raster

raster :: der überwiegende Teil des Hochbaues basiert heute auf Rastern, die zum einen das konstruktive System, zum anderen die Fassaden und den Innenausbau strukturieren. Das Raster selbst ist vor allem ein Ergebnis der industriellen Fertigung von Produkten und Baustoffen. Zum einen geben bestimmte Herstellungsbedingungen, die technisch, statisch und/oder ökonomisch optimiert sind, bestimmte Bauteilformate vor, zum anderen müssen unterschiedliche Bauteile auf ein gemeinsames Raster abgestimmt sein, damit sie im Ganzen aufeinander abgestimmt sind. Grundsätzlich unterscheidt man das Raster für den Innenausbau vom konstruktiven Raster, aus dem sich u.a. auch die Fassadenbauteile ableiten. Für das konstruktive Raster haben sich 25cm-Module (50, 100, 250, 500, 750 ff) bewährt, während im Innenausbau das 12,5cm- (25, 50, 75, 100 ff.) und 15cm-Modul (15, 30, 60, 90, 120 ff.) zum Einsatz kommen. Aus dem klassischen Mauerwerksbau kommen aus den Steinformaten abgeleitete Module von 11,5, 17,5,  24 oder 36,5cm sowie bei den lichten Abmessungen von 51, 76, 151, 201, 251 oder 501 zum Einsatz, die inklusive Putzauftrag von 10-25mm ein Ausbauraster von 15, 20, 25 oder 40cm bei den Wänden und 50, 75, 150cm bei den Raummassen ergeben (hier jedoch nur mit 10mm Putz oder Fliesenauftrag). Idealerweise wäre bei Putz- und Fliesenaufträgen von 15-25mm ein Stein-Modul von 11/24,5cm statt 11,5/24cm zu bevorzugen, so dass hiermit tatsächlich lichte Breiten von 25, 50, 75, 100cm erzielt werden können. Bei Wandlängen über 100cm eignet sich der 24,5cm Stein jedoch nicht mehr, so daß hier das 24´er Modul wieder die besser Wahl ist. Tatsächlich ergibt sich das gerade Ausbaumasz für die Innenwände jedoch aus dem Vielfachen eines Fliesenformates (Vielfaches von 15, 20 oder 25cm) zuzüglich 2 x 15-20mm Fussleisten und 2 x 15-25mm Putz bzw. Fliese zu 106, 206 oder 556cm. Bei den Deckerastern werden i.d.R. 60/60cm, 60/120cm oder 62,5/62,5cm, 62,5/125cm Raster angeboten. Zu diesem Rastermasz sind ebenfalls nochmal 2 x 15-20mm Randprofil und 2 x 15-20mm Putz/ Fliese hinzu zurechnen. Mit Rohbaumaszen von 56, 106, 256, 506 oder 726cm hat man mit den gängigen Bodenfliesen und Abhangdecken dann kein Problem mehr.  Problematisch wird es erst wieder dann, wenn im Boden- und Wandbereich mit (rastergleichen) Hohlkehlfliesen (also ohne zusätzlich auftragende Fußleisten oder Sockelfliesen) und im Deckenbereich mit (25-50mm) Schattenfugen gearbeitet wird. Ein Bodenspiegel im Fliesenformat (z.B. 150x210cm) mit Rohbaumaszen von min. 153 x 213cm ist dann nicht mehr mit den üblichen Rasterdecken von 60 oder 62,5cm Achsmasz zu elementieren. Hier muß geschnitten werden und der ganze Rasteraufwand ist ästhetisch wie ökonomisch wieder überfällig. Ebenfalls sind die üblichen Abmessungen von Stahlbetonwänden und Stahlbetonstützen (i.d.R. 20, 25, 30cm) nicht kompatibel mit den klassischen Mauerwerksmaßen. Bei einem wirtschaftlichen Konstruktionsraster von 600x800cm und 25/25cm bzw. 30/30cm Rechteckstützen verbleiben zwischen den Stützen  575 (570cm) und 775 (770cm). Bei den 25/25 Stützen fehlt 1 cm zu den 576 bzw. 776cm, bei den 30/30 Stützen sind es 6,5cm zu viel (563,5 + 1/2 Stein + 1cm Fuge) oder 6cm zu wenig. 600cm als Fassadenraster ist wiederum ideal für weitspannende Stahlprofile (z.B. Trapezbleche) oder auch Sandwichpaneele, die meist in Längen von 200, 500, 600 oder auch 800cm angeboten werden.  Aber auch hier liegt das Problem meist wieder in den Fugen (zirka 20mm vertikale wie horizontale Fugen) und Stoßpunkten.

Erfahrungsgemäß gibt es kein Raster und kein Modul, was für alle Bauteile gleichermassen stimmig ist. Liegen die tragenden Bauteile im 10´er Modul, kommt man für die Decken und Böden inkl. Putz und Fußleisten auf ein 15´er Modul. Arbeitet man mit Leichtbauwänden, dürfen die nicht breiter als 12,5cm sein (Putz entfällt). Werden die Wände gefliest, sind 12 und 27cm breite Leichtbauwände ideal. Um bei Türöffnungen keine Fliese schneiden zu müssen, muß die Zargenaußenkante ein Vielfaches von 15cm betragen (also 75, 90, 105, 120cm in der Breite und 210 oder 225cm in der Höhe, wenn die Sockelfliese 15cm beträgt). Damit liegt das lichte Durchgangsmasz der Türen mit 50 mm Zargenbreite bei 65, 80, 95 oder 110cm und das Rohbaumasz bei min. 78, 93, 108 oder 123cm (im Mauerwerksbau sind es 76, 88,5, 101, 113,5 und 126cm). Da es in der Praxis je nach Funtion jedoch zu viele Zargen- und Türtypen (Umfassungszarken, Eckzargen, Blockzarken) und bei den Räumen zu unterschiedliche Bodenbeläge (mit/ohne Fußleisten/ Sockelfliesen) und unterschiedliche Wände (Mauerwerk/ Beton/ Leichtbauwand mit/ohne Putz/ Fliesen) gibt und auch die Decken mal mit/ ohne Rasterdecken und mit/ ohne Schattenfugen ausgebildet werden, gibt es kein Idealmasz, was allen Ansprüchen gerecht wird. Der Planungsaufwand für gerasterte Bauelemente ist dabei erheblich und die Kompromisse bei den geschnittenen Bauteilen sind ästhetisch nicht immer befriedigend, zudem kostenaufwendig. Meist werden hierfür kostenintensive wie raumfressende Vorsatzschalen vor die Wände aufgebracht, allein um die Böden und Decken im Ausbauraster gestalten zu können. Wenn aber das vermeindlich wirtschaftliche Raster (das Argument der seriellen, kostengünstigen Massenherstellung solcher Elemente) dazu dienen soll, Kosten zu minimieren (was noch zu beweisen wäre!), liegt hier ein starker Widerspruch im System. Systemelemente wie beinahe alle Fertigteile sind tatsächlich nicht wesentlich günstiger, häufig sogar viel teurer als konventionelle Wand-, Decken- und Bodenausführungen. Spricht neben der perfekten maschinellen Verarbeitung (quasi fehlerfreie Produktion) nur noch das Argument der Zeitersparnis

Ob gerasterte Fassaden oder Innenräume ästhetisch anspruchsvoller sind, als freie Boden-, Decken und Wandgestaltungen, sei hier einmal mehr dahin gestellt. Die planerischen Zwänge von Rasterarchitekturen sind verhältnismäßig hoch und rechtfertigen aus ästhetischer Sicht den hohen Aufwand gegenüber freien Planungen nicht zwingend. Das Raster gibt zwar Halt und Orientierung, engt aber den Gestaltungsraum systembedingt zienmlich stark ein.Wenn sie beispielsweise eine 240cm breite Rasterdecke (4 x 60cm) über einem Flur haben und nun mittig ihre Donlights setzen wollen, landen die Leuchten genau in der Fuge. Das Deckenraster muß also um 30cm verschoben werden, womit aber an den Rändern halbierte Deckenfelder installiert werden müssen. Bei einer Glattdecke hätte sie dieses Problem nicht. Wollen sie zudem umlaufende Schattenfugen von 50mm haben, muß der Flur statt 240cm dann 250cm breit sein. Bei einer verputzten oder glatten Abhangdecke hätten sie dieses Problem nicht. Was allein für die Rasterdecke spricht, sind die flexiblen Revisionsöffnungen im Raster, die man bei Glattdecken erst wieder planungs- und kostenintensiv herstellen muß. Ein weiterer Trick, die Zwänge von Rastern zu umgehen, sind diagonale Verlegeweisen, Formatwechsel bzw. Formatvariationen /die jedoch wieder einen erhöhten Planungsaufwand erfordern) und kleinteilige Mosaikformate, die 10-25mm Toleranzen an Wänden oder Böden leicht überbrücken können. Auch Friese an den Rändern von Wänden oder Böden können solche Maszabweichungen zum Raster als bewußtes Gestaltungsmittel ganz unbemerkt kaschieren.

Da das Raster und mit ihm normierte Bauteile und Standardgrößen aus ästhetischer Sicht zu einer ungewollten wie unerwünschten Wiederholung der immer gleichen Bauteile führt (die auch durch die Varianz in der Bauteilgröße oder farbigkeit nicht wirklich kompensiert werden kann), spricht alles dafür, wieder mehr „ungerasterte“, sprich individuell gestaltete Bauteile zu verbauen, um den ästhetischen Sinn nicht im Einerlei des Rasters oder auch der gescheiterten Raster (knapp daneben ist auch daneben) verkümmern zu lassen. Es ist so viel einfacher und auch gestalterisch weitaus kreativer, außerhalb des Rasters zu entwerfen, zu planen, die Bauteile herzustellen (Handwerk) und zu verbauen. Wenn sie sich alte Fachwerkhäuser anschauen, sind sie  i.d.R. vom Gesamtbild dieser vordergründig geordneten Konstruktion fasziniert. Doch tatsächlich ist fast jeder Balken maßlich etwas anders, etwas schief und krumm und die Abstände der Stützen sehr ungleichmäßig. Es reicht unter ästhetische Gesichtspunkten vollkommen, eine Struktur oder ein Ordnungssystem formal im Ansatz zu erkennen, um es zu verstehen. Die Struktur selbst muß hierfür weder exakt, präzise noch symmetrisch sein!

Exakte und symmetrische Strukturen sind aus ästhetischer Sicht gestalterische Minimallösungen und in ihrer Lesbarkeit wie Deutbarkeit meist wenig anspruchsvoll. Wir vergleichen sie sprachlich mit gering komplexen Texten (etwa einer technischen, sachlichen Bedienungsaneitung), denen jedoch jeglicher prosaischer wie auch lyrischer Anspruch fehlt. Und nur darum kann es in der Architektur und auch der Baukultur gehen, in ihr Prosa und auch Lyrik als kulturelles Zeugnis baulich umzusetzen. Unsere Häuser und Fassaden wie auch unsere Stadtgrundrisse könnten sehr viel lebendiger, freundlicher, vielfältiger, orogineller und unverkrampfter daher kommen, wenn wir sie wieder aus den Krallen des (industriellen) Rasters befreien könnten. Tatsächlich ist der Markt um die Bauprodukte einem sehr starken Wettbewerb unterworfen, bei dem die indsutriell gefertigte Bauprodukte scheinbar mit technischen, funktionalen wie wirtschaftlichen Vorteilen daher kommen (Beispiel WDVS), um den konventionellen Bauweisen (insbesondere den Handwerksbetrieben) das Leben schwer zu machen. Mitunter können auch Gesetze und Normen über technische Mindestfunktionalitäten etc. dafür sorgen, dass Industrieprodukte meist ausser Konkurrenz sind. So, wie eine mögliche Gurkenverordnung dafür gesorgt hätte, dass es keine krummwachsenden Gurken mehr geben würde oder Industriesamen dazu führt, dass die landwirtschaftlichen Produzenten keine eigenen Arten mehr züchten können, gibt es auch im Hochbau eine Menge von Gesetzen, Verordnungen und Normen, die Industrieprodukte gegenüber konventionellen Baulösungen bevorteilen. So ist etwa der mehr als kontrovers zu diskutierende „Dichtungs- und Dämmwahn“ der EnEv maßgeblich dafür verantwortlich, dass überwiegend Industrieprodukte den neuen Anforderungen genügen. Dies kann mittel- bis langfristig zum Aussterben ganzer Handwerkstechniken wie auch Bauweisen führen.

Wie immer im Leben kommt es letztendlich allein auf Vielfalt und Originalität an! Das Raster ist dabei nur eines von vielen Ordnungssystemen, welches zudem ästhetisch (durch simple Wiederholung und Symmetrien) einen eher geringen Anspruch hat. Die Raster sollen nicht verschwinden, aber auch nicht unsere Bauweisen dominieren. Ein guter Gestalter verwendet das Raster, wo es wirklich einen wirtschaftlichen und/ oder auch ästhetischen Sinn macht. Wird es aber zum Selbstzweck, droht Gestaltungsverlust durch Dominanz.

Als Le Corbusier auf Grundlage einerangenommenen durchschnittlichen Körpergrösse von 183cm (anfangs waren es übrigens nur 175cm) und dem Goldenen Schnitt als Arithmetik den Modulor entwickelt hat, kamen mit der blauen und roten Reihe tatsächlich einige brauchbare Masze zustande, mit der man vom Möbelstück bis zum Geschossbau alles durchmodulieren konnte. Natürlich sind daraus abgeleitete Masze wie 2 x 113cm (also das Doppelte des Goldenen Schnittes von 183cm: 70cm  zu 113cm bzw. 113 zu 183) = 226cm für die lichte Raumhöhe mathematische Zauberei, denn man hätte auch das Vierfache von 70cm = 280cm oder 183cm + 70cm = 253cm nehmen können, um eine Deckenhöhe zu definieren. Und auch die 70cm, die von L.C. als Tischhöhe definiert worden ist, liegt heute bei praktikablen 75-80cm, von Küchenarbeitsplatten je nach Körpergröße bei idealen 85-105cm usw. Ferner gibt das Zahlenwerk ja nur Proportionen an, nicht aber ideale Masze für Bauteile noch, ob es sich um Brutto- oder Nettomasze handelt (es ist anzunehmen, daß ästhetische Proportionen sich auf fertige Raum- und Innenmasze beziehen). Hätte L.C. eine andere Körpergröße genommen, kämen freilich ganz andere Zahlen heraus. Zudem zeigt das Beispiel der Küchenarbeitsplatte, dass Masze „individuell“ nach tatsächlicher Körpergröße abzustimmen sind. Eine Normierung und Standardisierung macht hinsichtlich der stark variierenden Körpergrößen von 65cm (ca. 6 Monate altes Kind) bis 210cm wenig Sinn. International variiert die Durchschnittsgröße von Männern zwischen 159cm (Guatemala) bis 183cm (Niederlande), bei Frauen von 142cm (Bolivien) bis 171cm (Deutschland hat tatsächlich die größten Frauen auf der Erde). Wenn sie nun „ideale“ Schlafzimmer, Schreibtische, Büroarbeitsplätze, Werkstätten, Küchen, Badezimmer oder WC´s dimensionieren, müssen allein wegen der unterschiedlichen Körpergrösse Abweichungen von bis zu 30cm berücksichtigt werden. Nimmt man die durchschnittliche Körpergröße der Deutschen, unterscheiden sich Männer und Frauen immer noch durch 9cm Höhendifferenz. Tatsächlich leben in Deutschland auch viele Europäer, die -wie u.a. auch die Japaner- bei den Männern wie auch bei den Frauen bis zu 10cm kleiner sind. Chinesische (immerhin 19% der Weltbevölkerung) und indische Männer (stolze 17,9% der Weltbevölkerung) sind „durchschnittlich“ bis zu 15cm kleiner. Feste Größen (anders, als Mindestgrößen!) „taugen“ unter diesem Gesichtspunkt also nur wenig, da sie die individuellen Anforderungen der Menschen nicht wirklich berücksichtigen.

Wenn der Mensch der Maszstab für die Dimensionierung von Artefakten ist (Sitzhöhe, Aughöhe, Aktionsradius der Arme und Beine etc.), können wir mit Standardrastern und Standardmaszen nicht befriedigend auf den Menschen reagieren. Überhaupt sind Idealgrößen (bis auf statisch erforderliche Querschnitte von Bauteilen) schwer zu ermitteln, auch wenn sie rein technischer Natur sind. Kaum ein Mensch kann definieren, wie groß bzw. welche Abmessungen der ideale Raum hat, wie hoch die Decken sein müssen usw. Wohl hat man ein Gespühr für schöne oder gelungene Proportionen, kann sagen, daß ein Raum drückt, zu weit, zu unbehaglich  oder zu intim ist. Aber all das schwankt so ziemlich zwischen Pi mal Daumen mit Abweichungen von bis zu 40% nach oben oder unten.

Die individuelle Konfiguration von Bauwerken und deren einzelnen Komponenten ist ein Bereich, der in Zukunft -analog dem custom-made bike, dem custom-made car oder der custom-madefashion etc.- mmer mehr Bedeutung erlangen wird. Nicht nur Farbe und Ausstattung sind vom Käufer konfigurierbar, auch die Autositze und Lenkradposition passen sich bereits heute individuell dem Fahrer an. Und es gibt die ersten WC´s und Waschbecken, die sich automatisch in ihrer Höhe, Temperierung und Spülmodus den Benutzern anpassen. Und es wird neben der individuellen PC-Konfigurationen auch Schreibtische, Stühle und Workstations geben, die sich individuell ihren Benutzern anpassen. Die Härte von Matratzen wird individuell einstellbar sein, die Arbeitshöhe von Küchentresen und Arbeitsplatten und vielleicht werden sich irgendwann einmal auch die Brüstungshöhen von Fenstern sowie Deckenhöhen udn Wandpositionen den Benutzern individuell anpassen, so, wie sich bereits heute die Klimatisierung und Beleuchtung den Nutzern individuell anpasst. Aber wird es auch variable Raster geben? Wohl kaum, im besten Falle eine halbwegs „stufenlose“ Skalierung von technischen Geräten und Objekten, insbesondere bei der Strom- und Energiezufuhr von Motoren und sonstigen Antriebsaggregaten! Freilich wird es keine steifen Aluminium-Jalousien geben, deren Breite sich nebst Höhe variabel einstellen läßt. Wohl kann es Tische und Arbeitsplatten geben, deren Tiefe oder Breite variabel verstellt werden kann (z.B. über rollbare Beschichtungen auf skalierbaren Unterkonstruktionen (Schere, Teleskop, Klappmechanismen etc.).

Die Natur der festen Stoffe erlaubt derzeit meist nur eine 1-dimensionale Skalierung. Wohl können weiche und flexible Stoffe (etwa Textilien, Membranen, Folien, Gummis, div. plastisch verformbare Kunststoffe, Linoleum etc.) sich bereits in mehreren Dimensionen verändern. Ein Luftballon beispielsweise ist hier schon 3-dimensional variabel. Doch eine Tragwerksstütze, die mehrere Tonnen Last abtragen soll? Denkbar sind zumindest -analog zu modernen Theaterbühnen- variable Böden und Wände, die hydraulisch, pneumatisch oder über Seilezüge zumindest teilweise ihre Position oder ihr Volumen verändern können. Doch hierfür brauchen sie wieder einen zusätzlichen Konstruktions- und Stauraum, der je anch Technik mit unter bis zu 50% und mehr der eigentlichen Raumfläche oder des Raumvolumens einnehmen kann. Auf einer 100m² großen Grundfläche könnte man zum Beispiel mit viel hydraulischer oder mechanischer Technik variable Räume von 1m² bis 90m² Grundfläche flexibel modulieren, bei der die einzelnen Wandteile in nahezu jede x-beliebige Position verschoben werden können. Das wäre in etwa so, als wenn sich ein Fiat 500 durch beispielsweise Teleskopmechanismen variabel auf die Größe einer S-Klasse oder eines Kleinbusses modulieren ließe. Traum und Utopie? Zollstock, Meterband, Schlauchboot, Luftballon oder Teleskopstab sind schon tolle Erfindungen, mit denen man etwas sehr kleines schon sehr groß oder lang machen kann. Natürlich müßte beim Fiat 500 bereits die physikalisch bzw. statisch notwendige Masse für eine S-Klasse enthalten sein, womit das kleine Auto ganz schön schwer wäre und sein großer Vorteil (nämlich die Gewichtseinsparung) obsolet wäre. Und auch der Motor, die Bremsen und Reifen etc. wären entsprechend überdimensioniert. Bestenfalls passt man wieder mühelos in jede kleine Parklücke und auch der geringere Luftwiderstand würde sich zumindest positiv auf die Leistungseffizienz (also weniger Energieverbrauch) auswirken. Der Kutscher anno 1910 hätte für mehr Leistung einfach ein Pferdegespann mehr angehängt, vielleicht die Räder gewechselt, andere Federn eingespannt und einen anderen Aufbau aufgesetzt, um die optimale Performance zu erzielen. Diese Multifunktionalität und hohe Flexibilität geht unseren modernen Artefakten leider ein wenig abhanden (weil man neu kaufen und nicht flexibel variieren soll). Alte PC´s oder der Unimog wurden bewußt so konstruiert, dass mann sie beliebig mit notwendigen Modulen erweitern konnte (Steckplatzsystem etc.). Wenn sie heute ein Laptop kaufen, können sie das Gerät nachträglich kaum noch mit Hardware konfigurieren. Sie kaufen entweder „Alles“ oder „Nichts“, meist eine unlösbare Monokunstruktion, Punkt! Und man wartet als Verbraucher nur förmlich auf Gesetze, die nicht reparierbare, nicht demontierbare, nicht erweiterbare Einwegprodukte mit eingebauten Sollbruchstellen endlich verbieten, da sie weder funktional, günstig noch umweltfreundlich sind. Intelligente Gesellschaften (die Produktlösungen auf Basis eines minimalen Rohstoffverbrauches bei minimalem Arbeitaufwand entwickeln) vermeiden Arbeit, die etwas schafft, was hinterher noch mehr Arbeit macht (für Kinder: man soll nicht den Ast sägen, auf dem man selber sitzt)! Wenn etwa die Baukonjunktur schwächelt (konkret also Arbeistplätze bedroht sind, gleich ob beim Handwerk oder der Industrie), schafft man nolens volens eben neue Gesetze (wie die EnEv), die mit einem Schlag neu Arbeit generiert anstatt sich zu freuen, dass man endlich seine Ruhe hat, um das Leben zu geniessen! Solange die Arbeit allein an den Konsum gekoppelt ist, bleiben wir eine Geisel der Idiotie und der Widersprüchlichkeit par exelence. Frieden schaffen ohne Waffen? Lieber Konstruktion (Beschäftigung) durch Destruktion (Krieg, Zerstörung, Wechsel) heißt die marktwirtschaftlich orientierte Parole (wie man sie jüngst am Beispiel der Ukraine wiederholt demonstriert bekommt). Der Profit, die Gier, die Machtgelüste, der Wettbewerb, der Erfolgs- und Wachstumsimperativ und die Not (oder der Zwang) der Beschäftigung führen weltweit immer wieder zu den gleichen Resultaten: zu Umweltkatastrophen, zu humanitären Katastrophen, zu Krieg, Leid, Elend und Zerstörung. Die Reichen werden reicher und noch mächtiger, die Verlierer sind und waren immer schon die gewöhnlichen Menschen, das Volk, die nicht Privilegierten, die Handlanger der Destruktion und Konstruktion, mit der sie brav, treu und pflichterfüllt ihren stets schrupfenden Lebensunterhalt vedienen. Gesellschaftliche Systeme wie das unsrige haben hier übrigens eine Parallele zum System der Raster: sie erlauben kaum Flexibilität und verlangen ein Hohes Masz an Ordnung und Unterordnung, sprich Hierarchien. Raster haben hiernach in gewisser Weise etwas totalitäres, unverückbares, in Stein gemeißeltes.

Ihnen bleibt im Grunde nur der Weg in die Vielfalt durch Varianz der Rastermasze, womit sie sich jedoch kaum noch von den individuellen Lösungen unterscheiden. Die Basis aller möglichen Raster sollte dabei im Idealfall ein Vielfaches von 3cm oder 5cm sein. Mit dem 5´er Raster können alle geraden oder halben Meter-Masze (5, 10, 15, 20, 25, 50, 100cm ff.), mit dem 3´er Raster die 12, 24, 36, 48, 62, 96 und 124cm Masze abgedeckt werden. In Kombination können damit nahezu alle Raummasze innerhalb des Kombirasters abgedeckt werden.

Ästhetisch betrachtet bleibt die Frage, wie eine gleichmäßig gerasterte (geteilte) Fläche sich von ungleichmäßig (variabel) geteilten bzw. proportionierten Flächen unterscheidet. Die Baumeister der Renaissance entwickelten hierfür (also gegen die langweilige Arithemtik der einfachen Teilung) etwa das System von alternierenden Stützabständen: statt eine Fassade in gleich breite Flächen a : a oder a : a : a zu teilen, wurde eine abweichende Breite b hinzugefügt, so dass man nun in a : b : a : b : a oder b : a : b : a : b teilen konnte. Hierbei war b beispielsweise dann das Achsmasz einer Doppelstütze mit kleinem Zwischenraum.

Das Verhältnis von a : b konnte nun wieder der Goldene Schnitt sein, das Verhältnis 1: Quadratwurzel von 2 oder andere Teilungen wie 1:2, 1:3, 1:4, 1:5 oder 1:x. Alternierende Systeme haben durch die Zwischenteilungen den Vorteil, daß sie in den Grundrissen bei den Raumbreiten eine höhere Flexibilität aufweisen und als Fassade nicht ganz so plump wie ein Militärmarsch im 4/4 -Takt daher kommen. Sie werden i.d.R. vom Auge als wesentlich abwechslungsreicher, sprich „spannender“ wahrgenommen und trotzdem noch einer gewissen Gleichmäßigkeit ( die ruhende und ausgewogene Komponente der Balance) zugeordnet. Die sichtbare „Fuge“ (also eine realtiv schmale Breite b) gehört übrigens zum System alternierender Teilungen dazu, auch wenn sie nicht ganz so kräftig wirkt wie ein Doppel- oder Dreifachstützenmotiv mit Zwischenraum. Je nach Kontext wirken bereits 10mm bis 50mm Breite Fugen (flächig oder auch mit Positiv- oder Negativausbildung) als Bauteiltrennung und werden optisch als trennende Fläche wahrgenommen. Der Effekt wird zusätzlich durch den Farb- und Helligkeitskontrast der Fugen zu den angrenzenden Bauteilen beeinflusst.

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