die verpennte moderne

mit steinen bauten einst die römer:: wenn man sich die Bau- und Architekturgeschichte der letzten 2000 Jahre vergewissert, fällt auf, wie wenig sich das moderne Bauen in den letzten 100 Jahren technologisch weiterentwickelt hat. Immer noch spielt der Massivbau, also das Jahrtausende alte Bauen mit Steinen und Beton bzw. Stahlbeton wie auch Holz, eine sehr große Rolle im Baugeschäft. Leichte Aluminiumkonstruktionen, filigrane Raumtragwerke, Membranen, pneumatische Architekturen, Carbonfaserschalen, Curtain Walls etc. hat man bereits vor mehr als 50 Jahren entwickelt und realisiert. Wie wenig ist heute im Baugeschäft davon übriggeblieben? Es scheint, als ob die Postmoderne der frühen 1970´er Jahre alle innovativen Kräften der damaligen Moderne komplett zum Erliegen gebracht hat.

Spitzentechnologie haben wir spätestens seit den 1980´er Jahren in der Mikroelektronik (IT), dem Maschinenbau (Space Shuttel) und der Biologie (Genetik, Mikrobiologie). Aus den schweren Ziegelsteinen wurden etwas leichtere, großformatige Poroton und Gasbetonsteine mit minimalem Fugenanteil. Aus den massiven Vollholztägern wurden schlanke, gebogene, aber immer noch massive Brettschichtholzträger. Aus den soliden Brettern wurden OSB-, Span-, Multiplex-, MDF-, HPL-, Waben- und Tischlerplatten in allen nur möglichen Beschichtungen. Aus den Stahlträgern wurden mit Seilen und Streben unterspannte Raumtragwerke. Aus Ortbetonkonstruktionen wurden immer noch massive Stahlbetonkonstruktionen, die als Fertigteilelemente verbaut werden. Hier und da werden zugfeste Carbonfasern in den Beton eingelassen oder Stahleinlagen vorgespannt, um die Zugfestigkeit des Materials zu verbessern. Chemische Zubstanzen helfen, dass der Beton fließfähig, selbstverdichtend, schnell abbindend, hochfest, korrosionsbeständig und auch wasserdicht wird. Aus gewellten und trapezförmigen Blechen wurden immer dünnere Sandwichelemente mit integrierten Dämmkernen. Aus einfachen Fenstergläsern wurden absolut ebene, 2- bis 3-scheibige, großformatige, rahmenlose Isolierglasscheiben mit Vakuum- oder Gasfüllung und diversen Dampf- oder Folienbeschichtungen, um die Energie- und Lichtdurchlässigkeit zu beeinflussen. Schweres Gussglas wird mit transparenter Dämmung fassadentauglich und farbige Polycarbonat-Stegplatten werden in großen Formaten als Dach- und Fassadenemente eingesetzt. Statt schwerer Bitumenanstriche und verschweißter Bitumenbahnen gibt es heute Folien und Flüssigabdichter zur Bauwerksabdichtung. Metalle werden pulverlackiert. Hölzer werden kesseldruckimprägniert und hochgeflammt, um feuchtigkeits- und bioresistent zu sein. Statt warm- und heißleuchtender Wolframfäden haben wir hocheffiziente LED´s und OLED´s. Statt manueller Kippschalter steuern wir die Hauselektrik heute via Smartphone, PC, Touchpad und Funk. Kurbelstangen und Zugbänder für die Markiese und Verschattungsanlagen werden durch Elektromotoren ersetzt. Amaturen und Raumbeleuchtungen werden über optische Sensoren aktiviert. Böden werden vollflächig mit Epoxidharz „finish“ vergossen.

Und doch: fast alle Neubauwohnungen auf der grünen Wiese sind konventionelle Massivbauten mit zementösen Mauerwerk und WDVS oder gedämmte Klinkerfassaden, die Dächer mit altbackener Ziegeleindeckung anno 1850, vielleicht auch mal ein Betonziegel, hier und da als innovatives Highlight auch mal eine Solaranlage auf dem Dach und die Garagentore allesamt automatisch. Was nur haben wir Architekten, Bauingenieure und die Baustoffindustrie in den letzten 50 Jahren falsch gemacht, daß wir immer noch mit Steinen, Mörtel, Putz, Fliesen und Beton bauen und unsere Autos immer noch Benzin verbrennen und größtenteils aus Metall sind? In der Formel 1 gibt es bereits seit Jahrzehnten kaum noch Metallteile! Carbonfasern werden bereits seit 1955 industriell in England hergestellt. Lotus fertigte bereits 1957 das erste Glasfaser-Monocoque für einen Rennwagen, McLaren den ersten CFK-Rennwagen 1981! Und wenn man sich die filigranen Luftfahrtschiffe des Grafen von Zeppelin anno 1898 (also vor mehr als 115 Jahren!) anschaut, kommen einem die Tränen, wenn man heutige Großbauprojekte in Glasscheiben aufgelöster Monumentalbauweise sieht. Frei Otto und Rolf Gutbrod bauten damals den deutschen Pavillon auf der Expo 1967 in Montreal als filigrane Zeltkonstruktion mit einem 8.000m² überdeckenden Kunststoffnetz mit bis zu 38 Meter hohen Pylonen, dem Vorläufer des heute so bekannten Olympiastadions von 1972 (auch schon wieder 41 Jahre her). Wie in vorangegeangenen Beiträgen schon mehrmals erwähnt, bauen deutsche Architekten und Ingenieure heute immer noch mit Bauteilkonstruktionen von weit über 500kg/m² bis 1.000kg/m², so, als ob sie noch nie etwas von Ressourcenoptimierung und leichten Tragwerken gehört hätten, anstatt sich an neue Konstruktionen und Materialien zu wagen, die weit unter 50kg/m² wiegen und darüber hinaus wesentlich flexibler und schneller zu errichten sind.  Was etwa ist aus dem Papier-Wabenhaus des Erfinders Gerd Niemöller anno 2009  geworden? Eine Wabenplatte kann mit bis zu 50 Tonnen Gewicht je Quadratmeter belastet werden! Wieso gibt es heute überhaupt noch Bauteile mit mehr als 100mm Bauteildicke und mehr als 50kg/m² Eigengewicht? Eine hochdämmende 3-Fachverglasung mit 4mm Glas etwa wiegt gerade einmal 30kg/m². Hohlkammerplatten aus Polycarbonat beispielsweise sind durch ihre geringe Wichte von nur 1.200kg/m³ gegenüber Glas mit 2.500kg/m³ nochmals wesentlich leichter: eine 50mm Platte ohne Nanogelfüllung hat einen U-Wert von zirka 1.0W/m²K und wiegt nur 4,8kg/m², mit Nanogel gefüllt etwa 8,3 kg/m² und einem U-Wert von 0,48W/m²K. Eine 3-wandige 25mm Platte mit Nanogel hat einen U-Wert vom 0,9 und ein Gewicht von 5,1kg/m². Damit sind die Polycarbonatplatten bei vergleichbarem Wärmschutz 6 mal leichter als vergleichbare Glaskonstruktionen! Leichtbau-Wabenverbundplatten von 50mm stärke haben z.B. ein Gewicht von 13 kg/m² bei einer Dichte von nur 250kg/m³ und 15 Tonnen Druckfestigkeit je m² sowie 27 dB Schalldämmmaß.

Das 1/2 Millionen Euro teure, 4-geschossige, vollverglaste, zu 99% recycelbare und in nur 11 Wochen realisierte, emissionsfreie Nullenergiehaus R128 von Werner Sobek anno 2003 etwa wiegt als filigrane, vollverschraubte Stahl-Glas-Aluminium-Holzkonstruktion aus Fertigteilen insg. nur 40 Tonnen bei 250m² Wohnfläche und hat damit einen Netto-Materialverbrauch von nur 160kg/m² Wohnfläche bei relativ bescheidenen 2.000,- Euro Herstellungskosten je m² Wohnfläche. Die Decken sind in Dickholzzbauweise ausgeführt. Lediglich die Sohle ist als hochgedämmte StB-Decke ausgeführt. Die 33mm dicke 3-Fachverglasung mit Edelgasfüllung besitzt einen U-Wert von 0,4W/m²K. Die mit Wasserleitungen ausgestatteten Deckenelemente kühlen im Sommer und führen einstrahlende Sonnenwärme über einen Wärmetauscher in das Heizsystem. Hier ein nun auch schon wieder 11 Jahre altes Paradebeispiel, wie moderne, innovative Architektur aussehen kann, wenn Ingenieure und Architekten sich Gedanken über effiziente Tragwerke, Bauteile und Versorgungssysteme machen.

Nicht, daß wir an dieser Stelle mit Carbon oder Polycarbonat ökologisch bedenkliche Produkte empfehlen (die Ökobilanzierung, Recycelbarkeit, Brandeigenschaften, Toxizität, Langlebigkeit etc. muß hier selbstverständlich gegenüber konventionellen Baustoffen standhalten). Es geht uns darum, daß viel zu wenig moderne, also alternative Baustoffe und Baustofflösungen erprobt werden und nach geprüfter Eignung dann auch schnell von der Bauindustrie und allen Baubeteiligten, also auch den Planern und Architekten als verbindlicher neuer „Standard“ umgesetzt werden. So etwa können wir auch auf gesetzgeberischer Seite nicht verstehen, warum hier -anders als bei der dann doch eher zahnlosen EnEV (Energieeinsparverordnung)- der Baustoffindustrie sowie den Bauenden keine Grenzwerte gesetzt werden, die die Entwicklung von leichten und umweltgerechten Baustoffen fördert. Was nützt alle ökologische Plänkerei, wenn wir nach wie vor je m² Nutzfläche 1 bis 2 Tonnen Baumaterialien verschwenden, wenn wir es auch mit 20, 50 oder 100kg oder 150kg/m² hinbekommen? Allein hier liegen gewaltige ökologische Einsparpotentiale, die mindestens so umweltrelevant sind wie der Wärmeschutz, eine effiziente Kühl- und Wärmeerzeugung sowie der geringer Energieverbrauch von Maschinen, Motoren und Geräten.

Wer also hat hier in globalen Zeiten seit nunmehr 25 Jahren Angst vor wirklich effizienten, intelligenten, die Umwelt massiv entlastenden Lösungen? Wenn es die Architekten selbser sind: wo bleiben die Kammern (die ja dem Justizministerium unterstellt ist) und der visionäre Sachverstand der Ingenieure? Wenn es die Bauherren sind: wo bleibt der Gesetzgeber, das Baugesetz und die mediale Aufklärung? Wenn es die Baustoffindustrie ist: wo bleibt der Gesetzgeber, der Produkte und Bauteile über Mindestanforderungen reglementiert? Welche Rolle spielt hier das DIBt (Deutsche Institut für Bautechnik) und die entsprechende EU-Gesetzgebung? Alles wie gehabt durch Lobbyismus und Korruption verdrängt, verschoben und aufgehoben? Was hat der Staat, der Gesetzgeber davon? Garantierte Arbeitsplätze in der Forschung und Industrie wie bei den Braunkohle- und Atomkraftwerken?

Wir können heute alles Stoffliche messen und objektiv beuteilen, ohne uns in irgendwelchen Meinungen oder Ansichten zu verlieren. Wieviele Gutachten und Expertisen braucht es wirklich (in der BRD, in der EU), bis der Umweltschutz und der technologische Fortschritt auch im Bauwesen angekommen ist? Welche Rolle spielt hierbei das zu 40% über Bund und Länder (also uns Steuerzahlern!) finanzierte Frauenhofer Institut, daß mit 20.000 Mitarbeitern ein jährliches Forschungsvolumen von 1,8 Mrd. Euro bearbeitet? Wie kann überhaupt ein Institut solchen Ranges -dessen Sinn und Zweck hier keinesfalls strittig ist- sowohl  Aufträge aus der freien Wirtschaft wie auch staatliche Aufträge konfliktfrei und objektiv generieren, zumal hier der Staat mit 40% Anteil keine Mehrheit besitzt? Hier fängt der Filz und die Korruption an, wo nicht eindeutig zwischen unterschiedlichen Interessen getrennt wird. Warum gibts es bis heute noch keine offiziellen, rechtverbindlichen wie vollständigen Materialkennzahlen bzw. eine Kennzeichnungspflicht mit allen relevanten Daten inkl. Ökobilanzierung, Input-Output (MIPS) sämtlicher zugelassener Bauprodukte? Jedes einzelne Gebäude müßte in Prinzip einen flächen- bzw. raumbezogenen Ressourcen- und Energiepass -kurz „Gebäudepass“- haben, in dem sämtliche zur Herstellung verwendeten Rohstoffe und Energiene sowie anfallende Emissionen etc. „quadratmeterbezogen“ aufgelistet werden. Wenn sie heute ein 1.200kg bis 2.200kg schweres Auto kaufen, steht nirgends, wieviel Stahl, Metall, Aluminium, Gummi, Kunststoff, Glas, Keramik, Textil, Schaumstoff, Schmierstoff usw. in dem Fahrzeug brutto wie netto verbaut wurden. Und auch nicht, wieviel Energie, CO2 und andere Ressourcen sowie toxische Stoffe zur Herstellung des Autos verbraucht wurden. Auch nicht, wie hoch die Langlebigkeit und  Recyklierungsquote der einzelnen Bauteile und der einzelnen Stoffe ist. Aber nur so können wir Konsumenten letztendlich beurteilen und vergleichen, ob ein Auto (oder auch jeder andere konsumierbare Gegenstand) ökologisch taugt, effizient ist, es den Preis wert ist.

Wenn wir (als Bürger und Konsument) das Umweltministerium, das Bundesbauministerium oder das Ministerium für Verbbraucherschutz führen würden, hätten wir längst eine umfassende wie ausnahmslose Kennzeichnungspflicht „aller“ konsumierbaren Produkte (auch von Lebensmitteln) veranlaßt sowie dazu umfassende Tests und Vergleiche in Sachen „Performance“ und Ökologie als Verbraucherinformation durchgeführt und regelmäßig publiziert. Dazu würden wir auf Basis des vorhandenen wissenschaftlichen, unabhängigen Wissens rigeros Grenzwerte festsetzen, die maximal in 1-2 Jahren (und nicht erst in 5 bis 15 Jahren) von den Herstellern bzw. der Industrie umzusetzen sind. Heute kann in nur 24 Monaten ein komplett neues Auto neu entwickelt und realisiert bzw. fabriziert werden! Was also ist so schwer daran, vergleichweise einfache, wenig komplexe wie wenig komplizierte Produkte, wie sie auch im Bauwesen überwiegend verwendet werden,  in weniger als 12 Monaten zu realisieren? Und auch die Evaluation von relativ simpler Technik kann innerhalb weniger Monate zuverlässig durchgeführt werden.

Demokratie heißt: die Bürger bestimmen den Markt . . . und nicht die Hersteller und Lobbyisten! Und die Bürger bestimmen (durch Wahlen) auch die Politik, die den Markt reguliert.

Wir Deutschen zahlen derzeit zirka 550 Mrd Euro Steuern jährlich, also je Bundesbürger knapp 6.700,- Euro bzw. 13.300,- Euro je Haushalt. Die Krankenkassen haben 2010 Einnahmen wie Ausgaben von rund 175 Mrd. Euro, also je Bundesbürger 2.135,- Euro im Jahr (was so mancher Haushalt nicht einmal als verfügbares monatliches Nettoeinkommen hat). Steuern und KK-Beiträge haben zusammen ein stolzes Volumen von über 725 Mrd. Euro, also über 8.800,- Euro je Bundesbürger bzw. 17.600,- Euro je Haushalt! Ist es in der Wirtschaft nicht selbstverständlich, daß man für jeden Rechnungsbetrag, für jede koch so kleine Leistung eine genaue, nachvollziehbare Leistungsbeschreibung und detaillierte Kostenzusammenstellung erhält, und zwar gratis und unaufgefordert zur Rechnung dazu? Wie kann es sein, daß 40 Millionen Haushalte weder vom Staat noch von den Krankenkassen eine exakte wie regelmäßige, nachvollziehbare Jahresbilanzierung der Ein- und Ausgaben frei Haus bekommen, zumal diese von uns Steuer- und KK-Beitragszahlern geleistete Summe von 725 Mrd. Euro keine freiwillige Abgabe sondern gesetzlich regulierte Zwangsabgaben sind? Traut man uns Bundesbürgern die Wirtschafterei und den Umgang mit dem Taschenrechner etwa nicht mehr zu? All dass ärgert uns maßlos, wenn seit Jahrzehnten von Transparenz, von Verantwortung der Politiker, gar von Verantwortung der freien Wirtschaft oder auch von Vertrauen in Menschen, gar von sozialer Gerechtigkeit oder der sogenannten Mündigkeit der Bürger etc. geredet wird und hierbei gegenüber der Bevölkerung nicht einmal die einfachsten Grundlagen des transparenten, fairen Rechnungswesen angewendet werden. So etwa ist es nach wie vor ein Skandal, wenn öffentliche Ausschreibungen in 3 stelliger Millionenhöhe (wie beim privatisierten Autobahnausbau A7 mit 600 Mio Euro an die Firma Bilfinger) vom Staat an private Unternehmen (ÖPP) mit zeifelhaften Wirtschaflichkeitsprüfungen von an den Unternehmen  involvierten Beraterkonzernen politisch durchgeboxt werden. Allein hier geht es nach Berechnungen um ca. 50 Millionen Euro und 1 – 2 Jahre geringere Bauzeiten, die der Steuerzahler gegenüber einer konventionellen Sanierung wie Bauausführung ohne PPP zu viel zahlen bzw. einsparen könnte. Vollkommen unglaubwürdig wie unseriös in diesem Falle das Nachbessern von Wirtschaftlichkeitsberechnungen pro ÖPP und die plötzlich sinkenden Kosten seitens des privaten Auftragnehmers. Wohlgemerkt: der Staat kennst sich als jahrzehntelanger  Autobahnbauer und Autobahnsanierer bestens mit den tatsächlich anfallenden Kosten aus.

Wie auch immer: (Bau-) Programme müssen jedweder Art immer wieder neu überprüft werden, ob sie überhaupt Sinn machen, wie hoch der wirkliche Raum- oder Flächenbedarf tatsächlich ist oder sein wird und schießlich, welche konstruktiven wie wirtschaftlichen Alternativen es gegenüber konventionellen Bauweisen (hier also die Bauweise der Alten Römer) gibt. Und man kann sich als Staat auch professionel und gut „beraten“ lassen (im Falle der Autobahn hat die BRD jedoch mitnichten genügend eigene Kompetenzen, daß es einer zusätzlichen Beratung aus der freien Wirtschaft nicht erforderte), doch sollte man dann auch 100% „unabhängige“ Berater wie Volksentscheider wählen und nicht solche, die auch die möglichen Auftragnehmer beraten oder sich von diesen stattlich bezahlen lassen. All das stinkt nach Vetternwirtschaft, nach Lobbyismus, nach Bestechung und Korruption und ist auf politischer Seite (Stichwort Politikverdrossenheit) nur schwer bis garnicht wieder geradezubügeln, auch wenn die meisten Schafe dieser Republik nach wie vor sehr, sehr vergeßlich sind…aber eben nicht alle!

Zurück zur Moderne, die vielversprechend vor 100 Jahren begonnen hatte und heute von einigen „modernen“ Bauherren immerhin noch als Retromöhre wiederentdeckt wurde (man traut sich tatsächlich, Flachdächer zu bauen, die Fassaden weiss mit WDVS und raumhoch verglast, legt Wert auf bodengleiche Duschen und ein installiertes Bussystem!) und opponiert damit demonstrativ gegen die unzähligen konservativen Gieblhäuser aus der Fertighausabteilung (Angebot exklusive Bodenplatte mit 2 Bodenfliesen zur Auswahl!), wie gehabt mit Klinkerfassade, Säulenveranda, Erkerchen und lackierten Dachpfannen in Nachtblau oder Ferrari-Rot. Deutschland, wie tief bist du gesunken! Wenn die Holländer in den letzten 20 Jahren mit ihrem innovativen wie experimentierfreudigen Städtebau nicht gewesen wären, würden wir heute wahrscheinlich immer noch triste Platten- und Zeilenbauten oder giebleständige Häuschen anno vorvorgestern mit graubraunen Putzfassaden und Kunststoffrollläden in mausgrau bauen. So schauen wir nach der Ära Mies van der Rohes und Walter Gropius heute wie gestern nach Japan, nach Holland, in die Schweiz, nach GB und nach Skandinavien, um zu lernen, wie moderne Architektur gebaut wird. Die Technik kommt gerne aus Deutschland (zuverlässige Qualitätsprodukte), doch was ist mit der Architektur, den Konstruktionen (dem ureigensten deutschen Ingeniuer-Gen), den Innovationen? Hier haben scheinbar ganze Generationen von Architekten- und Ingenieurkammern, ausbildenden Hochschulen, Baubehörden und Bauministern „gepennt“. Keiner von den Nachfolgenden des Bauhauses war nach Mies und Gropius so visionär und fortschrittlich, Deutschland mit einer Vision, mit einem Bild von und für die Zukunft fit zu machen, die begonnenen kreativen Triebe zu einem herrlichen Garten wachsen zu lassen. Dass Nazideutschland das Bauhaus und die Moderne abgeschafft haben steht außer Frage – kalter Kaffee. Doch seitdem sind fast 7 Jahrzehnte vergangen, in denen die alten kreativen Köpfe der Moderne bis heute wahrscheinlich mindestens 7 Feuerwerke dargeboten hätten, wenn man sie nur gelassen hätte und der braune Kapitalistenfilz mit goldener Adokante und schützendem Jägerzaun sich in den ängstlichen Spießerköpfen der nachkriegsdeutschen Führungskräfte und getreuen Wirtschaftswunder-Wähler nicht so lange gehalten hätte. Hätten wenigstens die Mühen der 60´er Jahre allen Muff und alle Ängstlichkeit der allzu reaktionären Deutschen weggesprengt, ist es heute nicht wirklich unsere eigene Kultur, die „modern“ und fortschrittlich ist sondern vielmehr die Kräfte und Verdienste des globalen Marktes (angefangen bei den Neue-Welt-Importen aus Hollywood, den Jazz, den Rock´n Roll über Honda-Kawasaki-Yamaha-HiFi- und Tamagotchi-Nippon, Bill Gates und IBM´s IT-Silicon Valley oder Jane Fondas Aerobic-Inspirationen usw.), die uns bis heute zu einer modernen Gesellschaft animiert und getrieben haben (den USA sei Dank dafür). Freilich haben auch die Deutschen nach 1945 bis heute mehr als fleißig und hartnäckig bahnbrechende Erfindungen und technische Innovationen in fast allen Lebensbereichen erbracht (Patente noch und nöcher, auf die wir und andere nicht verzichten wollten . . . Entwicklungen von Bosch (Zündkerze, u.a. ABS), Porsche (911), Mercedes (300SL) . . . Scanner, Stollenschuh, Dübel, Pille, Chipkarte, Airbag, MP3, Funkuhr, Greenfreeze, das digitales Fernsehen . . .und sogar der 1979 von Sony etablierten Walkmann hatte bereits 1977 angeblich ein Deutscher patentieren lassen usw.), doch andere Länder haben längst aufgeholt und spielen ganz weit vorne mit in der Championsleague des 22. Jahrhunderts. Nicht geht es um Erfindungen und Erforschungen als Selbstzweck, sondern um wirklichen Fortschritt, der durch neues Wissen und neue  Technik erreicht werden kann.

Entscheidend ist bei einer neuen Technik oder Technologie immer die Gesamtperformance, daß mit immer geringerem Material-, Energie-,  Herstellungs- und Konstruktionsaufwand eine noch höhere Leistung bei gleicher oder längerer Lebensdauer erbracht werden kann. Letztendlich ist die Performance eines Produktes der Qutient aus:

Energieeinsatz x Rohstoffeinsatz x CO2 Emissionen x Toxis x Arbeitszeit x Maschinen- oder Werkzeugeinsatz x Transportaufwand x Montageaufwand x Reperaturaufwand x Instandhaltungsaufwand x Recyclierungsaufwand) / (Funktionsleistung x Haltbarkeit x Recycelbarkeit x Rohstoffverfügbarkeit). Je kleiner dieser Wert ist, desto effektiver ist die Technik. Im Prinzip kann man jeden Gegenstand, jedes Artefakt mathematisch simpel quantifizieren und zum umltimativen Vergleich stellen. Kosten spielen hier keine Rolle, da diese über vom Menschen künstlich hergestellte Bewertungsverfahren (Angebot und Nachfrage, Markt) extrem variabel und unzuverlässig sind.

Die neuen Klebetechniken etwa erlauben bei minimalem Materialaufwand einen effektiven wie sicheren Einsatz im Flugzeug- und Karosserie-wie auch Glas- und Kunststoffbau. Vorbei sind die Zeiten des aufwendigen Bohren, Schrauben und Schweißen. Auch Klett ist einer dieser hocheffektiven Verbindungstechniken. Um Gewicht zu sparen, werden derzeit pneumatische Sitze unter 1.000 Gramm je Sitzplatz in bzw.  für Passagierflugzeuge entwickelt (Economie 500-1.000g/ Sitz, Business 1.500-3.000g/ Sitz, 1. Klasse 3000-5000g/ Sitz). Die Sitze bzw. Tubes der schweizer Firma Lantal bestehen aus dünnen, o,25mm dicken Polyurethanfilms sowie Bezügen aus Nomex-Kevlar-Stoffen für den Brandschutz . Die pneumatischen (Sport-) Hallen hatten wie schon in den 1970´er Jahren und seitdem sind die Spezial-Membranen extrem weiterentwickelt worden (u.a. von Conti-Tech). Lediglich der Brand- und Schallschutz muß bei den Leichtbaukonstruktionen noch optimiert werden, um diese Systeme seriell auch im Hochbau einsetzen zu können. Fassaden- und Dachelemente, die Energie speichern und erzeugen können, gibt es ebenfalls seit mehreren Jahrzehnten. Im Prinzip dürften heute keine Materialien mehr verbaut werden, die ohne smarte Energiefunktionen ausgestattet sind. Überhaupt ist es ein Unding, daß das Nullenergiehaus wie auch Energie-Plus-Haus (hier wird mehr Energie erzeugt, als das Haus selbst benötigt) noch kein gesetzlicher Standard ist. So aber vollzieht sich der Wandel nur in frustrierend kleinen Mäuseschritten, die sämtliche Synergieeffekte zunichte machen. Was für eine verschlafene Gesellschaft, die technologisch (und damit pro Umwelt + Natur) weit, sehr sehr weit hinter ihren Möglichkeiten dahertrottet!

Drum: fordern Sie vom Markt das 250 kg schwere 0.5 Liter-Auto, das 2.500 Gramm schwere Fahrrad, den 25 kg schweren Motorroller, den 250 Gramm schweren Laptop, die 500 kg schwere 40m² Wohnung mit einem jährlichen Energieertrag von zusätzlich 2.000kWh, die 5 kg schwere Büroeinrichtung, den 1.000 Gramm schweren Bürodrehstuhl usw. Helfen sie mit, daß jeder Mensch in 1 Leben statt über 150 Tonnen nur noch 50 Tonnen, gar nur 10 Tonne an veredelten Rostoffen verbraucht, die zudem zu 100% recycelt werden können.

Fordern Sie die Verpackungsindustrie auf, die Produkte mit dem minimalsten Verpackungsaufwand zu verkaufen. Eine konventionelle 1-Liter Milchtüte verbraucht ca. 37% mehr Verpackungsmaterial als eine kompakte 2 Liter-Milchtüte und 47% mehr als ein kompakte 2,5 Liter Milchtüte. Das sind bis zu 50% mehr Verpackungstransportgewicht und Materialkosten als notwendig, die Sie als Verbraucher mehrbezahlen und zudem die Umwelt belasten. Fordern Sie den Staat auf, Mogelpackungen zu verbieten, die nicht selten bis zu 50% Luft verpacken. Maximal sollten -bis auf wenige Ausnahmen- 5% Leervolumen erlaubt sein. Wenn man z.B. Zucker oder Salz mit dünnem Papier (120-150g/m²) verpacken kann, bracht man keine 0.5-1.0mm dicken Kartonagen, die das doppelte bis 5-fache wiegen. Viele Produkte sind zu 50% bis 90% mit stink normalem Wasser verdünnt bzw. vermischt (z.B. Duschgel, Haarshampoo, Flüssigseifen, Zahnpasta, Cremes, Waschmittel, Geschirrspüler etc.). Wenn man die Hauptsubstanzen auch ohne Qualitätseinbußen konzentriert oder getrocknet herstellen kann, dann kann man auch auf 50% bis 75% Gewichtsanteil H2O inkl. dafür notwendiger Verpackung und Gewicht verzichten (Beispiel: Brausetabletten, Asperintabletten, Gallseife etc.). Sie als Kunde müssen weniger schleppen und auch weniger bezahlen, da weniger Verpackung, weniger Transportkosten und weniger Lagerungskosten -die ja allesamt als Aufpreis aufgeschlagen werden- entstehen und zudem haben sie zu Hause die doppelte Lager- oder Regalfläche über . . und auf deutschen wie europäischen Autobahnen und Eisenbahnstrecken halbiert sich der lärmende, emissionsreiche, den Verkehrsfluß beeinträchtigende LKW-Verkehr! Alle gewinnen! Warum wird´s nicht schön längst gemacht?

Weil wir ein unmoralisches wie vernunftfreies Wirtschaftssystem haben, das mit Müll, Dreck, Mehrverbrauch, Mängeln, Fehlern, Sollbruchstellen, Krieg, Zerstörung, Unfällen und Krankheiten schlichtweg „Arbeit“ generiert und damit ziemlich viel „Geld“ verdienen kann! Ökonomisch betrachtet: der Kranke kann nicht krank genug sein, daß man sich an ihm eine goldene Nase verdienen kann. Und der Krieg kann nicht zerstörerisch genug sein, daß man Soldaten beschäftigen kann, Panzer und Waffen bauen kann und über den folgenden Wiederaufbau und die umfangreiche humanitäre Hilfe sehr viel Arbeit und Wachstum generiert, daß es fast wie eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten aussieht (wären da nicht die vielen Toten und Krepierten, das viele Menschnleid und eine auf viele Jahrzehnte hinweg zerstörte Umwelt). Und auch die Müllverbrennungsanlagen klagen, wenn wir zu wenig Müll produzieren, weil die Anlagen sonst nicht wirtschaftlich, sprich rentabel laufen. Die Wasserwerke klagen, wenn unsere Sparamaturen und 15-Liter-WC´s zu wenig Abwasser in die Kanalisation leiten, daß die dafür überdimenionierten Rohre nun mit zusätzlichem Aufwand gereinigt werden müssen und damit die Rendite der Wasserwerker schmälert. Und die tausend Sollbruchstellen in Handys, Kaffeemaschinen, Waschmaschinen usw. sorgen dafür, daß die Lebensdauer um mehr als 1/10 verkürzt wird, damit 10 x mehr Produktion, Umsatz, Rendite und Arbeitsplätze geschaffen werden durch 10 x mehr Energie-, Rohstoff-, Emissions- und Transportverbrauch: das nennt man wirtschaftliches Wachstum durch „professionelle Destruktion“ (destruktive Wirtschaft vs. konstruktive Wirtschaft)!  Dagen kämpfen Menschen freilich schon seit mehreren 1.000 Jahren auf der ganzen Welt, um aus dem profitorientiertem, privilegiertem Unrecht einiger weniger (zum angeblichen Wohle der Mehrheit) ein vernunftbezogenes, soziales, ökologisches, der Allgemeinheit und schließlich auch der Natur dienendes Recht zu machen (also im eigentlichen Sinne wirklicher „Fortschritt“!). Das Motto lautet: Wer keine Arbeit hat, der macht sich welche! Den Ast zu sägen, auf dem man Sitz, schafft doppelt Arbeit! Und sie wissen nicht,was sie tun! In der Architektur bzw. im Bauwesen ist der Materialeinsatz je Kopf allein für den Privathaushalt mit derzeit 80-100 Tonnen je Leben in etwa so hoch wie der Verbrauch an Lebensmitteln und Getränken (wohlgemerkt als Nettogewicht!). Hinzu kommen weitere 5-10% Materialaufwand nur für die Mobilität (5-10 Tonnen PKW) und weitere 5-10 Tonnen für Haushaltswaren, Möbel, Geräte, Textilien, Bücher, Zeitschriften usw. Mehr als 80% der gesamten Materialien (Gewicht) werden also für private Wohngebäude verwendet! Rechnet man die Infrastrukturen, Straßen (690.000km)  Gebäude zum Arbeiten sowie öffentlichen Gebäude mit ein, kommt man schnell in 80 Lebensjahren auf ca. 280 Tonnen Schotter, Asphalt und Beton etc. für die Verkehrsflächen + 80 Tonnen Baumaterialien für Wohngebäude + 40 Tonnen Baumaterialien für alle übrigen Gebäude, zusammen also mehr als 400 Tonnen allein nur für Baumaterialien (das sind 5 Tonnen pro Jahr und Einwohner)!  Etwa 5 % (18.000km² mit einem Gewicht von ca. 14,4 Mrd. Tonnen, das entspricht in etwa einem Würfelvolumen von 2 km Kantenlänge) der gesamten Fläche der BRD (357.121km²) wird derzeit für Verkehrsflächen (ca. 220m² je Einwohner und ca. 175 Tonnen Gesamtgewicht je Einwohner) , etwas mehr als 12% (45.000km²) für Siedlungsflächen verwendet. Hinzu kommen weitere Flächen und Baumaterialien für das Bahn- und Wasserstraßennetz.

Wenn man sich vergewissert, daß je Einwohner jedes Jahr 1.500kg Baumaterialien für Gebäude benötigt werden, kann man schon stutzig werden, wenn wir statt der 1.500kg eigentlich nur 250 bis 500kg für die gleiche Nutzfläche bräuchten. Die Einsparung von Umweltbelastungen durch Ressourcenabbau, Energieverbrauch, CO2-Emissionen, Produktionsaufwand und Transport sind bei 82 Millionen Einwohnern und einer jährlichen Gebäude-Baustoff-Tonnage von 125 Millionen Tonnen enorm hoch! Wir könnten jedes Jahr locker über 80 Millionen Tonnen Baumaterialien im Wert von ca. 40 Mrd Euro (ca. 500,- Euro je Tonne und Bundesbürger) einsparen! Doch solange sich Effizienz nicht in verbindlichen Gesetzestexten, Richtlinien und Normen niederschlägt, bleibt auch beim Bauen (anders als in der Raum- und Luftfahrtindustrie) alles wie gehabt. Sieht so technologischer und kultureller Fortschritt aus?

Beispiel Zugfestigkeit: Carbonfasern (1.780kg/m³, Zugspannung 3,75kN/mm²) sind je Gewichtseinheit ca. 5,5 mal effektiver als Stahl (7.850kg/m³, Zugspannung 3,0kN/mm²). Glas ist mit 2.550kg/m³ und 2,4kN/mm² Zugspannung bereits 2,46 mal so effektiv wie Stahl. Bei den Membranen hat je Flächengewicht der innovative Stoff „Kevlan“ (z.B. Cargolifter CL75) eine etwa 3-mal so hohe Zugfestigkeit wie PET-Materialien, die eine etwa 3-mal höhere Zugfestigkeit wie Gewebe aus Baumwolle besitzen.

Aluminiumwabenplatten mit einer Zellweite von z.B. 6mm und beidseitiger Alu-Deckbeschichtung von 0,6mm Stärke haben beispielsweise ein Flächengewicht von 4,0 kg/m²  bzw. 159 kg/m³ (6,3mm Plattendicke) bis 8,0kg/m² bzw. 192 kg/m³ (52mm Plattendicke). Kartonierte Wabenplatten haben ein Raumgewicht von ca. 130kg/m³ (10mm Print-Wabenplatte) bzw. 185kg/m³ mit zusätzlicher Kraftlinerbeschichtung (10mm Building-Platte). Eine Wabenplatte mit 10mm Zellweite aus Liner (140 g/m² Flächengewicht Wabe) hat ein Raumgewicht von ca. 40kg/m³ und eine Druckfestigkeit von 55 Tonne je m². Eine Wabenplatte mit 15mm Zellweite trägt noch stolze 48 Tonnen je m² und hat ein leicht reduziertes Gewicht von nur noch 34kg/m³.

Was wir Architekten uns wünschen, sind extrem leichte, umweltschonende, voll rezyklierbare, giftfreie, pflegeleichte wie multifunktionale Baustoffe, die neben ihrer optimierten Tragstruktur (Wand, Boden, Decke, Dach, Umwehrung) auch Lichtfunktionen, Dämmfunktionen (Wärmeschutz, Akustik etc.) und Brandschutzfunktionen übernehmen. Quasi eierlegende Wollmilchsäue, die technisch einfach, rohstoff- und energiearm herzustellen sind und durch ihre funktionalen wie statischen Aspekte überzeugen.

 

 

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