ästhetik des bildhaften :: Gebäude erzeugen i.d.R. durch ihr Volumen und ihre Gebäudehülle bestimmte „Formen“, die meistens der Geometrie (Rechteck, Quadrat, Kreis, Dreieck und deren Variationen) entspringen, welche auch die (mathematische) Grundlage von stofflichen Konstruktionen ist (Platte, Balken, Stütze, Wand, Gewölbe, Dachstuhl usw.). Mit der Anwendung konstruktiver, statisch berechenbarer Systeme unterscheidet sich die Baukunst (von alters her die Kunst der Zimmermannsleute bzw. der Schiffsbauer) damit wesentlich von der Kunst der Bildhauer und ihrer meist aus einem Rohling gehauenen oder in eine freie Form gegossenen Skulpturen. Es gibt nur wenige Beispiele, bei denen Räume oder Körper nicht durch Konstruktionen (additive Fügung von geometrischen Elementen) sondern durch subtraktive Verfahren hergestellt worden sind (Beispiel Kanu aus einem Holzstamm, massive Gewölbedecke vom Grabmahl des Theoderich, Höhlenbauwerke…). Erst mit der Erfindung des Betons (Stahlbeton) war es möglich, auch plastische Bauteile in freie und komplexere Formen zu „gießen“, deren bekannteste Meisterin z. Z. die Architektin Zaha Hadid ist, vor ihrer zeit etwa Le Corbusier oder Pier Luigi Nervi . Und auch andere Techniken in der Metall- oder Holzbearbeitung ermöglichen es uns bereits seit einigen Jahrhunderten, Eisen und Stahl in freie Formen zu giessen oder zu pressen (z.B. ornamentierte Gusseisenstützen, gewölbte Bleche, CNC-gefräste Profile) oder auch Hölzer in gebogenen Formen als Träger oder Platten herzustellen. Wir können komplex gewölbte Glasscheiben (Elbphilharmonie Hamburg) oder auch frei geformte Kunststoffbauteile (Olympiastadion München von Frei Otto) verwenden. Wie auch immer: die Gebäudeform resultiert letztendlich aus der meist klimatisch wirksamen Hüllfläche eines bestimmten Raumvolumens und muß mit der Erfindung der Curtain-Wall (gläserne Vorhangfassade vom Bauhaus von Walter Gropius) nicht mehr zwingend eine statische, konstruktive Funktionen (massive, tragende Außenwand etc.) übernehmen. Und auch die technische Realisierbarkeit großformatiger Glasscheiben wie auch anderer transluzenter wie semitransparenter Bauteile (z.B. Lichtbeton) hat das klassische Bild der jahrtausende alten, überwiegend massiven, opaken Lochfassade längst abgelöst. Wie man mit der klassischen „Massivbauweise“ ästhetisch bauen kann, können wir eindrucksvoll an den historischen Bauwerken bis hin zu den Alten Römern, Griechen oder auch der Ägypter vortrefflich studieren. Wie man jedoch zeitgemüße, ästhetisch ansprechende „Formen“ baut, ist immer noch Experimentierfeld und obligt in der gesellschaftlichen Akzeptanz einer gewissen Skepsis und Abneigung, da die festen wie sicheren Bilder der Vergangenheit (Stilarchitektur vergangener Epochen) immer noch allgegenwärtig ist und manchen Blick in die Gegenwart und Zukunft verhindert. Das Wagnis zur freien Form ist jedoch bis heute fester Bestandteil einer kulturellen Erneuerung und Entwicklung, um stets zeitgemäße Funktionen, Bedürfnisse und technische Möglichkeiten durch moderne Gebäude und Städte umzusetzen. Le Corbusier hatte diese freien Formen als Betonpionier gesucht (Wallfahrtskirche Ronchamp), Frei Otto hat sie mit dem Dach des Olympastadions realisiert, Frank Lloyd Wright hat sie mit dem Guggenheim-Museum in New York wie auch der Johnson Wax Company in Racine umgesetzt, Coop Himmelblau mit dem dekonstruktivistischen Dachaufbau in der Falkestraße in Wien, Zaha Hadid mit der Feuerwehrwache in Weil am Rhein oder dem Phaeno in Wolfsburg, Günther Behnisch mit dem Bundestag in Bonn oder auch der Nord/LB in Hannover, Daniel Libeskind mit dem Jüdischen Museum in Berlin wie auch Frank O. Gehry mit seinen plastisch deformierten Metallschalenbauten in Düsseldorf oder Bilbao (Guggenheim-Museum). All diese Bauten erzeugen Formen (und damit auch Bilder) jenseits der klassischen Geomtrie und öffnen uns den Weg in eine nichtlineare, nicht ebenmäßige, nicht symmetrische, weitaus komplexere wie auch dynamischere Formen- und Raumwelt, wie sie schon längst in der Atomphysik (Stringtheorie) wie auch Astronomie (gekrümmter Raum etc.) mit allen Paradoxen üblich ist. Vergleichen wir Gebäude in ihrer ästhetischen Wirkung mit den Skulpturen eines Michelangelos, eines Auguste Rodin, eines Alberto Giacomettis, eines Henry Moor, eines Hans Arp oder einer Niki de Saint Phalle, finden wir bei allen Künstlern bzw. Kunstwerken nichts von all jener geometrischen Strenge, die über Jahrtausende hinweg das kulturelle Bauen so stark beeinflußt hat. Immer wieder kommt der mahnende Fingerzeig, dass Gebäude keine Kunstwerke und auch keine Skulpturen seien, dass künstlerische Aspekte den funktionalen, wirtschaftlichen oder technischen Aspekten unterzuordnen sei usw. Und doch berauschen wir uns immer wieder an den Bauwerken vergangenen Stilepochen, deren Baumeister sich selbstverständlich und vornehmlich mit dem rechten Schmuck und Ornament („firmitas, utiltas, venustas“, s. Vitruv „De architectura libri decem“), den schönen Effekten und dem Kunstvermögen (Künstler wie Handwerk) ihrer jeweiligen Zeit beschäftigt haben. Heute muß sich der Architekt nolens volens mit überwiegend industriell gefertigten Massen-Produkten begnügen (auch wenn das Spektrum an Stoffen, Materialien und Konstruktionen verglichen mit den vorangegangen Epochen extrem groß ist), weil handwerkliche Kunst -und damit das „Original“- wie künstlerische Arbeit (wie in allen vorangegangenen Stilepochen selbstverständlicher Usus) kaum noch von den Bauherren bezahlt werden will, bestimmte Kunstfertigkeiten sogar schon wegen mangelnder Nachfrage ausgestorben sind. Und wenn wir zurecht die modernen Architekturen und Städte „ästhetisch“ beklagen, liegt es allein an dem Unvermögen wie Unterlassen der öffentlichen wie privaten Bauherren -aus welchen Gründen auch immer- , das „Schöne“ im Werk beim Architekten oder Städtebauer „beauftragt“ zu haben. Das Bild- oder auch „Zeichenhafte“ an Architekturen wie auch Städten ist eng verbunden mit unserer Sprache, die ebenfalls zur neuronalen Codierung von Bedeutungen und Zusammenhängen mit Zeichen und Symbolen arbeitet. Wie auch bei Schriftzeichen werden Formen zur schnelleren Identifizierung in Gnome zerlegt und mit den erlernten Bedeutungen und Inhalten (Semantik) verknüpft. So etwa können abstrahierte, 2-dimensionale Zeichen (auch Schriftzeichen) sogar in fragmentierter Darstellung als ganze Wörter bzw. als 3-dimensionale Gegenstände (Objektwahrnehmung) identifiziert werden, obwohl der zu identifizierende, räumliche Gegenstand nicht präsent ist oder weitere Raum- und Objektinformationen (Objekttiefe, Lichtreflexion, Akustik, Position im Raum, Objekt-Funktion etc.) einfach fehlen bzw. noch nicht wahrgenommen werden können. Die fehlenden Informationen werden hierbei von unserem Gehirn dazu asoziiert. In der Regel sehen wir von einem bestimmten Standpunkt aus immer nur eine 2-dimensionale Fläche (Bild) und noch lange keinen Körper im Raum oder gar Gegenstand mit den Dimensionen x, y und z, den wir erst nach einem perspektivischen Umgang (vorne, hinten, seitlich, oben, unten) oder durch das Interpretieren eines Lichtreflexes oder Schattenrisses erkennen. Hierbei helfen die von unserem Gehirn formal und figürlich angelegten bzw. abgespeicherten „Gnome“ (u.a. temporaler visueller Asoziationskortex), den Gegenstand bzw. die 2-dimensionale Abstraktion imaginär bzw. cognitiv zu vervollständigen und den Gegenstand oder das Objekt durch Filtern, Schablonierung bzw. Abgleichen mit den vorhandenen, überwiegend „erlernten“ Gnomen im Wahrnehmungsprozess zu indentifizieren und zu verifizieren. Ähnlich verfahren wir auch bei großen Objekten (also Gebäuden) bis hin zu ganzen Stadtteilen. Es liegt nahe, dass Sprache (Zeichen, Wörter, Symbole etc.) wie auch Objekte im Raum vom Menschen durch neuronale Abstraktionen (Gnome) „erlernt“ werden müssen, damit wir (also unser Gehirn) ihnen durch weitere neuronale Verknüpfungsarbeit schließlich eine Bedeutung, einen Wert (bewußt wie unbewußt) wie auch eine körperliche, emotionale Reaktione (Ausschüttung von Dopamin-Rezeptoren der Zellen im „Nucleus accumbens“, unserem neuronalen Belohnungssystem) zuordnen können. Hier übrigens ein starker Hinweis von den Neurologen, dass ästhetische Effekte (also leztendlich die Aktivierung unseres Belohnungssystemes) demnach nicht apriori in der Welt sind sondern von uns Menschen durch Anlegen von neuronalen Strukturen und Mustern erst erlernt werden müssen! Damit ist schließlich die „Lernkultur“ ausschlaggebend bzw. maßgeblich daran beteiligt, ob und was wir Menschen in unserer sinnlichen Wahrnehmung ästhetisch empfinden. Hierbei kann zumindest im neurologischen Ergebnis die Feingliederung von Oberflächen und Formen (z.B. Renaissance) genauso erfolgreich bzw. ästhetisierend sein wie die abstrahierende Grobliederung (z.B. Kubismus, Impressionismus etc.). Es gibt hier also aus neurologischer Sicht keinen wirklichen Dualismus zwischen geometrisch exakt definierten Formen (Kreis, Quadrat, Dreieck etc.) und den sogenannten freien Formen, die jedoch im direkten Vergleich wesentlich komplexer, damit in der visuellen bzw. neuronalen Gnomzerlegung etwas aufwendiger zu identifizieren sind. Aber Belohnsysteme können auch dann aktiv werden, wenn einfach nur „Chaos“ identifiziert bzw. wahrgenommen wird, ohne dass die komplexe Struktur des Chaos tatsächlich im Einzelnen durch Gnomzerlegung bzw. visuelle Asoziationsarbeit analysiert und rekonstruiert wird. Oft ist es bei Menschen auch so, dass gerade im Geheimnis -also im noch nicht Verstehen von irgendetwas- ein starker Reiz (also die eigentliche Motivation) liegt, die schließlich beim Lösen oder Verstehen des Geheimnisses (durch Denkarbeit) von unserem Belohnsystem mit Lust und Freude honoriert wird (Zauberer- und Magiereffekt, Verstehenwollen, hohe Bereitschaft zum Risiko etc.). Andere Menschen (Sicherheitsverlangen, Harmoniemenschen) ziehen hingegen bekannte Strukturen vor, während alles „Unbekannte“ eher negative Gefühle verursacht und vermieden wird. Hier haben sich in der menschlichen Kultur zwei nahezu diametrale Überlebensstrategien etabliert, die zusammengefasst vielleicht genau die richtige Mischung ausmachen, um auf der Erde erfolgreich zu sein. Das bewahren von alten Regeln, Mustern etc. und das riskante Suchen nach neuen Formen (durch die Avantgarde) verlangt natürlich von den Menschen ganz unterschiedlich ausgeprägte Belohnungssysteme, deren Kultivierung (Pädagogik) ja bereits fester Bestandteil unserer pluralistischen Kultur ist. Auf der Suche nach der „rechten Form“ können wir retrospektiv bestenfalls feststellen, dass sie allein das streitbare Ergebnis von schwierigen Abwegungsprozessen ist, die mal dem Technischen, mal dem Funktionalen, mal dem Wirtschaftlichen oder dem ästhetischen den Vorzug geben. Eine idealistische Gleichbehandlung von allen drei Faktoren, also „utilitas, firmitas und venustas“, wie es den alten Baumeistern (s. Vitruv) vielleicht noch bis in die Renaissance hinein vorschwebte, scheint hingegen schwierig und m.E. nahezu unlösbar zu sein. Tatsächlich haben wir mit dem Ende des Klassizismus bis heute eine Vielzahl von extremen Formen (Architekturen wie Objekte und Designs) herausgearbeitet, die entsprechend ihrer Zeit entweder nur technisch, nur funktional oder nur ästhetisch sind bzw. waren. Extreme Kompositionen -also ein Idealfall im puristischen Dreiklang- finden sich hingegen nur sehr selten, die schönste und bedeutenste wohl in der italienischen Renaissance vor etwa 500 Jahren (Florenz, Venedig, Rom), aber auch in jüngeren Zeiten der sukzessive Aufbau einer Wolkenkratzerstadt (Manhatten, New York, ab 1900 bis 1940 ff., z.B. das Rockefeller Center), deren Ãästhetische Anmutung (Art-Deco/ Jugenstil + innovative Stahlskelettbauweise + innovative Haustechnik + Natursteinfassaden) wie auch hohe funktionale Komplexität noch bis heute Vorbild für viele moderne Metroplen ist. Das Rockefeller-Center bildet hierbei übrigens eine besonderer Ausnahme, da hier sechs zusammenhängende Blöcke über die Zoning-Laws (…daraus resultierende Setbacks) mit öffentlicher Platzanlage (Channel, Eislaufbahn) als architektonisches wie städtebauliches „Ensemble“ mit einer hohen Anzahl an unterschiedlichsten Nutzern und Investoren (Konzernbüros RCA/GE etc., Theater „Radio City Music Hall“, Verlagsgebäude, Ländervertretungen, div. Cafe´s und Restaurantes) projektiert wurde. Tatsächlich haben die Architekten und Künstler es hier geschafft, mit den großen Bauvolumina, den charakteristischen, raumgliedernden und formgebenden Setbacks und den verwendeten, hochqualitativen Materialien (Limestone [weißer Kalkstein], Messing) eine repränsentatives Bild zu schaffen, das über viele Jahrzehnte hinweg symbolisch für den amerikanischen Fortschritt und Wohlstand steht/stand. Nur sehr selten gelingt es Architekten und Städtebauern, mit einem Gebäude oder auch Gebäudekomplex ein so starkes Bild zu schaffen, dass es eine ganze Stadt angemessen und „erhaben“ repräsentiert (Eiffelturm Paris, Brandenburger Tor Berlin, Tower-Bridge London, Markusplatz Venedig, Crysler Building N.Y., Pyramiden Ägypten, ehem. WTC N.Y.). Bis auf das Brandenburger Tor wurden hier von den Architekten extrem signifikante, geometrisch sehr einfache Formen gefunden, die zusammen mit der Konstruktion und dem verwendeten Material einen originellen Grundtypus bilden. Das Brandenburger Tor ist dabei weniger wegen seiner architektonischen Komposition als vielmehr durch seine schicksalhafte politische Bedeutung zu einem wichtigen Symbol geworden. Hierbei gilt: je komplexer und vielfältiger die Formen werden, desto geringer ist die bildhafte Reproduzierbarkeit durch das Gehirn. Formen und Gestalten mit eindeutiger Gnom-Zerlegung -also mit einer klaren und einfachen Bildstruktur bzw. Motiv- lassen sich hierbei wesentlich schneller und zielsicherer vom Gehirn reproduzieren bzw. ins Bewußtsein bringen (gilt auch für das Objektdesign, Musikkompositionen, literarische Werke etc.) und werden daher vom visuellen Belohnsystem i.d.R. immer und schnell zu 100% honoriert. Das bedeutet aber nicht, daww alle einfachen, weniger komplexen Formen darum auch stets die ästhetisch anspruchvollsten oder ergiebigsten sind! Der Barcelona-Pavillion von Mies van der Rohe besteht in seinen Einzelteilen im Prinzip aus sehr trivialen, einfachen, symmetrischen Baukörperteilen (orthogonale Wand- und Deckenscheiben, Stützen), während die asymmetrische Komposition und Fügung dieser Einzelteile sowie deren Materialität jedoch sehr raffiniert, also wesentlich komplexer ausgeführt ist. Und auch die symmetrische Form des Eiffelturm ist aus der Ferne betrachtet relativ einfach zu rekonstruieren, während die Stahlkonstruktion selbst im Nahbereich nur sehr schwer bis garnicht in einfache Gnome zerlegt werden kann, dass sich aus ihnen die Gesamtform des Turmes ableiten ließe. Freilich hängt die Bildhaftigkeit einer architektonischen Form auch von der Häufigkeit ab, mit der wir mit den einzelnen Bildern oder Motiven in unserer kognitiven Lernphase konfrontiert werden. Hätte man medial im Zusammenhang mit Berlin statt des Brandenburger Tores etwa die zerstörte Frauenkirche gezeigt, dann wäre das erlernte Symbol für Berlin mit hoher Wahrscheinlichkeit die Frauenkirche geworden. „Branding“, eine Methode, die seit vielen Jahrzehnten in der Werbebranche effektiv eingesetzt wird, funktioniert medial natürlich auch bei Architekturen! Je häufiger wir ein Bild, einen Spruch, eine Melodie oder ein Signé wahrnehmen, desto stärker wird es in unserem Gedächnis abgespeichert, bewußt wie unbewußt! Insofern orientieren wir uns in Sachen Architektur nicht nur an den Gebäuden, die wir tatsächlich sehen oder gesehen haben, sondern auch an den Gebäuden, die man uns in Zeitungen, Zeitschriften, Büchern, Werbeprospekten oder dem Fernsehen medial präsentiert. Diese Form der medialen „Geschmacksbildung“ bzw. „Geschmacksmanipulation“ -ich nenne es einmal kurz „medial branding“, mag fraglich sein, ist jedoch aus einer modernen Medienwelt kaum mehr wegdenkbar. Apple beispielsweise hätte mit seinem I-Phone nicht diesen Riesenerfolg, wenn es sein originelles und smartes Design nicht so radikal medial vermarktet hätte. Seltsamer Weise suchen wir Menschen anscheinend immer „kollektiv“ nach aktuellen Bildern und Symbolen, um damit unseren gesellschaftlichen wie kulturellen Status oder auch einfach nur unsere gesellschaftliche Zugehörigkeit zu definieren und zu dokumentieren (Phänomen der Massen, soziale Identifikation). Je stärker ein sozialer (Konsum-) Druck ausgeübt wird (die Medien wirken hier als Verstärker und Beschleuniger von Bildern), desto schwieriger wird es für die Menschen, sich dem Allgemeinverhalten (Zeitgeist, Mode) zu entziehen. Wenn aber die Bilder und die bildererzeugenden Moden immer schneller und in kürzeren Zyklen erzeugt, generiert und konsumiert werden, muß man aufpassen, dass die hohen Investitionen (wie sie nun einmal beim Herstellen von Gebäuden anfallen) in ein bestimmtes Gebäude-Design wie auch in einen Stadtgrundriss auch noch in wirtschaftlich wie ökologisch sinnvollen Zyklen von 20 oder 50 Jahren aktuell und gesellschaftlich akzeptabel sind. Diesen Spagat zwischen schnellen Moden in der Ding- und Konsumwelt müssen Gebäude in ihrer Grundsubstanz auch „formal“ leisten können, wenn wir sie nicht inflationär und damit unwirtschaftlich den üblichen Modezyklen überlassen wollen. Freilich gibt es Orte in dieser Welt, etwa La Vegas, an denen Gebäude und sonstige Strukturen bereits nach 5 bis 10 Jahren abgefeiert sind, so, wie es auch Innenraumeinrichtungen von Büro- oder Geschäftsräumen gibt, deren kalkulierte Lebenszyklen weniger als 12 Monate beträgt. Hier darf man nicht viel gestalterische noch materielle oder handwerkliche „Qualität“ erwarten. Trotzdem müssen solide, kostenintensive, auf längere Zyklen eingestellte Gebäude- wie Stadtstrukturen diese partiellen Moden kompensieren können, um nicht selbst unter der starken Inflation von Werten zu leiden. Viele Innenstädte leiden bereits unter diesen sogenannten Eintagsfliegen der „Geiz-Ist-Geil-Billigshops“, die nicht nur das urbane Design empfindlich stören sondern auch noch die falsche Klientel anlockt. Eine modernere Form der inflationsmindernden Kontrolle über Qualität und Design von Geschäftshäusern ist u.a. das Konzept der großflächig angelegten Shopping-Center, Outlett-Center wie auch Gesundheitszentren oder Dienstleistungs- und Gewerbeparks, um sie den mürbenden Kräften des Marktes zu entziehen. Aber auch solche Gebäudekomplexe wollen nach aussen hin weit sichtbar „werben“ und nehmen dabei nicht immer Rücksicht auf vorhandene Strukturen des urbanen Kontextes. Das grell leuchtende XXL-Werbeformat entlang der Autobahnen schleicht sich zunehmend auch in unsere Städte, so, wie am N.Y.´er Times Square oder in etwas kleinerem Maßstab am Londoner Picadilly Circus, jüngst auch mitten in der eher beschaulichen Braunschweiger Innenstadt durch eine der in Europa größten LED-Displaywand eines einflußreichen Textilunternehmers. Aber auch die moderne Licht-Kunst instrumentiert ganze Gebäude bzw. deren mehrgeschossigen Fassaden zu neuen, überdimensioanlen Licht-Bildern (Licht-Effekten) der Größe XXL. Auch hier entstehen neue Formen der visuellen, auch äshetischen Wahrnehmung und sorgen nicht selten für ganz neue, ungewohnet Stadtansichten!