Und natürlich hatten die Alten Griechen bereits mit Stein (und Holz) bereits eine extrem feine Vorstellung von Maß und Zahl (Proportionen), Transparenz, materieller Auflösung, Filigranheit der Bauteile und ästhetisch ansprechenden Linien und Kurven, die die Römer zunächst nur kopieren konnten und erst sehr viel später mit der Renaissance (15. und 16. Jahrhundert) weiterentwickelt haben. All das wirkt -wenn wir es denn vor Augen haben!- nachhaltig auf unsere Kultur, auf unsere persönliche Menschwerdung, auf unsere Sinnesschärfe und sehr, sehr wahrscheinlich -wenn wissenschaftlich auch noch nicht ganz bewiesen- auch auf unsere neurologische Struktur und Entwicklung im Denken und Fühlen! Darum ist es so wichtig, der (also unserer) Unfägigkeit des politischen wie sozialen Lebens etwas „Schönes“ entgegen zu setzen, an dem sich unsere ungünstigen Eigenschaften aufrichten und orientieren können, daß wir das Rohe und Gewaltsame in uns in soetwas wie „Erhabenheit“ überführen können. Und was wären wir für armselige Kreaturen, wenn wir all das (überflüssige) Schöne tatsächlich streichen würden? Mag sein, daß wir vielleicht (agressive) Säuge-Tiere mit primitiven Instinkten und Trieben bleiben, doch unser Geist hat in der Geschichte der Menschheit mehrmals bewiesen, daß er uns zu höheren Sphären des Bewußtseins und des Schöpfens bringen kann. Im Übrigen ist die Musik einer Epoche oder Generation ein sehr guter Seiesmograph für die seelische und ästhetische Verfassung einer Gesellschaft. Je schneller der Takt, je eintöniger die Melodie und je lauter die Töne, desto kopfloser, also animalischer oder triebhafter unser Menschsein, desto aktover unser limbisches System. Das (kontrollierte) Denken und ästhetische Empfinden hingegen beginnt mit einem Schweigen und Zuhören und zuckt eben nicht mit der rhythmischen Libido unseres Körpers. Stimulanz und Erregung (“ I Can´t Get No Satisfaction“, M. Jagger/ K. Richards, 1965) sind zweifelsfrei auch Mittel in der Architektur (Beispielsweise im Barock oder auch Jugendstil), sind aber in ihrer Wirkung meist nur von kurzer Dauer, da ihnen geistige Substanz fehlt, die die Zeit und den Augenblick übersteht. Der „Paukenschlag“ (in der Architektur etwa der „Dekorierte Schuppen“ der Postmoderne) ist aus der hedonistischen Perspektive legitim, doch er muß sparsam verwendet werden, um nicht in (militärische) Stupidität und gehorsame Gewöhnung zu verfallen. Las Vegas macht Spaß, ist aber als Lebensraum vollkommen ungeeignet. Das laute Spektakel ist u.a. Sache der Musik, des Theaters und vielleicht auch der Kunst, nicht aber der Architektur und des Städtebaues, wie wir es immer wieder seit nunmehr 50 Jahren weltweit beobachten können.
Der Dekonstruktivuismus ist etwa eine solche Spielart, die keine Ordnung und Sinnhaftigkeit erkennen läßt, außer der überhöhten Selbstdarstellung durch provokante Andersartigkeit. Als Raumlösung ist die Dekonstruktion nur schwer geeignet, da der Formalismus wider und zugleich mit der Konstruktion etwas Zersetzendes, Negierendes, Unvollendetes, wenn auch Witziges und Ironisches im Sinne von Ambivalenz als Form der Kritik hat. Doch wenn Architektur und Städtebau sich selbst nicht mehr für wichtig und lösbar hält, bekunden wir damit nicht mehr und nicht weniger als unser Versagen und unsere Unfähigkeit, eine Art nihilistische Kapitulation („Gott ist tot!“ aus „Die fröhliche Wissenschaften“ von F. Nietzsche, 1882). Das inszenierte Chaos (gleichsam der urgewaltigen Schöpfung und Werdung der Erde und des Kosmos) selbst -von dem wir ja nicht wissen, ob es zu „etwas“ wird oder ob es zerfällt- hat ästhetisch betrachtet freilich seine Substanz und Wirkung durch die eingefrorene, daher für uns Menschen ungewohnte Darstellung eines Prozesses. Aber mehr als eine reißerische Momentaufnahme ist es dann auch nicht, womit wir Menschen wieder zum triebhaften Voyeur kommen! Der Prozess des Werdens oder Sterbens taugt als Leitbild für eine wissenschaftlich basierte Kultur nicht, ist bestenfalls noch wissenschaftlicher Teil einer experimentellen Analyse vom Werden und Vergehen (von Konstruktionen) und hat damit eher Forschungs- und Laborcharakter. Das gleiche gilt, wenn Architekten die Architektur und den Städtebau mit der Bildhauerei verwechseln und spannende „Skulpturen“ formen wollen, für die es aber keine logischen, natürlichen Konstruktionen gibt. Die formale Abstraktion ist immer nur Teil des (notwendigen) Forschens, nicht aber schon das Ergebnis selbst! Abstraktion als Selbstzweck im Ergebnis ist einfach nur dumm, unvermögend wie unbefriedigend, bestenfalls eine Übung, eine Etüde und beleidigt alles Können vorangegangener Epochen. Nicht so in der Kunst, wohl aber im Sädtebau und der Architektur, die weder Satire, Karrikatur, Plastik, Comic noch Kunst sind! Diesen Unterschied haben wir leider mit den auf die Moderne folgenden Experimenten der individuellen wie sozialen und politischen Befreiung verlernt, wenn die starken wie zweifelsfrei notwendigen Antiparolen gegen allen Mief der Vergangenheit (insbesondere gegen den Faschismus in Deutschland) automatisch auch auf über Jahrtausende entwickelte Prinzipien der Ästhetik und Baukultur übertragen wurde, was man mit den Naturwissenschaften freilich nicht konnte. Doch Architektur und Städtebau hat sehr wohl etwas mit Erkenntnissen, mit Mathematik und Physik zu tun, das man sie eben nicht ideologisch beliebig verpressen und biegen kann.
Unsere Professoren an der Technischen Universität Braunschweig, die überwiegend in den 1930´er Jahren geboren waren (M. v. Gerkan, C. Schulitz, M. Schiedhelm, R. Ostertag, G. Wagner, K. Hartmann, H. Wehberg, J. Weber u.a.), haben die radikalen Umwälzungen der 50´er und 60´ er Jahre als junge Erwachsene und „Junge Architekten“ mit aller Faszination des sogenannten deutschen Wirtschaftswunders sowie den rasanten wie langanhaltenden Wiederaufbau mitbekommen und schließlich selbst in den 1970´er und 1980´er Jahren an der großen Befreiung der zum Vulgärfunktionalimus fehlentwickelten wie leidsam mißbrauchten Moderne u.a. durch die Postmoderne (quasi als Nachzügler der Kunstrevolte von Joseph Beuys und Andy Warhol) und andere stilistische Extreme im Halbrausch der 68´er Bewegung (dafür waren die Herren und Damen wahrscheinlich schon zu sehr etabliert) partizipiert. Doch immer wieder wurden unsere allzu kreativen Gegenentwürfe bzw. Alternativen zur Postmoderne in den 1990´er und 2000´er Jahren á la „Architektur muß brennen“ (G. Behnisch, Coop Himmelblau usw.) als zu formalistisch und zu willkürlich disqualifiziert und gekonnt auseinander genommen. Eben weil diese Generation, geprägt u.a. von Mies, von Gropius, May, Krämer und auch L. C., gesehen bzw. eingesehen hat, wie stark wir uns spätestens mit der Postmoderne von den eigentlichen Zielen bzw. Visionen einer vernunft- und wissensbasierten, „modernen“ Gesellschaft (die Vision und Utopie der 1920´er Jahre?) distanziert haben, zumal auch einige der sozialen Experimente der 68´er Bewegung (sexuelle Revolution, Kommune, Pille, Emanzipation, Studentenrevolution etc.) nicht immer funktionierten. Die Postmoderne (wir holen mal den bunten wie spaßigen, dennoch fein geordneten und auch philosophisch mit J.-F. Lyotard sorgsam unterbauten Formen- und Farbkasten der Geschichte heraus, um der wilden („born to be wild“ anno 1968) Kultur der Bronx und der Popart etwas zivilisiert „europäisches“ entgegen zu stellen) mußte scheitern. Denn Architektur taugt für 1:1 Adaptionen aus der jeweiligen aktuellen Kunst- und Modestörmungen nur bedingt bis garnicht!
Was aber blieb, wenn man auch den ollen Schinkel, den Klassizismus nicht wieder beleben wollte? Also wieder zurück zur Moderne ???, zu Mies van der Rohe etc., zu echten Konstruktionen, zu ehrlichen und innovativen Materialien, zu den Erkenntnissen der aktuellen Wissenschaft, zu rational begründeten Architektursprachen, die wirtschaftlich, funktional wie auch ästhetisch wieder Sinn machten und endlich wieder auf den Kontext reagierten (denn auch der Städtebau war/ ist eine Katastrophe). Doch das große Dilemma der neuen Freiheit, der Selbstbestimmung und Individualisierungen, der Welt der unendlich vielen Möglichkeiten etc. ist ja bis heute weder sozial noch kulturell, wohl aber marktwirtschaftlich gelöst. „Leben und Leben lassen“, also eine überaus tolerante Gesellschaft, bewahrt uns heute „noch“ vor heftigen zivilen Auseinandersetzungen, erzeugt dabei in der Summe unglaublich viel Diversität, viele Biotope, ist aber nicht mehr in der Lage, grundlegende Orientierung, Halt, Sicherheit und gemeinschaftliche Ziele und Wertevorstellungen vorzugeben außer dem Prinzip der Vielfalt und Toleranz selbst. Dies führt aber mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu einem schleichenden Auseinanderdriften von Gesellschaften in kleine Gruppen (also nicht miteinander kommunizierende Parallelgesellschaften) und dem Verlust von Volksmacht und der damit einhergehenden Stärkung von Wirtschaftsmacht. Nur selten finden diese Gruppen seit dem RAF-Terror, der Ölkrise und dem Ende des Kalten Krieges mit der Wiedervereinigung zusammen, um kritisch gegen das ein oder andere zu protestieren oder Solidarität im Sinne von Schwestern- und Brüderschaft zu zeigen (z.b. Fußball-WM 2006, Lichterkette 1992 in Sachen Brandanschlag von Mölln). Auch die Medien, insb. das Fernsehen, kann seit Mitte der 1980´er Jahre (Etablierung des Privatfernsehen) mit ihren einst so erfolgreichen „Familien“-Formaten (Der Große Preis, Wetten das?, Die Schwarzwaldklinik, Sportschau etc.) nur noch Teile der Bevölkerung synchron erreichen. Und weil seit dem (Zerfall der UdSSR, Wiedervereinigung) kein wirklicher Feind (vielleicht noch die Radiaktivität, div. Weichmacher in Kunststoffen und Farben, die Klimakatastrophe, das Artensterben, der antiwestliche Terror islam. Fundis) mehr in Sicht ist und der ganze stigmatisierende Ballast des komplexen internationalen Regelwerkes (Kalter Krieg) futsch ist, zählt eigentlich nur noch der clever zu erwirtschaftende Profit (Wettbewerb der Abzocke), das ICH, die persönliche Leistungs-Referenz (Haus, Auto, Boot, Kind + Kegel etc.) und sonstige „Vorteile“, die wir unseren Kindern in Vorbereitung auf die hart umkäpfte Leistungsgesellschaft (survival of the fittest!) aufbürden. Hier schwingt mit vorgehaltener Hand all die Angst und Ahnung mit, daß wir früher oder später doch noch die Zeche zahlen müssen, die 60 Jahre Wohlstandsgesellschaft auf dem Rücken der Natur und der armen, ausgebeuteten Völker angerichtet haben. Nicht umsonst rüsten man derzeit überall mit orwellscher Sicherheitstechnik („1984“ ist 1949 publiziert worden!) auf, um 7 Mrd. Menschen im Fall der Fälle (also der interkontinentalen Super-Demo) kontrollieren zu können. Parallel üben wir uns -wie auch alle Geheimdienste dieser Erde- weltweit mit dem Medium Internet auf Kommunikation, Völkerverständigung (Spionage) und Kulturaustausch (Datenaustausch) oder wollen doch nur ein Schnäppchen in der Geiz-ist-geil-Konsumwelt bei E-bay schlagen…während die (insb. amerikanische) Robotertechnik bereits alle militärischen Funktionen kostengünstig und hocheffektiv ausüben kann (perfect-kill by joystick).
Und in solchen Zeiten kommen chinesische (natürlich auch deutsche) Bauherren und wollen auf dem frischen Neubaugebiet vor den Toren der Stadt „traditionelle Friesenhäuser“ bauen! Freilich haben die Chinesen wie auch die Japaner noch eine ganz andere, nämlich extrem ambivalente Beziehung zur staatlich autoritär anerzogenen „Kulturpflege“, weil auch sie ein wenig den alten, guten Zeiten hinterhertrauern, in denen ein festes, soziales wie kulturelles Regelwerk das Überleben auf und mit der Landschaft über Generationen hinweg sicherte! Doch es ist der falsche Weg, so, wie auch die „alte“ Ado-Gardine ins Retro-Museum gehört (die neuen Ado-Gardinen sind übrigens sehr modern!). Der Respekt vor den Leistungen der Alten ist das Eine, was jede Gesellschaft zu leisten hat. Die Suche nach zeitgemäßen, adäquaten Lebensmöglichkeiten das Andere, was jede Epoche wie Generation neu für sich herauszufinden hat. In der Architektur ist alleine wichtig, welche Strukturen verwendet werden, daß sie mit möglichst allen oder sehr vielen komplexen Anforderungen kompatibel sind. Konstruktionen und Materialien können und werden sich lt. dem technischen Fortschritt ändern, nicht aber grundlegende Strukturen, die sich wie ein roter Faden durch unsere Kulturgeschichte ziehen, die das tragende Fundament von temporär wechselnden Funktionen sind und die synchron mit dem Logos und unserer Sprache verlaufen. Diese Zäsur zwischen fundamentaler (Raum- und Tragwerks-) Struktur und modischer Applikation (ehemals das Ornament, heute das Design) und sich ändernden Raumprogrammen bzw. Nutzungen müssen wir machen, um das System des Logos und der (Natur-) Wissenschaften nicht ad absurdum zu führen. Alles andere ist inkonsequent, schizophrän, ambivalent, trügerisch und destruktiv, nicht vorbildlich noch richtungsweisend. Scheinwelten sind Welten ohne Substanz und genügen niemals einer kulturellen Existenzsicherung.
Um diese wichtige Unterscheidung zu verstehen muß man das Wesen von Strukturen und des Logos, der i.d.R. den äußeren, naturgegebenen Strukturen angepasst ist, studieren. Kein Molekül, keine chemische Verbindung unserer Welt kommt ohne eine solche mathematische und physikalische Struktur aus. Hier herrschen feste Gesetzmäßigkeiten für das eine oder das andere, daß ein jeder Stoff, ein jedes Molekül bis hin zu ganzen Organismen, die aus unendlich vielen Molekülen bestehen, nur innerhalb dieser speziellen Strukturen existieren kann. Dabei gibt es mehr oder weniger statische bzw. ruhende Strukturen und Strukturen, die äußeren Einwirkungen und Kräften ausgesetzt sind und sich diesen Kräften oder Energien strukturbedingt anpassen können, ohne dabei in eine neue Struktur zu zerfallen. Ein Grashalm oder ein Baum ist beispielsweise so strukturiert, daß er sich den extremen Windkräften anpassen kann, ohne dabei als Gesamtsystem bzw. Gesamtstruktur zerstört zu werden. Hierbei ist es nicht die eine oder andere Zellstruktur sondern das mehr oder weniger lockere Gefüge von Zellen in Ringstruktur um eine Kernachse, die den Baum so flexibel und fest wie eben nötig macht. Diese Zellen bzw. der Zellenverband darf weder zu steif (spröder Bruch) noch zu locker (dauerhafte plastische Verformung) sein. Der Spielraum, den die einzelnen Zellen und Zellverbände innerhalb der chemischen Struktur haben, ist dabei sehr gering. Neben den Windkräften muß der Baum nun auch noch gegen Hitze, Kälte und Feuchtigkeit geschützt sein (Rinde, Borke) und er braucht innerhalb der Zellstrukturen ein effizientes vertikales wie horizontales Versorgungssystem (Kapillarsystem), um alle Äste, Zweige und Blätter von der Wurzel aus mit Nährstoffen und Wasser zu versorgen. Wächst der Baum schief oder wächst die Krone einseitig, droht er wegen der Gravitationskräfte zum Erdmittelpunkt hin zu kippen. Das ist der Grund, warum der Baumstamm und die Krone kreisförmig um eine vertikale Achse wächst. Die Physik (Statik) gibt also vor, wie sich die einzelnen Zellen räumlich zu einem Stamm und einer Krone anzuordnen haben. Und gewachsen wird nicht schichtweise mit einem festen Durchmesser, sondern ringweise mit zunehmendem Durchmesser, da sich mit zunehmender Höhe des Baumes das Drehmoment (Kraft x Hebelarm) und das Eigengewicht erhöht und Höhe und Durchmesser des Baumes statisch wegen der Knicklänge stets im gleichen, idealen Verhältnis bleiben sollten. Diese physikalischen und chemischen Strukturen bleiben Konstruktionsprinzip des Baumes und können nicht beliebig verändert werden, ohne das komplexe System bei gleichen Umwelteinflüssen zu benachteiligen. Greift man in solche stabilen, optimal ausgeklügelten Systeme ein, etwa bei der Tier- und Pflanzenzucht, kommen meistens Mißbildungen und krankheitsanfällige Züchtungen heraus, die die komplexen Grundfunktionen der Tiere (Beispiel Dackel, Basset, Bobtail) oder Pflanzen (Zuchtrosen, Zuchttulpen, Apfelbäume) stark einschränken können. So etwa ist das maximale Wachstum des menschlichen Gehirns in erster Linie abhängig von der statisch machbaren Knochen- und Muskelstruktur des Schädels und der Wirbelsäule innerhalb der verschiedenen Wachstumsphasen. Unser Gehirn ist strukturell bzw. statisch nicht für größere, schwerere Gehirne konzeptioniert und müßte erst durch Mutationen zu anderen Größenverhältnissen gelangen. Problematisch ist hierbei nicht die Größe des Kopfes, sondernd das enorme Wachstum der Schädeldecke, was hierfür notwendig wäre.
Und in der Architektur gelten diese Naturgesetztze, insbesondere die Statik, in ähnlicher Weise. Eine Holzstütze hat für den gleichen Lastfall andere Querschnitte als eine Stein- oder Betonstütze usw. Hierbei ergeben sich also materialbedingte, aber auch strukturbedingte Idealformen (Papp-Wabenstruktur vs. Vollholzquerschnitt, H-Profil vs. Rohrprofil), um als Stütze oder Träger für die Spannweite x und die Last y effektiv brauchbar zu sein. So kommen die materialspezifischen Proportionen von Konstruktionen ins Spiel, daß eine Stütze, eine Wand oder ein Träger mit der Höhe h und der wirkenden Last F einen idealen Durchmesser d oder eine ideale Breite b haben muß usw. Sollen die lastabtragenden Stützen schlanker werden, muß der Stützenabstand und damit die (Decken-) Last F je Stütze verringert werden. Sollen die Stützen einen großen Abstand a haben, müssen die Stützen und der tragende Deckenbalken (Sturz) einen entsprechend größeren Querschnitt besitzen, um die höheren Lasten je Stütze und das höhere Biegemoment im Träger abzufangen usw. Ähnlich ist auch unser Skelett konstruiert bzw. dimensioniert. Je nach Lastfall und Beanspruchungsart sind die Knochen, Gelenke, Sehnen und Muskeln ganz unterschiedlich geformt und ausgeprägt. Das statische Grundprinzip bleibt aber bei allen Knochen- bzw. Skelettaufbauten immer das gleiche. Folgt nun eine frei erfundene Form, z.B. eine mehrfach gewölbte Schale, nicht den idealen Kraftlinien, muß eine verhältnismäßig aufwendige Hilfskonstruktion oder ein überdimensioniertes Bauteil verwendet werden. Diese Hilfskonstruktionen können zumindest bei zugbeanspruchten Bauteilen sehr elegant durch hochzugfeste, leichte Carbonfasern (innen wie außen) oder auch filigrane Seilabspannungen relativ „unsichtbar“ bzw. unbemerkt in oder an das Bauteil eingebracht werden. Bei auf Druck- und Biegung belasteten Bauteilen ist dies schon weitaus schwieriger, da Druckkräfte nur von sehr dichten, also schweren Materialien (Stein, Beton, Stahl) aufgenommen werden können, wenn man sie nicht durch räumliche Sekundärtragwerke, etwa einem Fachwerkträger oder einer Seilabspannungen etc. räumlich löst. Doch ein Baum mit Krückstock scheint nur wenig ästhetisches Potential zu haben. Warum also sollen wir einen schiefen Turm bauen, der nur durch aufwendige Sonder- und Hilfskunstruktionen stabil ist?
Hier nun greift das Prinzip des Logos, der mit möglichst geringem Aufwand maximale Perfomance herstellt, indem er ohne Umwege -also meist über den kürzesten, direkten Weg- den Gesetzen der Physik folgt. Will man z.B. eine Kuppel bauen, kann die statisch ideale Form einfach über eine hängende Kette ermittelt werden (wie bei A. Gaudi´s Sagrada Familia), so, wie eine gewölbte Membrane über die natürliche Oberflächenspannung von Seifenblasen simuliert werden kann. Die formal von uns favorisierte oder beabsichtigte Linie folgt also i.d.R. nicht automatisch der statischen Ideallinie in der Konstruktion. Wollen wir nun die Naturgesetze unbedingt bezwingen (weil wir etwa nicht Untertan der Natur sein wollen (Glaube) oder die Naturgesetze einfach noch nicht kennen (Dummheit)), entscheiden wir uns für die mehr als anstrengende wie umständliche Quadratur des Kreises (Architektur der Klimmzüge). Folgen wir hingegen dem Logos der Natur und seiner Gesetze, folgen wir einfach der Linie einer Kette (oder eines Seiles) oder der natürlich sich formenden Oberflächenspannung einer Seifenblase. Die eine Konstruktion wird wahrscheinlich plump, kompliziert und umständlich wirken, die andere ist wohl statisch wie auch ästhetisch kaum mehr zu optimieren. Dieses Beispiel läßt ahnen, daß wir in der idealen wie effizienten Gestaltung von Konstruktionen garnicht so frei sind, wie wir es vielleicht immer denken oder es uns wünschen. Hier haben wir gestalterisch lediglich noch die Chance, aus symmetrischen Kräftegleichgewichten (Prinzip Waage) auch asymmetrische Lastverteilungen zu konstruieren (links kurzer Hebelarm x hohes Gewicht = rechts langer Hebelarm x geringes Gewicht). Ein schief wachsender Baum muß den verschobenen, statisch ungünstigen Schwerpunkt des Stammes (es wirkt hier durch den Neigungswinkel ein ungünstiges Drehmoment) durch eine gegenüberliegend wachsende Krone (oder Astwerk) ausgleichen, um stehen zu bleiben (analog zum Balanceakt eines Seiltänzers mit Stangen). Freilich kostet der asymmetrische Balanceakt zusätzliche Kraft und Aufwand und ist zudem meist mit funktionalen Mängeln behaftet. Stellen sie sich vor, unsere Beine wären um 10cm in der Länge verschieden: wir würden humpeln und wahrscheinlich den Sprint verlieren. Andererseits ist ein schief gewachsener Baum, der seine Krone weit über einer schönen Wiese oder Flußaue auskragen läßt, ein herrlich romatischer Ort. Folgen wir also eher dem Prinzip der Rationalität, der Ökonomie und der Effizienz, werden i.d.R. symmetrische Systeme als statische wie funktionale Ideallösung bevorzugt. Folgen wir hingegen mehr unseren ästhetischen Empfindungen, sind es eher unsymmetrische Systeme, die uns beschäftigen und uns wahren Sinnesgenuß bescheren. Andererseits brauchen wir die Asymmetrie (also das Gleichgewicht im Ungleichgewicht), um statische Systeme weiter zu entwickeln, schließlich auch, um Fortschritt und Wachstum zu generieren. Das ungleiche Paar, etwa als Komplementär, ist Ausdruck einer solchen Asymmetrie, bildhaft z.B. Dick und Doof, die Schöne und das Biest, Adam und Eva usw. In der Kombination des Ungleichen können (evolutionär wie auch ästhetisch) vorteilhafte Symbiosen entstehen, da es hier zu einer Steigerung bzw. Verbesserung von Qualitäten (oder auch Fähigkeiten) kommt! In der Architektur wäre dies vergleichbar mit der Kombination von Transparenz und Massivität (Opazität), von der Vertikalen und Horizontalen, von Regelmäßigkeit und Störung, von Groß- und Kleinmaßstäblichkeit usw. Die Sprachverschiedenheit erzeugt Spannung, die einen vermittelnden (lösenden) Denkprozeß, also eine neuronale Vernetzungsarbeit im Sinne von Bewußtseinserweiterung verursacht.