architektur + baukultur
BLAUSTIFT bau I kultur I design beschäftigt sich seit 2005 intensiv mit interdisziplinären Zusammenhängen und Wechselwirkungen zwischen Mensch – Stadt – Architektur – Design und Kunst. Da unsere Welt immer komplexer und anspruchsvoller wird, kommen wir in unserer Betrachtung über die eigene Arbeit als Architekten und Gestalter nicht umhin, all diese vielen Faktoren und Aspekte in unsere Architekturkonzepte zu integrieren. Hieraus ergeben sich -fachübergreifend- eine Vielzahl von Synergieeffekten, die letztendlich zu einer gestalterischen wie funktionalen Bereicherung unserer Arbeit führt und damit auch ein wichtiger Beitrag zu der derzeit viel diskutierten Baukultur ist.
So suchen und finden wir in der Schnittstelle mit anderen Gestaltern, Ingenieuren, Planern, Herstellern wie auch Designern und Künstlern neue Möglichkeiten und Lösungen, um den vielen Möglichkeiten und Anforderungen zeitgemäß und optimal gerecht zu werden. Zum Beispiel hat die zunehmende Bedeutung von Licht, insbesondere die Möglichkeiten von langlebigen wie energiesparenden LED´s, einen starken Einfluss auf unsere Gebäude-, Innenraum- und Freiraumplanung. Auch ökologische und energetische Aspekte führen zwangsläufig zu neuen Gebäude- und Fassadenkonzepten. Insbesondere energetische Konzepte spielen sowohl beim Neubau wie auch bei der Sanierung alter Gebäuder eine entscheidende Rolle im Umgang mit Technik und Architektur. Hinzu kommen neue Materialeien und Bautechniken, die optimale Funktionen wie auch neue Formen erlauben. Doch auch hier ist nicht alles, was neu und innovativ ist, automatisch auch besser oder sinnvoller, geschweige denn ökologischer oder ressourcensparender als bewehrte Lösungen. Bei aller formalen wie technischen Innovation, die gleichermaßen Chancen wie Risiken bergen, suchen wir daher immer auch nach der Sinnhaftigkeit unserer Gebäude, auf die vielen Bedürfnisse der Menschen wie auch unserer Umwelt zu reagieren. In diesem Spannungsfeld zwischen Ästhetik, Form, Funktion, Konstruktion, Technik und Ökologie bewegen wir uns und müssen dabei immer wieder realistisch abwägen und „vernünftige“ Entscheidungen treffen.
Gebaute Kultur gibt es nicht gratis! Auch wenn kreative Prozesse und/oder Ideen beinahe unerschöpflich und zudem (relativ zu den Baukosten) bezahlbar sind, entstehen die eigentlichen Kosten bei der handwerklichen, materiellen Umsetzung und Realisierung, also beim eigentlichen „Bauen“. So muß zunächst die Gesellschaft als Ganzes wie auch das Individuum entscheiden, ob, welche und wieviel „Kultur“ sie sich wo leisten will. Kein Mensch will auf die schönen Künste, das Theater, die Oper, den Tanz oder die Musik verzichten. Auch schöne Städte, Gebäude, Interieurs, Gärten und Landschaften schätzen wir sehr, sind diese aber im Verhältnis zu den anderen Kulturkünsten oder Kulturprodukten nur mit einem relativ hohen materiellen wie finanziellen Einsatz realisierbar und bleiben als „Immobilie“ zudem meist über mehrere Jahrzehnte mit allen Folgekosten im Raum erhalten. Bauen, vor allem Baukultur, ist daher vielmehr eine gesellschaftliche, letztendlich auch politische Aufgabe, weniger das alleinige Werk einiger potenter Bauherren oder Investoren, die ihre eigenen Visionen mehr oder weniger gelungen mit kreativen Architekten verwirklichen können. Standards, Normen, Baurecht und Bauordnung sollen hierbei u.a. zwar eine bestimmte „Qualität“ sichern, können aber im gestalterischen und ästhetischen Bereich nur wenig entscheidenden Einfluss auf den nach wie vor überwiegend „privaten“ Bauherren bzw. Investor nehmen. Und selbst dort, wo die „öffentliche Hand“ in größeren Maßstäben baulich aktiv wird, bestimmen meist „leere Kassen“ das i.d.R. dann „ökomomisch“ reduzierte Bauprogramm. Schliesslich ist das politische Instrument „Demokratie“ mit seinem mehrheitlichen Entscheidungssystem ein weiterer Grund, wesshalb eine durchgängige wie konsequente Baukultur in einer pluralistischen wie individuellen Gesellschaft meist scheitern muß. Weder können Besitzer von Grundstücken oder Immobilien noch mögliche Bauherren vom Staat, Land, der Kommune oder der Stadt auf gesetzgeberischer Grundlage gezwungen werden, was, wieviel und in welcher Qualität gebaut werden soll. Dies wäre dann eine Art staatliche Enteignung und Bevormundung einer im Prinzip nach unserem Grundrecht gewollten „freien“ Bürgerschaft/ Gesellschaft. Politisch legitimierte Bebauungspläne wie auch Flächennutzungspläne geben hier meist nur einen „groben Rahmen“ vor -immerhin!-, innerhalb dessen sich zwar Baukultur entwickeln kann/ könnte, aber nicht gezwungener Maßen entwickeln muß. Erst, wenn Baukultur -die wir ja auch noch zu definieren haben- durch politische Legitimation -also demokratisch- als gemeinsames Ziel durch entsprechende Gesetze verankert ist, kann der Grundstein für eine moderne „Baukultur“ gelegt werden. So aber können wir nur auf verantwortungsvolle Einsicht, Weitsicht und guten Willen aller am Bauen Beteiligten „hoffen“, daß sie gemeisam und im mehrheitlichen Konsens die vielen Mühen und Kosten für das Entstehen „anspruchsvoller“ wie sinnvoller Bauwerke, Quartiere und Stadtteile freiwillig auf sich nehmen.
Die „Baukultur“ selbst ergibt sich historisch fließend aus dem ständigen „Kultivieren“ und „Weiterentwickeln“ meist über Jahrzehnte entwickelter Bauformen und Bauweisen, die zum einen den jeweiligen Zeitgeist einer Gesellschaft (Identifikation) wie auch dessen technischen Möglichkeiten (Fortschritt) am besten durch Architektur und Städtebau zum Ausdruck bringt. Baukultur lebt also einerseits durch die Tradition, einmal bewährte Bauformen, Bauweisen und Programme durch gesellschaftlichen Konsens als signifikantes wie zeitgemäßes Stilmerkmal in Raum und Zeit zu etablieren, andererseits aber auch, immer wieder den neuen Aufgaben, neuen Bedürfnissen, neuen Materialien und neuen Konstruktionen durch neue architektonische wie städtebauliche Lösungen aktuell, also zeitgemäß und synchron gerecht zu werden. Die Baukultur einer Epoche ist immer dann auf ihrem Höhepunkt, wenn sie alle kreativen, lösungsorientierten, handwerklichen wie industriellen Kräfte mit den tatsächlichen Bedürfnissen der Gesellschaft und dem aktuellen Stand der Technik durch ihre Bauwerke und Städte 1:1 synchronisiert und synthetisiert. Hierbei sind die Bedürfnisse der Gesellschaft zum einen funktional und ökonomisch ausgerichtet, zum anderen aber auch und zu jeder Zeit auf einer sprachlich semantischen Ebene metaphysischer, psychologischer und ästhetischer Natur. Es ist darum nicht nur die Aufgabe der Architekten und Städtebauer, den Menschen ein praktisches, funktionierendes wie bezahlbares Haus zum Wohnen, für die Freizeit oder zum Arbeiten zu entwerfen, sondern auch, ihnen durch entsprechende Gestaltung, Form, Geometrie, Konstruktion, Plastizität, Schmuck, Farbe, Licht und Material „ästhetische“, sinnlich wahrnehmbare, symbolische wie auch „geistige“ Befriedigung zu verschaffen. Freilich kann und soll nicht alles „prachtvoll“, verschwenderisch und „luxeriös“ gestaltet sein, doch niemals sollte ein Gebäude, ein Raum oder eine Stadt, in der Menschen leben wollen, „armselig“, ohne Seele und Würde an Gestalt daher kommen. Auch, wenn unsere materielle Welt häufig in ihrer Bedeutung für den Menschen überbewertet wird, hat sie erwiesener Maßen doch rückwirkend eine sehr starken Einfluß auf die Entwicklung und den Zustand unserer Psyche. Übertriebene Monumentalität wie auch nicht enden wollende Monotonie als stupide Wiederholung der gleichen Sache wirken sich beispielsweise nachweislich negativ auf unsere Psyche, unser Gemüt aus. Sie kann sehr wohl als künstlerischer Ausdruck im „Einzelfall“ erwünscht und tauglich sein, nicht aber Grundlage unserer Vorstellung von Lebensräumen sein.