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die verpennte moderne

Freitag, April 12th, 2013

mit steinen bauten einst die römer:: wenn man sich die Bau- und Architekturgeschichte der letzten 2000 Jahre vergewissert, fällt auf, wie wenig sich das moderne Bauen in den letzten 100 Jahren technologisch weiterentwickelt hat. Immer noch spielt der Massivbau, also das Jahrtausende alte Bauen mit Steinen und Beton bzw. Stahlbeton wie auch Holz, eine sehr große Rolle im Baugeschäft. Leichte Aluminiumkonstruktionen, filigrane Raumtragwerke, Membranen, pneumatische Architekturen, Carbonfaserschalen, Curtain Walls etc. hat man bereits vor mehr als 50 Jahren entwickelt und realisiert. Wie wenig ist heute im Baugeschäft davon übriggeblieben? Es scheint, als ob die Postmoderne der frühen 1970´er Jahre alle innovativen Kräften der damaligen Moderne komplett zum Erliegen gebracht hat.

Spitzentechnologie haben wir spätestens seit den 1980´er Jahren in der Mikroelektronik (IT), dem Maschinenbau (Space Shuttel) und der Biologie (Genetik, Mikrobiologie). Aus den schweren Ziegelsteinen wurden etwas leichtere, großformatige Poroton und Gasbetonsteine mit minimalem Fugenanteil. Aus den massiven Vollholztägern wurden schlanke, gebogene, aber immer noch massive Brettschichtholzträger. Aus den soliden Brettern wurden OSB-, Span-, Multiplex-, MDF-, HPL-, Waben- und Tischlerplatten in allen nur möglichen Beschichtungen. Aus den Stahlträgern wurden mit Seilen und Streben unterspannte Raumtragwerke. Aus Ortbetonkonstruktionen wurden immer noch massive Stahlbetonkonstruktionen, die als Fertigteilelemente verbaut werden. Hier und da werden zugfeste Carbonfasern in den Beton eingelassen oder Stahleinlagen vorgespannt, um die Zugfestigkeit des Materials zu verbessern. Chemische Zubstanzen helfen, dass der Beton fließfähig, selbstverdichtend, schnell abbindend, hochfest, korrosionsbeständig und auch wasserdicht wird. Aus gewellten und trapezförmigen Blechen wurden immer dünnere Sandwichelemente mit integrierten Dämmkernen. Aus einfachen Fenstergläsern wurden absolut ebene, 2- bis 3-scheibige, großformatige, rahmenlose Isolierglasscheiben mit Vakuum- oder Gasfüllung und diversen Dampf- oder Folienbeschichtungen, um die Energie- und Lichtdurchlässigkeit zu beeinflussen. Schweres Gussglas wird mit transparenter Dämmung fassadentauglich und farbige Polycarbonat-Stegplatten werden in großen Formaten als Dach- und Fassadenemente eingesetzt. Statt schwerer Bitumenanstriche und verschweißter Bitumenbahnen gibt es heute Folien und Flüssigabdichter zur Bauwerksabdichtung. Metalle werden pulverlackiert. Hölzer werden kesseldruckimprägniert und hochgeflammt, um feuchtigkeits- und bioresistent zu sein. Statt warm- und heißleuchtender Wolframfäden haben wir hocheffiziente LED´s und OLED´s. Statt manueller Kippschalter steuern wir die Hauselektrik heute via Smartphone, PC, Touchpad und Funk. Kurbelstangen und Zugbänder für die Markiese und Verschattungsanlagen werden durch Elektromotoren ersetzt. Amaturen und Raumbeleuchtungen werden über optische Sensoren aktiviert. Böden werden vollflächig mit Epoxidharz „finish“ vergossen.

Und doch: fast alle Neubauwohnungen auf der grünen Wiese sind konventionelle Massivbauten mit zementösen Mauerwerk und WDVS oder gedämmte Klinkerfassaden, die Dächer mit altbackener Ziegeleindeckung anno 1850, vielleicht auch mal ein Betonziegel, hier und da als innovatives Highlight auch mal eine Solaranlage auf dem Dach und die Garagentore allesamt automatisch. Was nur haben wir Architekten, Bauingenieure und die Baustoffindustrie in den letzten 50 Jahren falsch gemacht, daß wir immer noch mit Steinen, Mörtel, Putz, Fliesen und Beton bauen und unsere Autos immer noch Benzin verbrennen und größtenteils aus Metall sind? In der Formel 1 gibt es bereits seit Jahrzehnten kaum noch Metallteile! Carbonfasern werden bereits seit 1955 industriell in England hergestellt. Lotus fertigte bereits 1957 das erste Glasfaser-Monocoque für einen Rennwagen, McLaren den ersten CFK-Rennwagen 1981! Und wenn man sich die filigranen Luftfahrtschiffe des Grafen von Zeppelin anno 1898 (also vor mehr als 115 Jahren!) anschaut, kommen einem die Tränen, wenn man heutige Großbauprojekte in Glasscheiben aufgelöster Monumentalbauweise sieht. Frei Otto und Rolf Gutbrod bauten damals den deutschen Pavillon auf der Expo 1967 in Montreal als filigrane Zeltkonstruktion mit einem 8.000m² überdeckenden Kunststoffnetz mit bis zu 38 Meter hohen Pylonen, dem Vorläufer des heute so bekannten Olympiastadions von 1972 (auch schon wieder 41 Jahre her). Wie in vorangegeangenen Beiträgen schon mehrmals erwähnt, bauen deutsche Architekten und Ingenieure heute immer noch mit Bauteilkonstruktionen von weit über 500kg/m² bis 1.000kg/m², so, als ob sie noch nie etwas von Ressourcenoptimierung und leichten Tragwerken gehört hätten, anstatt sich an neue Konstruktionen und Materialien zu wagen, die weit unter 50kg/m² wiegen und darüber hinaus wesentlich flexibler und schneller zu errichten sind.  Was etwa ist aus dem Papier-Wabenhaus des Erfinders Gerd Niemöller anno 2009  geworden? Eine Wabenplatte kann mit bis zu 50 Tonnen Gewicht je Quadratmeter belastet werden! Wieso gibt es heute überhaupt noch Bauteile mit mehr als 100mm Bauteildicke und mehr als 50kg/m² Eigengewicht? Eine hochdämmende 3-Fachverglasung mit 4mm Glas etwa wiegt gerade einmal 30kg/m². Hohlkammerplatten aus Polycarbonat beispielsweise sind durch ihre geringe Wichte von nur 1.200kg/m³ gegenüber Glas mit 2.500kg/m³ nochmals wesentlich leichter: eine 50mm Platte ohne Nanogelfüllung hat einen U-Wert von zirka 1.0W/m²K und wiegt nur 4,8kg/m², mit Nanogel gefüllt etwa 8,3 kg/m² und einem U-Wert von 0,48W/m²K. Eine 3-wandige 25mm Platte mit Nanogel hat einen U-Wert vom 0,9 und ein Gewicht von 5,1kg/m². Damit sind die Polycarbonatplatten bei vergleichbarem Wärmschutz 6 mal leichter als vergleichbare Glaskonstruktionen! Leichtbau-Wabenverbundplatten von 50mm stärke haben z.B. ein Gewicht von 13 kg/m² bei einer Dichte von nur 250kg/m³ und 15 Tonnen Druckfestigkeit je m² sowie 27 dB Schalldämmmaß.

Das 1/2 Millionen Euro teure, 4-geschossige, vollverglaste, zu 99% recycelbare und in nur 11 Wochen realisierte, emissionsfreie Nullenergiehaus R128 von Werner Sobek anno 2003 etwa wiegt als filigrane, vollverschraubte Stahl-Glas-Aluminium-Holzkonstruktion aus Fertigteilen insg. nur 40 Tonnen bei 250m² Wohnfläche und hat damit einen Netto-Materialverbrauch von nur 160kg/m² Wohnfläche bei relativ bescheidenen 2.000,- Euro Herstellungskosten je m² Wohnfläche. Die Decken sind in Dickholzzbauweise ausgeführt. Lediglich die Sohle ist als hochgedämmte StB-Decke ausgeführt. Die 33mm dicke 3-Fachverglasung mit Edelgasfüllung besitzt einen U-Wert von 0,4W/m²K. Die mit Wasserleitungen ausgestatteten Deckenelemente kühlen im Sommer und führen einstrahlende Sonnenwärme über einen Wärmetauscher in das Heizsystem. Hier ein nun auch schon wieder 11 Jahre altes Paradebeispiel, wie moderne, innovative Architektur aussehen kann, wenn Ingenieure und Architekten sich Gedanken über effiziente Tragwerke, Bauteile und Versorgungssysteme machen.

Nicht, daß wir an dieser Stelle mit Carbon oder Polycarbonat ökologisch bedenkliche Produkte empfehlen (die Ökobilanzierung, Recycelbarkeit, Brandeigenschaften, Toxizität, Langlebigkeit etc. muß hier selbstverständlich gegenüber konventionellen Baustoffen standhalten). Es geht uns darum, daß viel zu wenig moderne, also alternative Baustoffe und Baustofflösungen erprobt werden und nach geprüfter Eignung dann auch schnell von der Bauindustrie und allen Baubeteiligten, also auch den Planern und Architekten als verbindlicher neuer „Standard“ umgesetzt werden. So etwa können wir auch auf gesetzgeberischer Seite nicht verstehen, warum hier -anders als bei der dann doch eher zahnlosen EnEV (Energieeinsparverordnung)- der Baustoffindustrie sowie den Bauenden keine Grenzwerte gesetzt werden, die die Entwicklung von leichten und umweltgerechten Baustoffen fördert. Was nützt alle ökologische Plänkerei, wenn wir nach wie vor je m² Nutzfläche 1 bis 2 Tonnen Baumaterialien verschwenden, wenn wir es auch mit 20, 50 oder 100kg oder 150kg/m² hinbekommen? Allein hier liegen gewaltige ökologische Einsparpotentiale, die mindestens so umweltrelevant sind wie der Wärmeschutz, eine effiziente Kühl- und Wärmeerzeugung sowie der geringer Energieverbrauch von Maschinen, Motoren und Geräten.

Wer also hat hier in globalen Zeiten seit nunmehr 25 Jahren Angst vor wirklich effizienten, intelligenten, die Umwelt massiv entlastenden Lösungen? Wenn es die Architekten selbser sind: wo bleiben die Kammern (die ja dem Justizministerium unterstellt ist) und der visionäre Sachverstand der Ingenieure? Wenn es die Bauherren sind: wo bleibt der Gesetzgeber, das Baugesetz und die mediale Aufklärung? Wenn es die Baustoffindustrie ist: wo bleibt der Gesetzgeber, der Produkte und Bauteile über Mindestanforderungen reglementiert? Welche Rolle spielt hier das DIBt (Deutsche Institut für Bautechnik) und die entsprechende EU-Gesetzgebung? Alles wie gehabt durch Lobbyismus und Korruption verdrängt, verschoben und aufgehoben? Was hat der Staat, der Gesetzgeber davon? Garantierte Arbeitsplätze in der Forschung und Industrie wie bei den Braunkohle- und Atomkraftwerken?

Wir können heute alles Stoffliche messen und objektiv beuteilen, ohne uns in irgendwelchen Meinungen oder Ansichten zu verlieren. Wieviele Gutachten und Expertisen braucht es wirklich (in der BRD, in der EU), bis der Umweltschutz und der technologische Fortschritt auch im Bauwesen angekommen ist? Welche Rolle spielt hierbei das zu 40% über Bund und Länder (also uns Steuerzahlern!) finanzierte Frauenhofer Institut, daß mit 20.000 Mitarbeitern ein jährliches Forschungsvolumen von 1,8 Mrd. Euro bearbeitet? Wie kann überhaupt ein Institut solchen Ranges -dessen Sinn und Zweck hier keinesfalls strittig ist- sowohl  Aufträge aus der freien Wirtschaft wie auch staatliche Aufträge konfliktfrei und objektiv generieren, zumal hier der Staat mit 40% Anteil keine Mehrheit besitzt? Hier fängt der Filz und die Korruption an, wo nicht eindeutig zwischen unterschiedlichen Interessen getrennt wird. Warum gibts es bis heute noch keine offiziellen, rechtverbindlichen wie vollständigen Materialkennzahlen bzw. eine Kennzeichnungspflicht mit allen relevanten Daten inkl. Ökobilanzierung, Input-Output (MIPS) sämtlicher zugelassener Bauprodukte? Jedes einzelne Gebäude müßte in Prinzip einen flächen- bzw. raumbezogenen Ressourcen- und Energiepass -kurz „Gebäudepass“- haben, in dem sämtliche zur Herstellung verwendeten Rohstoffe und Energiene sowie anfallende Emissionen etc. „quadratmeterbezogen“ aufgelistet werden. Wenn sie heute ein 1.200kg bis 2.200kg schweres Auto kaufen, steht nirgends, wieviel Stahl, Metall, Aluminium, Gummi, Kunststoff, Glas, Keramik, Textil, Schaumstoff, Schmierstoff usw. in dem Fahrzeug brutto wie netto verbaut wurden. Und auch nicht, wieviel Energie, CO2 und andere Ressourcen sowie toxische Stoffe zur Herstellung des Autos verbraucht wurden. Auch nicht, wie hoch die Langlebigkeit und  Recyklierungsquote der einzelnen Bauteile und der einzelnen Stoffe ist. Aber nur so können wir Konsumenten letztendlich beurteilen und vergleichen, ob ein Auto (oder auch jeder andere konsumierbare Gegenstand) ökologisch taugt, effizient ist, es den Preis wert ist.

Wenn wir (als Bürger und Konsument) das Umweltministerium, das Bundesbauministerium oder das Ministerium für Verbbraucherschutz führen würden, hätten wir längst eine umfassende wie ausnahmslose Kennzeichnungspflicht „aller“ konsumierbaren Produkte (auch von Lebensmitteln) veranlaßt sowie dazu umfassende Tests und Vergleiche in Sachen „Performance“ und Ökologie als Verbraucherinformation durchgeführt und regelmäßig publiziert. Dazu würden wir auf Basis des vorhandenen wissenschaftlichen, unabhängigen Wissens rigeros Grenzwerte festsetzen, die maximal in 1-2 Jahren (und nicht erst in 5 bis 15 Jahren) von den Herstellern bzw. der Industrie umzusetzen sind. Heute kann in nur 24 Monaten ein komplett neues Auto neu entwickelt und realisiert bzw. fabriziert werden! Was also ist so schwer daran, vergleichweise einfache, wenig komplexe wie wenig komplizierte Produkte, wie sie auch im Bauwesen überwiegend verwendet werden,  in weniger als 12 Monaten zu realisieren? Und auch die Evaluation von relativ simpler Technik kann innerhalb weniger Monate zuverlässig durchgeführt werden.

Demokratie heißt: die Bürger bestimmen den Markt . . . und nicht die Hersteller und Lobbyisten! Und die Bürger bestimmen (durch Wahlen) auch die Politik, die den Markt reguliert.

Wir Deutschen zahlen derzeit zirka 550 Mrd Euro Steuern jährlich, also je Bundesbürger knapp 6.700,- Euro bzw. 13.300,- Euro je Haushalt. Die Krankenkassen haben 2010 Einnahmen wie Ausgaben von rund 175 Mrd. Euro, also je Bundesbürger 2.135,- Euro im Jahr (was so mancher Haushalt nicht einmal als verfügbares monatliches Nettoeinkommen hat). Steuern und KK-Beiträge haben zusammen ein stolzes Volumen von über 725 Mrd. Euro, also über 8.800,- Euro je Bundesbürger bzw. 17.600,- Euro je Haushalt! Ist es in der Wirtschaft nicht selbstverständlich, daß man für jeden Rechnungsbetrag, für jede koch so kleine Leistung eine genaue, nachvollziehbare Leistungsbeschreibung und detaillierte Kostenzusammenstellung erhält, und zwar gratis und unaufgefordert zur Rechnung dazu? Wie kann es sein, daß 40 Millionen Haushalte weder vom Staat noch von den Krankenkassen eine exakte wie regelmäßige, nachvollziehbare Jahresbilanzierung der Ein- und Ausgaben frei Haus bekommen, zumal diese von uns Steuer- und KK-Beitragszahlern geleistete Summe von 725 Mrd. Euro keine freiwillige Abgabe sondern gesetzlich regulierte Zwangsabgaben sind? Traut man uns Bundesbürgern die Wirtschafterei und den Umgang mit dem Taschenrechner etwa nicht mehr zu? All dass ärgert uns maßlos, wenn seit Jahrzehnten von Transparenz, von Verantwortung der Politiker, gar von Verantwortung der freien Wirtschaft oder auch von Vertrauen in Menschen, gar von sozialer Gerechtigkeit oder der sogenannten Mündigkeit der Bürger etc. geredet wird und hierbei gegenüber der Bevölkerung nicht einmal die einfachsten Grundlagen des transparenten, fairen Rechnungswesen angewendet werden. So etwa ist es nach wie vor ein Skandal, wenn öffentliche Ausschreibungen in 3 stelliger Millionenhöhe (wie beim privatisierten Autobahnausbau A7 mit 600 Mio Euro an die Firma Bilfinger) vom Staat an private Unternehmen (ÖPP) mit zeifelhaften Wirtschaflichkeitsprüfungen von an den Unternehmen  involvierten Beraterkonzernen politisch durchgeboxt werden. Allein hier geht es nach Berechnungen um ca. 50 Millionen Euro und 1 – 2 Jahre geringere Bauzeiten, die der Steuerzahler gegenüber einer konventionellen Sanierung wie Bauausführung ohne PPP zu viel zahlen bzw. einsparen könnte. Vollkommen unglaubwürdig wie unseriös in diesem Falle das Nachbessern von Wirtschaftlichkeitsberechnungen pro ÖPP und die plötzlich sinkenden Kosten seitens des privaten Auftragnehmers. Wohlgemerkt: der Staat kennst sich als jahrzehntelanger  Autobahnbauer und Autobahnsanierer bestens mit den tatsächlich anfallenden Kosten aus.

Wie auch immer: (Bau-) Programme müssen jedweder Art immer wieder neu überprüft werden, ob sie überhaupt Sinn machen, wie hoch der wirkliche Raum- oder Flächenbedarf tatsächlich ist oder sein wird und schießlich, welche konstruktiven wie wirtschaftlichen Alternativen es gegenüber konventionellen Bauweisen (hier also die Bauweise der Alten Römer) gibt. Und man kann sich als Staat auch professionel und gut „beraten“ lassen (im Falle der Autobahn hat die BRD jedoch mitnichten genügend eigene Kompetenzen, daß es einer zusätzlichen Beratung aus der freien Wirtschaft nicht erforderte), doch sollte man dann auch 100% „unabhängige“ Berater wie Volksentscheider wählen und nicht solche, die auch die möglichen Auftragnehmer beraten oder sich von diesen stattlich bezahlen lassen. All das stinkt nach Vetternwirtschaft, nach Lobbyismus, nach Bestechung und Korruption und ist auf politischer Seite (Stichwort Politikverdrossenheit) nur schwer bis garnicht wieder geradezubügeln, auch wenn die meisten Schafe dieser Republik nach wie vor sehr, sehr vergeßlich sind…aber eben nicht alle!

Zurück zur Moderne, die vielversprechend vor 100 Jahren begonnen hatte und heute von einigen „modernen“ Bauherren immerhin noch als Retromöhre wiederentdeckt wurde (man traut sich tatsächlich, Flachdächer zu bauen, die Fassaden weiss mit WDVS und raumhoch verglast, legt Wert auf bodengleiche Duschen und ein installiertes Bussystem!) und opponiert damit demonstrativ gegen die unzähligen konservativen Gieblhäuser aus der Fertighausabteilung (Angebot exklusive Bodenplatte mit 2 Bodenfliesen zur Auswahl!), wie gehabt mit Klinkerfassade, Säulenveranda, Erkerchen und lackierten Dachpfannen in Nachtblau oder Ferrari-Rot. Deutschland, wie tief bist du gesunken! Wenn die Holländer in den letzten 20 Jahren mit ihrem innovativen wie experimentierfreudigen Städtebau nicht gewesen wären, würden wir heute wahrscheinlich immer noch triste Platten- und Zeilenbauten oder giebleständige Häuschen anno vorvorgestern mit graubraunen Putzfassaden und Kunststoffrollläden in mausgrau bauen. So schauen wir nach der Ära Mies van der Rohes und Walter Gropius heute wie gestern nach Japan, nach Holland, in die Schweiz, nach GB und nach Skandinavien, um zu lernen, wie moderne Architektur gebaut wird. Die Technik kommt gerne aus Deutschland (zuverlässige Qualitätsprodukte), doch was ist mit der Architektur, den Konstruktionen (dem ureigensten deutschen Ingeniuer-Gen), den Innovationen? Hier haben scheinbar ganze Generationen von Architekten- und Ingenieurkammern, ausbildenden Hochschulen, Baubehörden und Bauministern „gepennt“. Keiner von den Nachfolgenden des Bauhauses war nach Mies und Gropius so visionär und fortschrittlich, Deutschland mit einer Vision, mit einem Bild von und für die Zukunft fit zu machen, die begonnenen kreativen Triebe zu einem herrlichen Garten wachsen zu lassen. Dass Nazideutschland das Bauhaus und die Moderne abgeschafft haben steht außer Frage – kalter Kaffee. Doch seitdem sind fast 7 Jahrzehnte vergangen, in denen die alten kreativen Köpfe der Moderne bis heute wahrscheinlich mindestens 7 Feuerwerke dargeboten hätten, wenn man sie nur gelassen hätte und der braune Kapitalistenfilz mit goldener Adokante und schützendem Jägerzaun sich in den ängstlichen Spießerköpfen der nachkriegsdeutschen Führungskräfte und getreuen Wirtschaftswunder-Wähler nicht so lange gehalten hätte. Hätten wenigstens die Mühen der 60´er Jahre allen Muff und alle Ängstlichkeit der allzu reaktionären Deutschen weggesprengt, ist es heute nicht wirklich unsere eigene Kultur, die „modern“ und fortschrittlich ist sondern vielmehr die Kräfte und Verdienste des globalen Marktes (angefangen bei den Neue-Welt-Importen aus Hollywood, den Jazz, den Rock´n Roll über Honda-Kawasaki-Yamaha-HiFi- und Tamagotchi-Nippon, Bill Gates und IBM´s IT-Silicon Valley oder Jane Fondas Aerobic-Inspirationen usw.), die uns bis heute zu einer modernen Gesellschaft animiert und getrieben haben (den USA sei Dank dafür). Freilich haben auch die Deutschen nach 1945 bis heute mehr als fleißig und hartnäckig bahnbrechende Erfindungen und technische Innovationen in fast allen Lebensbereichen erbracht (Patente noch und nöcher, auf die wir und andere nicht verzichten wollten . . . Entwicklungen von Bosch (Zündkerze, u.a. ABS), Porsche (911), Mercedes (300SL) . . . Scanner, Stollenschuh, Dübel, Pille, Chipkarte, Airbag, MP3, Funkuhr, Greenfreeze, das digitales Fernsehen . . .und sogar der 1979 von Sony etablierten Walkmann hatte bereits 1977 angeblich ein Deutscher patentieren lassen usw.), doch andere Länder haben längst aufgeholt und spielen ganz weit vorne mit in der Championsleague des 22. Jahrhunderts. Nicht geht es um Erfindungen und Erforschungen als Selbstzweck, sondern um wirklichen Fortschritt, der durch neues Wissen und neue  Technik erreicht werden kann.

Entscheidend ist bei einer neuen Technik oder Technologie immer die Gesamtperformance, daß mit immer geringerem Material-, Energie-,  Herstellungs- und Konstruktionsaufwand eine noch höhere Leistung bei gleicher oder längerer Lebensdauer erbracht werden kann. Letztendlich ist die Performance eines Produktes der Qutient aus:

Energieeinsatz x Rohstoffeinsatz x CO2 Emissionen x Toxis x Arbeitszeit x Maschinen- oder Werkzeugeinsatz x Transportaufwand x Montageaufwand x Reperaturaufwand x Instandhaltungsaufwand x Recyclierungsaufwand) / (Funktionsleistung x Haltbarkeit x Recycelbarkeit x Rohstoffverfügbarkeit). Je kleiner dieser Wert ist, desto effektiver ist die Technik. Im Prinzip kann man jeden Gegenstand, jedes Artefakt mathematisch simpel quantifizieren und zum umltimativen Vergleich stellen. Kosten spielen hier keine Rolle, da diese über vom Menschen künstlich hergestellte Bewertungsverfahren (Angebot und Nachfrage, Markt) extrem variabel und unzuverlässig sind.

Die neuen Klebetechniken etwa erlauben bei minimalem Materialaufwand einen effektiven wie sicheren Einsatz im Flugzeug- und Karosserie-wie auch Glas- und Kunststoffbau. Vorbei sind die Zeiten des aufwendigen Bohren, Schrauben und Schweißen. Auch Klett ist einer dieser hocheffektiven Verbindungstechniken. Um Gewicht zu sparen, werden derzeit pneumatische Sitze unter 1.000 Gramm je Sitzplatz in bzw.  für Passagierflugzeuge entwickelt (Economie 500-1.000g/ Sitz, Business 1.500-3.000g/ Sitz, 1. Klasse 3000-5000g/ Sitz). Die Sitze bzw. Tubes der schweizer Firma Lantal bestehen aus dünnen, o,25mm dicken Polyurethanfilms sowie Bezügen aus Nomex-Kevlar-Stoffen für den Brandschutz . Die pneumatischen (Sport-) Hallen hatten wie schon in den 1970´er Jahren und seitdem sind die Spezial-Membranen extrem weiterentwickelt worden (u.a. von Conti-Tech). Lediglich der Brand- und Schallschutz muß bei den Leichtbaukonstruktionen noch optimiert werden, um diese Systeme seriell auch im Hochbau einsetzen zu können. Fassaden- und Dachelemente, die Energie speichern und erzeugen können, gibt es ebenfalls seit mehreren Jahrzehnten. Im Prinzip dürften heute keine Materialien mehr verbaut werden, die ohne smarte Energiefunktionen ausgestattet sind. Überhaupt ist es ein Unding, daß das Nullenergiehaus wie auch Energie-Plus-Haus (hier wird mehr Energie erzeugt, als das Haus selbst benötigt) noch kein gesetzlicher Standard ist. So aber vollzieht sich der Wandel nur in frustrierend kleinen Mäuseschritten, die sämtliche Synergieeffekte zunichte machen. Was für eine verschlafene Gesellschaft, die technologisch (und damit pro Umwelt + Natur) weit, sehr sehr weit hinter ihren Möglichkeiten dahertrottet!

Drum: fordern Sie vom Markt das 250 kg schwere 0.5 Liter-Auto, das 2.500 Gramm schwere Fahrrad, den 25 kg schweren Motorroller, den 250 Gramm schweren Laptop, die 500 kg schwere 40m² Wohnung mit einem jährlichen Energieertrag von zusätzlich 2.000kWh, die 5 kg schwere Büroeinrichtung, den 1.000 Gramm schweren Bürodrehstuhl usw. Helfen sie mit, daß jeder Mensch in 1 Leben statt über 150 Tonnen nur noch 50 Tonnen, gar nur 10 Tonne an veredelten Rostoffen verbraucht, die zudem zu 100% recycelt werden können.

Fordern Sie die Verpackungsindustrie auf, die Produkte mit dem minimalsten Verpackungsaufwand zu verkaufen. Eine konventionelle 1-Liter Milchtüte verbraucht ca. 37% mehr Verpackungsmaterial als eine kompakte 2 Liter-Milchtüte und 47% mehr als ein kompakte 2,5 Liter Milchtüte. Das sind bis zu 50% mehr Verpackungstransportgewicht und Materialkosten als notwendig, die Sie als Verbraucher mehrbezahlen und zudem die Umwelt belasten. Fordern Sie den Staat auf, Mogelpackungen zu verbieten, die nicht selten bis zu 50% Luft verpacken. Maximal sollten -bis auf wenige Ausnahmen- 5% Leervolumen erlaubt sein. Wenn man z.B. Zucker oder Salz mit dünnem Papier (120-150g/m²) verpacken kann, bracht man keine 0.5-1.0mm dicken Kartonagen, die das doppelte bis 5-fache wiegen. Viele Produkte sind zu 50% bis 90% mit stink normalem Wasser verdünnt bzw. vermischt (z.B. Duschgel, Haarshampoo, Flüssigseifen, Zahnpasta, Cremes, Waschmittel, Geschirrspüler etc.). Wenn man die Hauptsubstanzen auch ohne Qualitätseinbußen konzentriert oder getrocknet herstellen kann, dann kann man auch auf 50% bis 75% Gewichtsanteil H2O inkl. dafür notwendiger Verpackung und Gewicht verzichten (Beispiel: Brausetabletten, Asperintabletten, Gallseife etc.). Sie als Kunde müssen weniger schleppen und auch weniger bezahlen, da weniger Verpackung, weniger Transportkosten und weniger Lagerungskosten -die ja allesamt als Aufpreis aufgeschlagen werden- entstehen und zudem haben sie zu Hause die doppelte Lager- oder Regalfläche über . . und auf deutschen wie europäischen Autobahnen und Eisenbahnstrecken halbiert sich der lärmende, emissionsreiche, den Verkehrsfluß beeinträchtigende LKW-Verkehr! Alle gewinnen! Warum wird´s nicht schön längst gemacht?

Weil wir ein unmoralisches wie vernunftfreies Wirtschaftssystem haben, das mit Müll, Dreck, Mehrverbrauch, Mängeln, Fehlern, Sollbruchstellen, Krieg, Zerstörung, Unfällen und Krankheiten schlichtweg „Arbeit“ generiert und damit ziemlich viel „Geld“ verdienen kann! Ökonomisch betrachtet: der Kranke kann nicht krank genug sein, daß man sich an ihm eine goldene Nase verdienen kann. Und der Krieg kann nicht zerstörerisch genug sein, daß man Soldaten beschäftigen kann, Panzer und Waffen bauen kann und über den folgenden Wiederaufbau und die umfangreiche humanitäre Hilfe sehr viel Arbeit und Wachstum generiert, daß es fast wie eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten aussieht (wären da nicht die vielen Toten und Krepierten, das viele Menschnleid und eine auf viele Jahrzehnte hinweg zerstörte Umwelt). Und auch die Müllverbrennungsanlagen klagen, wenn wir zu wenig Müll produzieren, weil die Anlagen sonst nicht wirtschaftlich, sprich rentabel laufen. Die Wasserwerke klagen, wenn unsere Sparamaturen und 15-Liter-WC´s zu wenig Abwasser in die Kanalisation leiten, daß die dafür überdimenionierten Rohre nun mit zusätzlichem Aufwand gereinigt werden müssen und damit die Rendite der Wasserwerker schmälert. Und die tausend Sollbruchstellen in Handys, Kaffeemaschinen, Waschmaschinen usw. sorgen dafür, daß die Lebensdauer um mehr als 1/10 verkürzt wird, damit 10 x mehr Produktion, Umsatz, Rendite und Arbeitsplätze geschaffen werden durch 10 x mehr Energie-, Rohstoff-, Emissions- und Transportverbrauch: das nennt man wirtschaftliches Wachstum durch „professionelle Destruktion“ (destruktive Wirtschaft vs. konstruktive Wirtschaft)!  Dagen kämpfen Menschen freilich schon seit mehreren 1.000 Jahren auf der ganzen Welt, um aus dem profitorientiertem, privilegiertem Unrecht einiger weniger (zum angeblichen Wohle der Mehrheit) ein vernunftbezogenes, soziales, ökologisches, der Allgemeinheit und schließlich auch der Natur dienendes Recht zu machen (also im eigentlichen Sinne wirklicher „Fortschritt“!). Das Motto lautet: Wer keine Arbeit hat, der macht sich welche! Den Ast zu sägen, auf dem man Sitz, schafft doppelt Arbeit! Und sie wissen nicht,was sie tun! In der Architektur bzw. im Bauwesen ist der Materialeinsatz je Kopf allein für den Privathaushalt mit derzeit 80-100 Tonnen je Leben in etwa so hoch wie der Verbrauch an Lebensmitteln und Getränken (wohlgemerkt als Nettogewicht!). Hinzu kommen weitere 5-10% Materialaufwand nur für die Mobilität (5-10 Tonnen PKW) und weitere 5-10 Tonnen für Haushaltswaren, Möbel, Geräte, Textilien, Bücher, Zeitschriften usw. Mehr als 80% der gesamten Materialien (Gewicht) werden also für private Wohngebäude verwendet! Rechnet man die Infrastrukturen, Straßen (690.000km)  Gebäude zum Arbeiten sowie öffentlichen Gebäude mit ein, kommt man schnell in 80 Lebensjahren auf ca. 280 Tonnen Schotter, Asphalt und Beton etc. für die Verkehrsflächen + 80 Tonnen Baumaterialien für Wohngebäude + 40 Tonnen Baumaterialien für alle übrigen Gebäude, zusammen also mehr als 400 Tonnen allein nur für Baumaterialien (das sind 5 Tonnen pro Jahr und Einwohner)!  Etwa 5 % (18.000km² mit einem Gewicht von ca. 14,4 Mrd. Tonnen, das entspricht in etwa einem Würfelvolumen von 2 km Kantenlänge) der gesamten Fläche der BRD (357.121km²) wird derzeit für Verkehrsflächen (ca. 220m² je Einwohner und ca. 175 Tonnen Gesamtgewicht je Einwohner) , etwas mehr als 12% (45.000km²) für Siedlungsflächen verwendet. Hinzu kommen weitere Flächen und Baumaterialien für das Bahn- und Wasserstraßennetz.

Wenn man sich vergewissert, daß je Einwohner jedes Jahr 1.500kg Baumaterialien für Gebäude benötigt werden, kann man schon stutzig werden, wenn wir statt der 1.500kg eigentlich nur 250 bis 500kg für die gleiche Nutzfläche bräuchten. Die Einsparung von Umweltbelastungen durch Ressourcenabbau, Energieverbrauch, CO2-Emissionen, Produktionsaufwand und Transport sind bei 82 Millionen Einwohnern und einer jährlichen Gebäude-Baustoff-Tonnage von 125 Millionen Tonnen enorm hoch! Wir könnten jedes Jahr locker über 80 Millionen Tonnen Baumaterialien im Wert von ca. 40 Mrd Euro (ca. 500,- Euro je Tonne und Bundesbürger) einsparen! Doch solange sich Effizienz nicht in verbindlichen Gesetzestexten, Richtlinien und Normen niederschlägt, bleibt auch beim Bauen (anders als in der Raum- und Luftfahrtindustrie) alles wie gehabt. Sieht so technologischer und kultureller Fortschritt aus?

Beispiel Zugfestigkeit: Carbonfasern (1.780kg/m³, Zugspannung 3,75kN/mm²) sind je Gewichtseinheit ca. 5,5 mal effektiver als Stahl (7.850kg/m³, Zugspannung 3,0kN/mm²). Glas ist mit 2.550kg/m³ und 2,4kN/mm² Zugspannung bereits 2,46 mal so effektiv wie Stahl. Bei den Membranen hat je Flächengewicht der innovative Stoff „Kevlan“ (z.B. Cargolifter CL75) eine etwa 3-mal so hohe Zugfestigkeit wie PET-Materialien, die eine etwa 3-mal höhere Zugfestigkeit wie Gewebe aus Baumwolle besitzen.

Aluminiumwabenplatten mit einer Zellweite von z.B. 6mm und beidseitiger Alu-Deckbeschichtung von 0,6mm Stärke haben beispielsweise ein Flächengewicht von 4,0 kg/m²  bzw. 159 kg/m³ (6,3mm Plattendicke) bis 8,0kg/m² bzw. 192 kg/m³ (52mm Plattendicke). Kartonierte Wabenplatten haben ein Raumgewicht von ca. 130kg/m³ (10mm Print-Wabenplatte) bzw. 185kg/m³ mit zusätzlicher Kraftlinerbeschichtung (10mm Building-Platte). Eine Wabenplatte mit 10mm Zellweite aus Liner (140 g/m² Flächengewicht Wabe) hat ein Raumgewicht von ca. 40kg/m³ und eine Druckfestigkeit von 55 Tonne je m². Eine Wabenplatte mit 15mm Zellweite trägt noch stolze 48 Tonnen je m² und hat ein leicht reduziertes Gewicht von nur noch 34kg/m³.

Was wir Architekten uns wünschen, sind extrem leichte, umweltschonende, voll rezyklierbare, giftfreie, pflegeleichte wie multifunktionale Baustoffe, die neben ihrer optimierten Tragstruktur (Wand, Boden, Decke, Dach, Umwehrung) auch Lichtfunktionen, Dämmfunktionen (Wärmeschutz, Akustik etc.) und Brandschutzfunktionen übernehmen. Quasi eierlegende Wollmilchsäue, die technisch einfach, rohstoff- und energiearm herzustellen sind und durch ihre funktionalen wie statischen Aspekte überzeugen.

 

 

ästhetik der farben

Freitag, April 12th, 2013

ästhetik der farben :: unsere mit den Augen im Lichtspektrum von 380 bis 780nm wahrgenommene stoffliche Welt wird maßgeblich über Farben und deren Helligkeit definiert. Neben dem Farbreiz (Optik) und der Farbvalenz (die physiologische Farbwahrnehmung) ist hierfür den ästhetischen Bereich vor allem die Farbempfindung (das psychologische Erleben von Farbe) von Bedeutung. Grundsätzlich reagieren und empfinden Menschen mit vollständig entwickelten Sehorganen zum Teil übereinstimmend, aber auch ganz individuell auf bestimmte Farben. Farben werden psychologisch und in ihrer Bedeutung von uns erlernt, so dass hier auch der kulturelle wie naturgegebene Kontext eine große Bedeutung in der Farbempfindung spielt. Rot (Feuer) und Gelb (Sonne) werden i.a. als aktive und warme Farben (Signalwirkung), Blau (Himmel, Meer) und Grün (Vegitation) als eher passive, schwerere Farben empfunden, wenngleich auch ein leuchtendes, helles Blau oder hellstrahlendes Grün sehr stimulierend wirken kann. Satte, als rein empfundene Farben wirken kräftiger und eindeutiger im Ton als mit Schwarz oder Weiß abgetönte oder gemischte Farben (z.B. milde Pastelltöne).  Violett, Türkis, Orange und Grün bilden die aus den Grundfarben gemischten Sekundärfarben, während Purpur bzw. Mangenta, Braun, Oliv, Weiß, Grau und Schwarz die Tertiärfarben bilden. Als Komplementärfarben werden Orange und Blau, Rot und Grün sowie Gelb und Violett wahrgenommen. Im quantitativen Gleichgewicht befinden sich die Komplementärfarben in etwa bei 1:2 von Orange und Blau, 1:1 von Rot und Grün und 1:3 von Gelb und Violett. Ein neutrales Grau (also ein Grau ohne einen dominanten Farbton) ergibt sich beim Mischen der Komplementärfarben. Eine weitere Differenzierung der Farben ergibt sich aus der Helligkeit (direkt oder indirekt) der Farbtöne (also das Absorptions- bzw. Reflektionsvermögen, die Leuchtintensität), die wiederum von der unmittelbaren Umgebungsfarbe (Hintergrundfarbe) wie auch von der umgebenden Helligkeit des Hintergrundes (Kontrastwirkung) bestimmt wird. Die Umgebungsfarben sind letztendlich auch wegen ihrer Farbton- und Helligkeitsreflektion von entscheidender Bedeutung für die Wahl und Wirkung einer Farbe bzw. Farbkombination, die wiederum in Passung zum gewälten Material stehen muß, welches wiederum vor allem den statischen und funktionalen Anforderungen genügen muß. Grundsätzlich unterscheiden wir neben den hellen und dunklen, den empfundenen leichten und schweren, den intensiv und blass leuchtenden sowie den farbsatten und pastellenen oder cremigen Farbtönen noch nach der Farbtemperatur, also den warmen (gelb-rötlichen) oder kalten (blau-violetten) Farbtönen. Die wirkende Farbtemperatur der Farben wird hierbei neben der eigenen Farbtemperatur auch noch über die Farbtemperatur des Kunst- und/ oder Tageslichtes beeinflußt. Warme Farben sollten daher überwiegend mit warmen bis warmweissem Licht, kalte Farben entsprechend mit kaltem bis kaltweissem Licht illuminiert sein, um die beabsichtigte Farbstimmung nicht zu schwächen. Neutrale Farben (Weiss- und Grautöne) passen sich dem Umgebungslicht bezüglich der Farbtemperatur ideal an.

Bei allen komplexen physikalischen Zusammenhängen in Sache Farbe und Farbwahrnehmung kommt es letztendlich auf den zu erzielenden, i.d.R. individuell gewünschten Farbcharakter eines Raumes oder einer Fassade an. Ist erst einmal eine Grundfarbe oder einen Grundfarbton als Farbmilieu oder Thema (weich, zart, hart, bunt, belebend, aktiv, sportlich, beruhigend, gedämpft, passiv, meditativ, kontrastreich, einfarbig, hell, dunkel, sachlich, gemütlich, aufdringlich, zurückhaltend etc.) vorgegeben, zeigt sich schnell an Hand von Farbmustern oder Farbfächern, welche Farbtöne (Materialoberflächen) zum gewählten Farbmilieu quantitativ wie qualitativ, harmonisch wie auch kontrastierend passen. Mit zirka 1.500 bis 2.000 abgestuften Farbtönen können im Bereich Architektur nahezu alle wichtigen wie sinnvollen Farbräume abgedeckt werden (z.B. Scala Brillux), auch wenn die Zahl der möglichen Farbtöne weit darüber liegt (ca. 3.500 Farben HKS-Druckfarben, 1.950 NCS-Farben, 213 RAL-Töne usw.). Erweitert wird das Farbspektrum schließlich noch durch die Reflektionsart des Farbauftrages, also matt, seidenmatt, glänzend oder hochglänzend sowie den verschiedenen Metallicfarbtönen. Last but not least die speziellen, meist mehrfarbigen Spachtel-, Putz- oder Lackiertechniken, bei denen verschiedenste Farbnuancen, Schattierungen oder auch Farbverläufe und Marmorierungen etc. möglich sind.

Wir arbeiten gerne mit Farben, die vorzugsweise auf matte Holz-, Naturstein- und Betonoberflächen dezent abgestimmt sind. Statt satter, leuchtender oder auch dunkler Farben bevorzugen wir eher helle, freundliche Pastell- und Cremetöne, die ggfs. mit satten Akzenten ergänzt werden können. Statt reinweisser, stark kontrastierender Wand- oder Deckenflächen verwenden wir gerne leicht abgetönte, cremeweisse Farben mit einer warmen Farbtemperatur. Farbige Wände gerne in Wein- bis Purpur- oder auch Rostrot (Cortenstahl), dazu warmes Cremeweiss, Vanillegelb, Pistazi oder Sand sowie eloxiertes Aluminium. Ferner ganz edel und beruhigend ein dunkles Kobalt-, Nacht- oder auch Perlnachtblau mit dezentem Grau, Schiefer und Weiss abgesetzt, dazu patiniertes Zinn oder eloxiertes Aluminium. Bei den Grüntönen bevorzugen wir helles Schilfgrün, Blassgrün oder auch helles Lindgrün, dazu helles Grau, Cremeweiss oder zartes Vanillegelb, Akzente mit Olivgrün oder Chromoxidgrün. Sehr erfrischend Cremweiss oder ein helles Grau zusammen mit leuchtendem Mais- oder Rapsgelb, auch in komplementärer Kombination mit hellem Pastellblau oder auch dunklem Kobolt- oder Nachtblau. Bei farbigen Wänden sind Holzfußböden wegen ihrer eigenen Farbigkeit ( Rot-, Braun- und Gelbanteile) meist problematisch, dass wir hier meist neutrale dunkle oder helle Steinböden, zur Wandfarbe farblich abgestimmte Teppiche (Velour, Schlinge etc.) oder auch Linoleumbeläge einsetzen. Bei Gebäuden mit Bezug zu Landschaften können hier auch Farben aus der Natur oder zur Natur bzw. Landschaft passende Farben gewählt werden. Grundsätzlich haben wir die Erfahrung gemacht, Räume möglichst farbneutral auszurichten, um den individuellen Objekten und Möbeln mehr Spielraum zu geben.

Metalloberflächen von Stahlzargen, Stahlstützen oder auch PR-Fassaden werden von uns gerne in Anthrazit-, Silber- und Grautönen (div. DB-Töne) pulverlackiert oder mit Eisenglimmer gestrichen. Zu Sichtbetonflächen arrangieren wir gerne schwarz bis silbrig gebeizte, matte, geölte Holzflächen (geringer Gelb- und Rotanteil) oder auch schwarz- bis anthrazitfarbene Stein- oder Faserzementplatten. Hochglänzende Farben vermeiden wir, da sie meist bei Möbeln und Objekten eingesetzt werden. Fußböden als Parkett oder Dielenboden je nach Atmosphäre und Lichtanforderungen in dunkler, fast schwarzer Wenge, Wallnuss, Birne oder auch gekalkter Eiche. Für stark beanspruchte Bereiche eignet sich auch naturfarbiges bis caramellfarbiges Bambusparkett. Anspruchsvolle Wandoberflächen von Bädern wie auch Badobjekten lassen sich wunderbar mit farbpigmentierten, kalkgeseiftem Muschelkalkputz (Tadelakt) herstellen, der jedoch in handwerklicher Technik ausgeführt auch seinen Preis hat.

Grundfarben (insbesondere Grau- und Weißtöne an den Wänden bzw. Fassaden) erweisen sich durch ihre relativ empfundene Farbneutralität wie ausreichend helle Lichtreflektion als idealer Partner für farb- und strukturtragende Oberflächen wie auch Möblierungen. Aber auch helle Beigetöne (Sandstein etc.) passen als Grundfarbe sehr gut zu farblich tragenden, dunkleren wie auch weißen Oberflächen. Schwarz-Weiß-Effekte mit maximaler Kontrastwirkung sollten hingegen nur sparsam und im richtigen Verhältnis gewählt werden, um das Auge nicht zu sehr zu strapatzieren bzw. zu irritieren (Moir-Effekt usw.). Changierende Farbtöne eignen sich ideal für gerasterte, große Flächen, da sie die eher als langweilig bis steril empfundene Rasterstruktur farblich belebt (Beispiel Klinkerwand, Bodenfliesen, Terracottaböden etc.).

Fassadenfarben werden von uns zunächst aus den vorhandenen Farben der unmittelbaren Umgebung abgeleitet (städtebaulicher wie regionaler/ lokaler Kontext, Vegetation, Landschaften etc.) und schließlich in Übereinstimmung mit den gewählten Konstruktionen bzw. deren verwendeten Materialien gebracht, welche wiederum zu den gewählten Innenraumfarben (Bäden, Wände, Deckenuntersichten in Abhängigkeit von den spezifischen Funktion) abgestimmt sein sollten. Eine harte Trennung zwischen Außen- und Innenfarben bzw. Materialien  stören das empfundene Raumkontinuum, so dass wir die verwendeten Materialien und deren Farben gerne nahtlos von Außen nach Innen (oder auch umgekehrt) fließen lassen. Hierdurch wir die Raumzonierung wie auch funktionale Trennung merklich aufgelöst bzw. gemindert und der wahrgenommene Innen- und Außenraum wird optisch durch Aufhebung der Grenzen wesentlich vergrößert. Insbesonderer bei vollverglasten Fassaden (Foyerzonen, Wintergärten, Räume mit vorgelagerten Terrassen etc.) können hierdurch sehr schöne Raum- und Materialeffekte entstehen. Nach Möglichkeit verwenden wir „bunte“ und satte Farben (insb. bei den Farbanstrichen) im urbanen wie vor allem ländlichen Kontext nur sehr sparsam, sofern die gewünschte Farbigkeit nicht bereits über das gewählte Material zur Wirkung kommt. Lediglich in architektonisch ausgewiesenen „Kunsträumen“ (etwa im Innenstadtbereich von Metropolen, Vergnügungsviertel, like „Las Vegas“ etc.) dürfen unserer Meinung nach auch satte, poppige Farben zur chrarakteristischen Milieubildung im öffentlichen Raum eingesetzt werden, sofern die Farbigkeit per se nicht bereits kulturelles Stilmerkmal einer Region oder eines Viertels ist (etwa die typisch rot getünchten Häuser in Norwegen, das freundliche Schweden-Gelb, das nordisch-frisische Blau oder das bergische Grün an Fensterläden und Türen usw.). Es ist nicht die Aufgabe der Architektur, Farbe in all ihrer Schönheit und Vielfalt zu präsentieren, wohl aber das verwendete Material und die Konstruktion ehrlich und sinnvoll im Raum darzustellen. Die Farbe und davon meist genügend kommt früh genug als mobile Applikation durch die Kunst, die Werbung und das Design in die Räume und an die Fassaden und kann dort ihre meist kurzweilige Mode ausreichend demonstrieren. Farbe verhält sich hier vielmehr als individueller Schmuck. Es gibt andere Kulturen, in denen die Farbe eine wesentlich größere Bedeutung hat als in Europa. Südamerikanische, aber auch afrikanische Länder gehen beispielsweise viel selbstbewußter, aber auch wesentlich tradierter und stilsicherer mit „bunten“ Farben in der Architektur um, während unsere europäischen, insbesondere nordeuropäischen Ausdrucksmittel eher technischer, konstruktiver und funktionaler Art sind. Die herrlichen Farben des mexikanischen Architekten Luis Barrag¡n (1902-1988), aber auch die mediterranen Pastelltöne Le Corbusiers wirken farbpsychologisch natürlich auch auf uns (Nord-) Europäer, sind jedoch kulturell (auch baukulturell) nicht oder nur sehr schwach in unserer Lebensvorstellung verankert. Ganz anders in Guatemala (Farben der Maya), Cuba, Bombay, Hawai oder auch Sri Lanka, wo die satten und bunten Farben quasi mit der Kultur, den Menschen und der Landschaft verschmolzen sind. Aber auch die Niederlande (Oranje) und Griechenland (Blau) u.a. benutzen Farbe zur kulturellen Identifikation. Aus Italien kennen wir das sogenannte Siennarot (ungebrannt eher Ocker bis Gelb, gebrannt Rotbraun) und die verschiedenen Orange-Ocker-Rottöne der regionalen Terracottaprodukte und der alten Dachziegel, dazu zahlreiche Sepia- und Umbratönungen. Die relativ homogenen Dachlandschaften von Florenz, Siena oder auch Bologna strahlen ein intensives Rot-Orange, was sich nahezu komplementär zur umgebenden grünen Hügellandschaft abzeichnet. Und in Siena ist sogar die berühmte Piazza del Campo, auf der alljährlich der bekannte „Palio“ stattfindet, mit Siennaroten Backsteinen zwischen hellen Travertinstreifen gepflastert.

ästhetik der materialien

Freitag, April 12th, 2013

ästhetik der materialien :: mit Materialien meinen wir aus ästhetischer Sicht alle sichtbaren, damit auch farbigen, oberflächenstrukturierten und formhaltigen Flächen. Neben seiner ästhetisch zu bewertenden Farbigkeit und Oberflächenstruktur hat das Material aber auch eine semantische Ebene, wenn wir den Wert des Materials, seinen Ursprung und seine Herstellunsgbedingungen vergewissern. Die meisten natürlichen Materialien entnehmen wir direkt der Natur, so dass mit dem geschlagenen Holz, den aus den Steinbrüchen gebrochenen Steinen und den zu Ziegelsteinen geformten Ton eine starke, direkte Verbindung zur Natur hergestellt wird. Anders sieht es mit allen künstlich hergestellten Materialien aus, deren Ausgangsmaterialien infolge der verschiedensten Herstellungs- und Veredelungsprozesse nicht mehr oder nur sehr schwer in einen direkten Bezug zu den uns bekannten Stoffen der Natur gestellt werden können. Dazu zählen u.a. alle Metalle, Ölprodukte, Beton, Kunststeine, Holzfaserwerkstoffe, Glas usw. Diese künstlich hergestellten Materialien (abstract materials) müssen sich unser Vertrauen erst durch Gewöhnung (meist über die Produktwelt/ Produktdesign) und kulturelle Normierungsprozesse erarbeiten. In der sensorischen Wahrnehmung (Tastsinn) sprechen uns warme und leicht rauhe Materialien (Griffigkeit, Handschmeichler) mehr an als kalte und glatte Materialien. Extrem poröse Materialien -mit Ausnahme von Textilien oder Teppichen-  werden im Nahbereich eher als grob, roh oder unveredelt empfunden (kultureller Veredelungszwang). Je mehr Hohlräume bzw. offene Poren eine Oberfläche besitzt, desto mehr Sorge um unerwünschte Substanzen, Staub oder Dreck. Extrem glatte Flächen werden zwar als hygienisch unbedenklich empfunden, bieten aber unserem fein ausgeprägten Tastsinn durch den fehlenden Gripp nur wenig Reize. Glatte Oberflächen eignen sich daher ideal für Licht- und Farbreflektionen. Insbesondere hochpolierte Metall- oder spiegelnde Lackflächen erzeugen kontrastreiche, helle Lichtreflektionen (Silber-, Spiegel- und Blinkereffekt), die unser Auge besonders stark reizen (Chromeffekt). Da nun bei Gebäuden die einzelnen Flächen innen wie außen meist unterschiedliche Anforderungen erfüllen müssen, kommt es -mit Ausnahme reiner Holzbauten (z.B. Holzhütte, Blockhaus)- zwangsläufig zu einem räumlichen Materialmix, der vom Architekten in Sachen Farbe, Struktur und Materialwertigkeit sorgsam aufeinander abzustimmen ist. Obwohl die künstlich hergestellten Materialien die natürlichen Materialien (Holz, Stein, Ton) mittlerweile an Vielfalt weit übertreffen, nehmen sie in der ästhetischen Bewertung nach wie vor einen hohen Rang ein, während beispielsweise unveredelte Ölprodukte (insbesondere Kunststoffe) trotz vieler hervorragender Materialeigenschaften größtenteils als minderwertig eingestuft werden, sofern sie keine interessanten haptischen Eigenschaften vorweisen. Auch wenn ölbasierte Materialien aus dem neuzeitlichen Bauen kaum mehr wegzudenken sind (z.B. Bauwerksabdichtung, Folien, Dichtungen, Dämmstoffe), sollte ihr Einsatz jedoch aus ökologischen, gesundheitlichen wie auch brandschutztechnischen Gründen möglichst vermieden werden, wenn konventionelle Baustoffe hier eine echte Alternative bieten. Zur Zeit lassen sich u.a. mit diversen Kunstharz- oder Ölprodukten (HPL- oder Schichtstoffplatten, Laminate, Finishfilms etc., z.B. Duropal, Resopal bereits seit 1930, Trespa etc.), nahezu alle bekannten Naturbaustoffe in ihrer Oberflächenwirkung (Farbe, Struktur etc.) nahezu realistisch imitieren, so dass der industrielle Material-Fake es dem Betrachter zunehmend schwer macht, zwischen echten und künstlichen Materialien zu unterscheiden. Imitationen haben unserer Meinung nach nur dann eine ästhetische Legimitation, wenn sie vom Betrachter oder Benutzer nicht identifiziert bzw. authentifiziert werden können (das eingesetzte Material kann nicht berührt, getastet oder andersartig sensorisch, z.B. über den Klang oder Geruch überprüft werden).

Grundsätzlich ordnen wir bestimmten Gebäuden wie auch den jeweiligen Bauteilen bereits normierte, standartisierte und ästhetisch abgestimmte Materialien zu. Hier greifen wir auf den reichen, Jahrhunderte alten Fundus der uns bekannten Baukultur zurück. Neue ästhetische Effekte entstehen nur dann, wenn die uns bekannten Materialien quasi zweckentfremdet an Bauteilen auftreten, wo wir sie nicht vermuten oder aber die Materialien in ungewohnten Strukturen oder Formen präsent sind. So könnte etwa ein Epoxid- oder Terrazzoboden, der sich nun auch an den Wand- und Deckenoberflächen befindet, zu neuen Eindrücken verhelfen. Oder stellen sie sich eine Bodenfliese im gigantischen Format von 100×200 Zentimeter vor oder Fliesen in elegant geschwungenen Alvar Aalto-Formen. Auch durch neue Kombinationen von bekannten Materialien können ästhetische Effekte erzielt werden. So etwa können verschiedene Gläser oder Steinpartikel (unterschiedliche Größen, Farben, Formate etc.) als Zuschlagstoff in Beton, Epoxidharzen oder Putz eingesetzt werden. Feines Stahlgewebe, Stahlwolle etc. kann in Glasscheiben oder transparenten Kunststoffen (Acrylglas etc.) eingeschlossen werden usw.. Auch in der Oberflächenbehandlung können neue Effekte durch Prägungen, Stanzungen oder sonstige maschinelle wie manuelle Bearbeitung erzielt werden. Gipskartonplatten bzw. deren Kartonbeschichtung könnten mit x-beliebigen Prägungen und Zusatzstoffen (Finishfilm etc.), wie man sie auch bei Tapeten einsetzt, hergestellt werden. Glasscheiben können heute durch neue, kostengünstige Herstellungsverfahren plastisch verformt werden (Beispiel Elbphilharmonie).

Nachwachsendes, CO2-neutrales Holz etwa ist einer dieser Ur-Baustoffe, der mittlerweile durch moderne Herstellungstechnologien zu einem hochleistungsfähigen Material entwickelt wurde. Hier sind es u.a. die Holzspan- und Holzfaserplatten (OSB, HPL, MDF etc.), Multiplexplatten, aber auch Brettschichthözer (weitspannende, auch gebogene Leimholz-Träger) sowie impregnierende, pilz-, insekten- und feuerhemmende Verfahren, die Holz zu einem statisch wie bauphysikalisch normierten, innen wie außen vielseitig verwendbaren, kostengünstigen und ökologisch verträglichen Baustoff machen. Aber auch hier werden zum Teil umweltbedenkliche Zusatzstoffe (formaldehydharzbasierte Leime, z.T. chrom- bzw. borhaltige Fungizide oder Insektizide) beigemischt, die die Ökobilanz negativ beeinflussen können. ästhetisch betrachtet sind die uns bekannten Schnitt-, Wurzel- und Furnierhölzer von Nadel-, Laub- und Tropenbäumen durch ihre typische Farbe und charakteristische Maserung gekennzeichnet. Hinzu kommen vielfältigste Veredelungstechniken der Oberfläche wie Wachsen, Ölen, Lackieren und Lasieren, die dem dunkelbraun bis schwarzem, mittelbraun bis rötlichem oder hellgelben bis weissen Holz zu einer Vielzahl ästhetischer Effekte verhelfen. Auch das Altern und Verwittern, die Bildung einer Patina sowie Gebrauchsspuren des relativ weichen Materials erzeugen äshetische Effekte. Nicht selten wird dem Holz (dem Baum, dem Wald) eine besondere Geschichte zugestanden, die denen der Menschen gleicht (Individualität, Alterungsprozess, Wachstum). Holz ist im Gegensatz zum Stein, Beton oder Metall ein relativ warmes und weiches Material, ist also für den direkten Körperkontakt bzw. Berührungen (Haptik) sehr gut geeignet. Holz kann bei richtiger Pflege und geeignetem konstruktiven Schutz -selbst in Feuchtbereichen wie beim Brückenbau, Pfahlgründungen etc.- mehrere hundert Jahre bestehen. Nachwachsendes Holz hat den großen Vorteil, extrem leicht bearbeitet und zu 100% recycelt zu werden. Zudem ist Holz mit einer Dichte von 600 bis 800kg/m³ verglichen mit Steinen, Beton oder Metallen ein sehr leichter Baustoff, was sowohl die manuelle Herstellung wie auch den Energieaufwand für den Transport wesentlich begünstigt. Aus ökologischer Sicht ist der Jahrhundert alte Holzfachwerkbau mit Wandausfachungen aus Lehm oder Tonziegeln statisch, konstruktiv wie bauhysikalisch eine ideale Symbiose, formal jedoch mit dem Bezug zum Mittelalter etwas antiquiert. Dennoch werden für den Holzgeschossbau zur Zeit tragfähige, sichere Konzepte (Brandschutz) entwickelt, die den Holzbau wieder als moderne, technisch hochentwickelte Bauweise zum Massivbau in Konkurrenz setzt. Hochwertige Hölzer (sehr alte Bäume mit großem Stammdurchmesser etc.) haben zudem durch ihre zunehmende Seltenheit einen hohen Marktwert, so dass sie auch gerne für den anspruchsvollen, luxeriösen Innenausbau verwendet werden.

Die Metalle sind in der Regel sehr harte, steife, hochwärmeleitende (kalt wie heiß) Materialien, werden aber als sicheres, stabiles, langlebiges wie hochwertiges Konstruktionsmaterial voll akzeptiert. Metallbleche hingegen müssen durch Strukturierung oder Beschichtung veredelt werden, um als wertiges Material akzeptiert zu werden (sonst Assoziation vom „billigen“, schnell durchrostendem, beuligen Blech). Auch Aluminium muß zur ästhetischen Akzeptanz oberflächenbehandelt sein (z.B. durch Eloxierung). Farbige Metalle mit Rot- und Gelbanteilen (Kupfer, Bronze, Gold) leben durch ihre warme Farbwirkung und werden zudem als kostbare Materialien eingestuft (Schmuck). Silber und Chrom, auch polierte Edelstahlflächen wirken optisch durch den hohen Anteil an Weißlichtreflektion (Spiegeleffekt). Sollen die auffälligen, eher kalt empfundenen Spiegeleffekte vermieden werden, können die Metalloberflächen (insbesondere von Beschlägen) auch matt gebürstet werden (höhere tastsensorische Akzeptanz). Bei der Beschichtung von Metalloberflächen erweisen sich Pulvebeschichtungen (leicht rauhe Oberfläche) mit dunkel- bis hellgrauem Eisenglimmer (leichter Glitzereffekt) als ästhetisch sehr ansprechend. Traditionell aus dem Schiffsbau empfehlen sich für den Flächenanstrich von Metallen matte wie partiell auch glänzende Weißlacke (Entmaterialisierung, hohe Lichtreflektion, Anmutung von Eleganz und Leichtigkeit), aber auch beruhigendes Mittelblau (Arbeitswelt, Blaumann), neutrales Grau (Grundierung), Orange (Schutzanstrich in Eisenoxidrot, Mennige) und Gelb (Signalfarbe, Sicherheitsaspekt) aus dem Industriebau. Sichtbare, unverkleidete Stahlkonstruktionen, die vorzugsweise im Ingenieur- und Industriebau eingesetzt werden, haben eine gewisse technische Ästhetikkomponente, die in ihrer Sachlichkeit und auf das wesentliche reduzierten Formsprache gerne auch in industriefremde Nutzungen übertragen wird (Hallen- und Werkstattcharakter, Skelettbau). Hinzu kommen feine bis grobe, semitransparente Stahlgewebe, die als hochwertiger, langlebiger Sonnenschutz oder auch als Zaun- oder Geländerfüllung verwendet werden (s.a. Kunst der Verschleierung). Metalle und Aluminium sind im Vergleich zu Holzprodukten extrem rohstoff- und energieintensiv, dass der Einsatz zumindest aus ökologischer Sicht auf statisch bzw. konstruktiv notwendige Bauteile bergrenzt sein sollte.

ästhetik der flächen

Freitag, April 12th, 2013

ästhetik der flächen :: die Gestaltung, räumliche Disposition und räumliche Komposition von Flächen ist in der ästhetischen Bewertung von Architekturen das A und O. Flächen können Funktionen ausdrücken, können Konstruktionen sichtbar machen, geben Orientierung und Richtung im Raum und ermöglichen/ verhindern Sichtebzüge zum umgebenden Raum. Die stoffliche Fläche hat Form, Proportion, Materialität, Licht und Farbe. In der Betrachtung der Fläche (Oberfläche) treffen mehrere sinnliche Wahrnehmungsprozesse auf komplexe Weise zusammen und lösen gemäß unserer Form-, Material-, Farb- und Lichtcodierung unterschiedlichste neuronale Verknüpfungen und Stimulationen (Reize) aus, die mal bewußt oder auch unbewußt in uns wirken. Bei den Flächen haben wir die Beobachtung gemacht, dass Linien und Muster oder Texturen stärker wirken als Farben, welche wiederum  stärker wirken als Formen. Die Linie ist darum so stark, weil sie der erlernten Schriftsprache (abstrahiertes Informations- und Kommunikationssystem von hoher sozialer Bedeutung) sehr ähnlich ist. Formen hingegen müssen zur Identifizierung erst in (erlernte) Gnome zerlegt werden, während Farben direkt visuell differenziert und assoziiert werden können. Auch Linien (Zeichen) müssen wie die Formen erst erlernt, codiert und entschlüsselt werden, doch ihr Informationsgehalt hat i.d.R. für uns modernen Menschen eine höhere Priorität als die Farbcodierung, die vielleicht in anderen, sprach- und zeichenarmen Entwicklungsstufen des Menschen von höherer Priorität war als heute. Tatsächlich ist das sprachliche Ausdruckssystem unserer linienbasierten Schriftzeichen wesentlich variabler, vielfältiger und auch leistungsfähiger zu gebrauchen (extrem hoher Wortschatz, semantische Ebene) als die vergleichbaren Farben- oder Formensprachen. Immerhin wird ein linienloses Objekt zur Identifizierung erst einmal in linienumrissene Genome zerlegt. Linien auf Flächen können neben dem Auftragen von linienbasierten Mustern durch Fugen, Material-,  Farbwechsel oder auch Schatteneffekte (Relieffwirkung) erzeugt werden. Auf der zu gestaltenden Fläche gibt es also zahlreiche Möglichkeiten, die für uns Menschen so bedeutungsvollen „Linien = Schriftzeichen = Symbole“ darzustellen, um quasi eine Art kommunikative Aufmerksamkeit durch architektonische Flächen zu erzeugen. Da in der Fläche alles sinnlich wahrnehmbare zusammentrifft, ist die Gestaltung der Flächen das wichtigste Ausdruckssystem der Architektur, während die Flächen selbst im Idealfall reine statische Konstruktionen sind. Ob die Flächen nur reine Konstruktion sein dürfen oder sich von der Konstruktion der Form und Materialität nach lösen dürfen, ist verstandesmäßig (Logos) eine schwierig zu beantwortende Frage, unter ästhetischen Gesichtspunkten hingegen legitim und erwünscht. Tatsächlich empfinden wir reine, unveredelte Konstruktionen und ihre sichtbaren Flächen oft zu grob, zu rauh, zu unedel, dass wir sie gerne so hätten wie unsere sensorisch wie materiell feinveredelten Objekte (Möbel, Geräte, Textilien usw.). So wird die mit rauhen, scheckigen Ziegelsteinen gemauerte Wand fein verputzt, tapeziert oder mit Holzpaneelen verkleidet, die rauhen, unebenen Bohlen- und Dielen des Bodens mit Teppich, Linoleum, PVC, Laminat oder Feinsteinzeug belegt, Stahlflächen werden lackiert, poliert und gebürstet usw.. In der Summe betrachtet gibt es heute kaum noch reine Konstruktionen, die ohne Veredelungstechniken verbaut werden. Selbst die betonierten Wände und Stützen haben feinste Schalungen, dass die Oberflächen wie geleckt aussehen. Wohl aber kann es sein, dass im Einerlei der Totalveredelung von Flächen gerade die unedlen Flächen im Kontrast dazu eine ästhetische Faszination ausüben, etwa, weil sie selten und rar geworden sind, eine archaische, ursprüngliche Anmutung haben, die uns von dem kulturellen wie auch sozialem Druck der perfekten Veredelung angenehm befreit. Bislang differenziert sich die Gesellschaft in ihrem Status und Rang vor allem über die Güte, Größe und den Grad der Veredelung von Produkten, natürlich dann auch den verwendeten Baumaterialien. Wer sich Glas, Marmor, Onyx, Schiefer, Eiche, Corian, Kupfer oder Edelstahl leisten kann, verwendet statusgemäß solche Materialien und diese in großen Formaten wie großen Flächen. Hiermit aber bekommen Flächen eine zusätzliche Bedeutung, die nicht unbedingt etwas mit ästhetischen Effekten, wohl aber mit sozialen Hierarchien zu tun hat. Wie auch immer stehen uns heute in der Architektur nahezu unendlich viele Möglichkeiten zur Gestaltung von Flächen zur Verfügung. Dabei kann jedes Material in unterschiedlichsten Oberflächenstrukturen, -texturen, -mustern und Größen bzw. Formatem in nahezu jeder gewünschten Farbpalette angeboten werden. Allein über die Farben und deren Reflektionsvermögen (matt, seidenmatt, glänzend) können mehrere tausend Flächeneffekte generiert werden. Hinzu kommen diverse, materialspezifische Muster, Maserungen, Texturen und Strukturen (z.B. Lochung, Prägung, Welle, Trapez, Rille, Körnung usw.) sowie unterschiedlichste Lichtreflektions- und Absorbtionseffekte, transparente Eigenschaften bis hin den direkt oder indirekt sich wandelnden Oberflächen. Dabei werden Feinstrukturen des Materials (z.B. Holzmaserung) i.d.R. noch durch Grobstrukturen (z.B. Fugenbild, Materialfügung) überlagert und ergänzt. Wenn wir über Flächenkompositionen im Raum sprechen, meinen wir damit auch immer die Komposition von Farb-, Licht-, (Schatten-) und Struktur- oder Musterflächen. Jedes natürliche Material (Holz, Stahl, Stein) hat zunächst einmal seine eigene, materialspezifische Farbigkeit und Oberflächenstruktur, die wir Menschen im Laufe unseres Lebens mehr oder weniger authentisch erlernen. Kunststoffe wie Farbanstriche (Lacke, Lasuren, Schichtstoffe, Folien, Laminate etc.) hingegen können in der Farbigkeit wie auch Oberflächenstruktur frei gewählt werden. Künstlich hergestellte Baustoffe (z.B. Laminatboden, Kunststoffenster) unterscheiden sich von echten bzw. natürlichen Baustoffen in der Oberflächenwahrnehmung allein darin, dass wie die Echtheit sensorisch (zumindest im Nahbereich) und damit auch im ästhetischen Sinn überprüfen können und damit zwischen „echt“ und „unecht“ sehr wohl differenzieren, sofern die künstlichen Materialien „Imitate“ von natürlichen Materialien sind. Um diesen offensichtlichen Betrug zu vermeiden, verzichten wir bei der Materialwahl aus ästhetischen Gründen grundsätzlich auf Oberflächenimitate, sofern die Imitation nicht selbst zu einem ästhetischen Thema werden soll. Zur weiteren Differenzierung von Flächen dienen u.a. folgende Einordnungen:

– transluzente/ transparente/ semitransparente/ opake Flächen
– ebene/ gewölbte/ gekrümmte/ runde/ gefaltete/ gekantete Flächen
– innen/ außenliegende Flächen (Wärme-, Wind- und Feuchtigkeitsschutz)
– horizontale/ geneigte/ vertikale Flächen
– matte/ seidenglänzende/ glänzende/ spiegelnde Flächen
– helle/ dunkle Flächen (lichtabsorbierend/ lichtreflektierend)
– glatte (schallharte)/ poröse (schallschluckende) Flächen
– einfarbige/ mehrfarbige Flächen
– gerasterte/ gemusterte/ strukturierte Flächen

Den einzelnen Flächen werden i.d.R. Konstruktionen (Wand, Decke, Dach, Stütze etc.), Funktionen (Wohnen, Schlafen, Kochen, Bad etc.) wie bauphysikalische Eigenschaften (Schallschutz, Brandschutz, Wärmeschutz, Feuchtigkeitsschutz, Hygiene, Einbruchsicherheit etc.) zugeordnet, die einen erheblichen Einfluß auf die Materialwahl (physikalische, statische Eigenschaften) sowie deren Oberflächenbeschaffenheit (Akustik, Lichtreflektion, Hygiene usw.) hat. Hinzu kommen „funktionale“ Farben, um z.B. bestimmte Lichtverhältnisse (helle Flächen für hohe Lichtreflektion), bestimmte Farbstimmungen (belebendes Rot, beruhigendes Blau, friedvolles Rosa etc.), bestimmte Nutzungsprofile (Theaterraum in Schwarz, OP in Grün, Küchen in Weiss) oder auch den Grad der Wärme- und Lichtreflektion/-absorption zu beeinflussen bzw. zu gestalten. Statisch wirksame Flächen sind etwas sich selbst aussteifende Trapez- oder Wellenbleche wie auch Waben- und Stegplatten.

Aus der Vielzahl von Funktionen (Nutzungsanforderungen) und Konstruktionen haben sich mit der Zeit bestimmte Materialien und Oberflächeneigenschaften als überaus praktikabel und vorteilhaft bzw. als ungeeignet oder problematisch erwiesen, so dass die jeweiligen Flächen tatsächlich nicht beliebig verwendbar sind. Niemand würde auf die Idee kommen, ein Schwimmbad mit feuchtigkeitsempfindlichen Teppich- oder Holzböden auszustatten oder die Wände eines sterilen OP´s  mit Textilien oder Filz zu bespannen, einen Kamin aus Holz oder Kunststoff zu bauen oder eine gemütliche Kneipe mit Edelstahl einzurichten usw.. Die Form und Größe der Flächen, ihre Farbe und deren Oberflächenstruktur müssen also immer den statischen, bauphysikalischen und nutzungsabhängigen Anforderungen genügen, so dass hier bereits eine Vielzahl von Möglichkeiten bei der Materialwahl ausscheidet. Hinzu kommt die Filterung nach Kostenaspekten sowie wirtschaftliche Überlegungen zur Langlebigkeit (Lebenszyklus) und dem laufenden Pflege-, Instandhaltungs- und Reperaturaufwand. In der Summe aller zu berücksichtigenden Faktoren haben sich nicht zuletzt über die Preisregulierung (industrielle Fertigung) gewisse Standards durchgesetzt, die nicht zwingend ästhetisch und langlebig, wohl aber praktikabel, funktional und bezahlbar sind. Hinzu kommt die zunehmende ökologische Bewertung von Baukonstruktionen und Bauteilen, die auf eine maximale Leistungsfähigkeit bei minimalem oder bestmöglichem Ressourcen- und Energieaufwand abzielt. Die sogenannte „Performance“ von Konstruktion und Material steckt noch in der (technischen) Entwicklung, wird aber in den nächsten Jahren eine Vielzahl neuer Formen, Strukturen und Flächen bei Gebäuden ermöglichen, die dann auch zu neuen ästhetischen Effekten führen.

ästhetik der proportionen

Freitag, April 12th, 2013

ästhetik der proportionen :: alles, was mit der visuellen Wahrnehmung von Objekten, Artefakten oder auch Gebäuden zu tun hat, wird für uns Menschen über das Gefallen von Proportionen bestimmt. Proportionen sind zunächst einmal nur mathematisch über Zahlenwerte ausgedrückte Verhältnisse von Längen irgendwelcher Linien, Formen oder Körpern. Alles, was stofflich ist, hat demnach auch eine „ansichtsbezogene“ Proportion, wie die Länge x, die Breite y und die Höhe z eines Körpers oder Raumes sich zueinander verhalten. Doch auch ohne Mathematik und aus natürlichen Zahlen abgeleitete Größenverhältnisse können wir hoch, breit, schmal oder schlank an Formen oder Körpern erkennen. Die uns umgebende Natur oder Umgebung ist dabei unser erster Lehrmeister in der Wahrnehmen von Proportionen. Zu der Umgebung zählen bereits auch schon Artefakte (auch künstliche Räume) wie Personen (i.d.R. die Eltern), deren Gesicht und Gestalt wir u.a. an deren besonderen Proportionen erkennen bzw. zu differenzieren lernen. Dass die Natur, die Dinge und Objekte, die Menschen oder auch die Tiere bestimmte Proportionen haben, hilft uns maßgeblich, sie bereits aus der Ferne (also ohne Ableich mit weiteren Sinneseindrücken) zu erkennen, sie zu differenzieren, sie zu benennen. So sind die in der Kindheit wahrgenommen Proportionen, vor allem die der eigenen Eltern,  maßgeblich an der Benennung, Kategorisierung sowie Identifizierung unserer Umwelt beteiligt. Die Proportionen von Personen spiegeln sich überwiegend durch Verhältnisse von 1:1 bis 1:8 (Augen, Nase, Mund, Ohren, Gliedmaßen, Körperbau) aus. Dabei gelten schlanke Proportionen (1:6 bis 1:8) körperbedingt als eher feminin = zerbrechlich, gedrungenere Proportionen (1:3 bis 1:5) als eher maskulin = robust. Freilich sind physiognomische Merkmale zwischen Männern und Frauen auch abhängig vom Kulturkreis, so dass oben genannte Proportionen eher einem statistischen Idealbild der westlichen Kulturkreise zuzuordnen ist. Natürlich gibt es auch „schlanke“ Männer wie es auch „gedrungenere“ Frauen gibt. Wichtig ist nun zu wissen, dass unser Körperbau nicht zufällig oben genannte Proportionen aufweist, sondern -via Evolution- ideale statische, physikalische Bedingungen von Skelett und Muskulatur widerspiegelt, dass wir überhaupt Menschen mit aufrechtem Gang sein können. Ähnliche Proportionen beoachten wir auch bei anderen Lebewesen, auch wenn die Natur hier noch ganz andere Grund-Proportionen in der sichtbaren Körperkonstruktion auf Lager hat (Beispiel: Libelle, Flunder, Rochen, Schlange, Wurm usw.). Die alten Griechen waren nun vielleicht die ersten, die die menschlichen Proportionen auf (Schiffs-)Bauteile und Konstruktionen übertragen haben, weil diese Proportionen nahezu deckungsgleich mit den statischen Bedingungen von massiven, tragenden Bauteilen war. Allen voran die Stütze und der Balken, die damals noch aus Stein oder Holz waren. Ein stabiler Schiffsmast aus Holz hatte hierbei eine Schlankheit von 1:6 bis maximal 1:8, auch wenn es Baumstämme gab, die eine Schlankheit von 1:20, 1:40 und mehr hatten, aber statisch als Masten unbrauchbar waren. Die idealen statischen Proportionen waren also quasi deckungsgleich mit dem Körperbau des aufrecht gehenden Menschen! Je geringer die Schlankheit, desto stabiler und tragfähiger (damit auch maskuliner) das Bauteil. In dieser Ableitung entstanden die Säulenordnungen, indem man die Schlankeit der Säulen sowie deren Aufbau (von der Gründung bis zur abschliessenden Kragplatte) durch exakte Proportionen festgelegt hatte und sie im übertragenen Sinne je nach Bauaufgabe einer männlichen oder eher weiblichen Anmutung zugeordnet hat. Aus den Säulenordnungen ergaben sich nun in Abhängigkeit von den Balkenquerschnitten statisch günstige Säulenabstände und geeignete Bauhöhen für die Decken und Dächer. Bis zur Renaissance hatte man dieses hochkomplexe System aus Materialeigenschaften, Statik, Geometrie und Menschen-Maß nahezu perfektioniert. Hinzu gekommen sind durch Ornamentik und Oberflächenbearbeitung (Kanneluren) weitaus schlankere Proportionen, die denen von dünnen Baumstämmen, Ästen, Zweigen, Gräsern oder Blumenstengel nahe kommen. Bis heute sind übrigens die statischen Konzeptionen der Vegetation (Beispiel Grashalm, Beispiel Blatt/ Membran) meisterliches Vorbild für unsere künstlichen statischen Systeme! Ästhetisch betrachtet gab es nach der Hochrenaissance mit dem Manierismus (siehe auch Surrealismus) einen Trend zur übertriebenen Verschlankung sämtlicher Objekte, wie wir ihn erst durch den modernen Stahlbau mit Schlankheiten von bis zu 1:20 mühelos realisieren können. Die korinthische Säule hat eine Schlankheit (Säulendurchmesser zu Säulenhöhe) von 1:10, die ionische 1:9, die dorische 1:8 (heldenhafte Skulptur) und die toskanische 1:7. Die Kopfgröße zu Körperlänge eines durschnittlichen Mannes beträgt 1:7 bis 1:7.5. Idealisierte Frauen (Schaufensterpuppen) haben ein Verhältnis von 1:4 bis 1:5 (Körperbreite zu Körperhöhe), die Nana-Figuren von Niki de Saint Phalle liegen bei zirka 1:2.5, athletische Männer etwa bei 1:3.5 bis 1:4. Die Skulpturen von Giacometti haben beispielsweise in der Frontansicht eine Schlankheit von 1:7 (toskanisch), etwas schlanker als das ehemalige WTC (1:6.6). Der „Campanile di San Marco“ hat ein an seiner schmalsten Seite bis zur Spitze eine Schlankheit von zirka 1:7.8.

Wie auch immer verbinden wir meist unbewußt die wahrgenommen Proportionen von Objekten stets mit den meist idealisierten Körperproportionen von Männern und Frauen. Diese Differenzierung ist evolutionsbedingt darum von so großer Bedeutung, da über Körpermaße neben vielen weiteren Aspekten die Partnerwahl getroffen wird (also die Sicherung der Fortpflanzung). Interessant wäre hier zweifelsfrei eine Studie, welche Proportionen speziell von Frauen und Männern im Bereich der Objekte und Artefakte favorisiert wird. Neuste psychologische Studien an ein- und zweieiigen Zwillingen hinsichtlich ihrer politischen Orientierung legen übrigens die Wahrscheinlichkeit nahe, dass wir Menschen in der Frage einer toleranten oder eher konservativen Werteinstellung maßgeblich über die Gene gesteuert sind. Die (hier einmal pauschal bewertet) konservativen, auf Sicherheit und Schutz basierten Werteinstellungen favorisieren formal eher den geometrisch klar umrissenen, in den Proportionen eher kraftvollen oder auch molligen Typ, während politisch tolerantere Menschen zumindest auch andere, geometrisch weniger klar und kompakt ausgebildete „Formen“ interessant finden (was jedoch neurowissenschaftlich noch zu beweisen wäre). Tatsächlich kann auch die eigene Körperkonstitution darüber entscheiden, ob wir eher gedrungenere oder eher schlanke Proportionen favorisieren (Anpassungsverhalten, Partnerwahl, soziale Akzeptanz etc.). So oder so können individuelle Vorlieben vor allem durch unterschiedliche Proportionen formal ausgedrückt, identifiziert und auch stimuliert werden. Gesten und Bilder bzw. Symbole haben sich dabei tief in unser Sprach- und Ausdruckssystem verinnerlicht, dass eine mögliche Überlagerung mit visuell wahrgenommenen Formen aus der Objekt- und Dingwelt nicht auszuschließen ist. Nicht selten favorisieren wir -mehr oder weniger bewußt- bei der Partnerwahl uns ähnliche Typen, insbesondere was die Gesichtsphysiognomie betrifft.

Neben den eher schlanken Proportionen für vertikale Bauteile (Säulenordnung, Türme) haben die Baumeister vergangener Epochen noch eine Vielzahl anderer geometrischer Proportionen entwickelt, die ausgehend vom Quadrat zur Wurzelproportion 1:1.41.., zur Terz 4:5, zur Quarte 3:4, zur Quinte 2:3, zur großen Sexte 3:5 und Oktav 1:2 führen. Ferner Teilungen über die Triangulatur, der Goldene Schnitt 1:1.618 und arithemtische Verfahren (Mittelmaß) zur Bestimmung der Raumhöhen. Tatsächlich aber lassen sich die mathematisch exakten Proportionen (anders als in der akustischen Wahrnehmung) im Raum nicht unmittelbar visuell differenzieren, dass beispielweise eine Teilung von 1:1.5 (2:3) visuell kaum von der Wurzelproportion 1:1.41 unterschieden werden kann. Abweichungen von bis zu 10%, die insbesondere durch perspektivische Verzerrungen in der Tiefen- und Höhenwahrnehmung entstehen können, sind hier möglich. Auch der „Goldene Schnitt“ kann nicht eindeutig von den Proportionen 3:2 oder 7:4 differenziert werden und ist in seiner Ablesbarkeit (Identifizierung) zudem weniger prägnant als etwa das Quadrat oder der Kreis. Auch bei einer rein ästhetischen Betrachtung des Goldenen Schnittes finden sich m.E. keine signifikanten Unterschiede zu den nächstliegenden Teilungen 3:2 oder 7:4, da wir bei der Gnomzerlegung stets vom Quadrat (Referenz) und einem Vielfachen des Quadrates ausgehen, während der Goldene Schnitt als Referenzbild per se nicht als Gnom hinterlegt ist. Verlassen wir nun die Welt der orthogonalen Rechteckgeometrien, wird es immer schwieriger, exakte mathematische Proportionen am Objekt zu identifizieren. Hier resultiert die ästhetische Bewertung meist aus einer komplexen Kombination von funktionaler, statischer, formaler wie materieller Bewertung, die wiederum von subjektiven Präferenzen (Bevorzugung bestimmter Formen, Motive, Farben, Materialien etc.) wie auch von der subjektiven, sinnlichen Sensibilität (Farbwahrnehmung, haptische Sensibilität etc.) abhängig ist. In der Objektwelt (Beispiel Handy, Türklinke, Fernbedienung) macht es einen großen Unterschied, ob der Benutzer kräftige oder zarte Hände bzw. Finger hat, ob es Kinder oder ältere Menschen mit Beeinträchtigung von Körperfunktionen (z.B. Sehschwäche, eingeschränkter Tastsinn, eingeschränkte Motorik etc.) sind. Eine Beeinträchtigung der Funktion (Handling) wirkt sich automatisch auf die ästhetische Bewertung des Objektes aus.

Die nächste Stufe einer ansprechenden Proportionierung liegt nun in der Kunst, mehrere Formen (Flächen, Bauteile, Elemente) und deren speziellen (funktionalen) Proportionen (Fenster, Tür, Brüstung, Stütze etc.) innerhalb eines Ganzen (Raum, Fassade, Stadtsilhouette) zu arrangieren. Die Proportionen der einzelnen Elemente sowie deren ästhetische Wirkung verändern sich natürlich im komplexen Zusammenspiel mit dem Vordergrund, Hintergrund und der Umgebung, also dem formalen Kontext. Grundsätzlich können hierbei spannende bis irritierende (provokante) oder ausgewogene, in sich ausbalancierte Flächen- und Körperkompositionen hergestellt werden. Bestimmte Proportionen können hierdurch verstärkt oder auch geschwächt werden. Ein Quadrat etwa kann durch weitere Teilungen so zerlegt werden, dass es nicht mehr als Quadrat lesbar ist und trotz statisch wirkender Achsialsymmetrie eine dynamische (horzontal, vertikal, schräg etc.) Richtung erhält. Eine schlanke Stütze etwa kann durch horizontale Gliederung wesentlich massiver (breiter) wirken, durch vertikale Teilungen (z.B. Kanelluren, Fugen, Farbstreifen) an Schlankheit zunehmen. Grundsätzlich aber sollten bei guten Architekturen die Proportionen der optimierten Konstruktion folgen, dass die einzelnen Bauteile in ihrer „statischen“ Funktion eindeutig ablesbar sind. Sobald die Proportionen ohne Notwendigkeit statische Systeme und notwendige Konstruktionen absichtlich „verdecken“, machen wir aus dem A ein O, kommen also von der Architektur (u.a. die Ästhetik der Konstruktion) zum reinen Ornament, zur Plastik oder zur Kunst, also zu rein formalen Ästhetikeffekten. Freilich haben auch die „Alten“ mehr oder weniger „schmückendes“ Ornament an die Fassaden und Innenräume gebracht, doch diese Ornamente haben die Bauteile und ihre statische Funktion (Konstruktion) i.d.R. „formal“ unterstützt und nicht aufgelöst oder kaschiert. Was nun die wohl proportionierte Flächenkomposition anbelangt, sind hier für die Architektur und den Städtebau neben den eher 2-dimensionalen Fassadenflächen vor allem die perspektivisch wahrgenommen Raumtiefenflächen (also Vorder- und Hintergrundmotive) von großer Bedeutung. Z.B.: wie wirkt eine runde/ rechteckige Stütze im Raum im perspektivischen Zusammenhang mit den proportionierten Wand-, Fenster-, Tür und Deckenflächen? Wie wirkt ein horizontal proportionierter Baukörper (Stadtmauer, Brücke, Straßenfassade, Hallengebäude, Tankstellendach, Sitzbank, Bushaltestelle, Gartenmauer, Zaun, Hecke) im Zusammenspiel mit einem vertikal gerichteten Baukörper (Turm, Hochhaus, Pylon,  Denkmal, Schornstein, Mast, Baum etc.) im Vorder- oder Hintergrund? Der Markusplatz in Venedig wie auch der Gang von der Ponte Vecchio über dem Arno durch die Uffizien-Schlucht mit Blick auf den Turm des Palazzo Vecchio hin zur weiten Piazza della Signorina mit dem Neptunbrunnen und Michelangelo´s „David“ (leider eine Kopie) in Florenz zeigen exemplarisch das wunderschöne räumliche Zusammenspiel von horizontalen und vertikalen Proportionen von rechteckigen und kreisförmigen Geometrien (Rundstützen, Rundbögen, Gewölbe, Kuppel) im Vorder- und Hintergrund. Nichts anderes sehen wir im Prinzip von der Augustusbrücke über der Elbe, wenn wir auf Dresden, die Brühlschen Terrassen, im Hintergrund die Frauenkirche, die Hofkirche mit Residenzschloss im Hintergrund und die Semperoper mit dem Zwinger im Hintergrund blicken. Auch der Burgplatz in Braunschweig ermöglicht mit dem imposanten, massiven Westwerk des Braunschweiger Dom, der (rekonstruierten) Burg mit vogestelltem Braunschweiger Löwen, den beiden Brücken zu den benachbarten Gebäuden und dem Turm des neuen Rathauses im Hintergrund ein räumlich spannendes Motiv aus horizontalen und vertikalen Elementen. Und nicht nur, dass man schöne Postkarten-Motive erhält, sondern man kann diese Komposition perspektivisch (räumlich) durch Enge und Weite ganz unterschiedlich erleben. Nichts anderes verlangt man von attraktiven Städten, Quartieren und Gebäuden, dass sie mit den kleinen und großen, den engen und weiten, den horizontalen und vertikalen, den rechteckigen und kreisförmigen Elementen im Raum spannende, gut proportionierte, aufeinander abgestimmte Ansichten (Motive) wie auch Raumerlebnisse kreiert. Hierzu müssen zum einen die Proportionen des einzelnen Gebäudes (oder auch einer Blockstruktur) in sich stimmig sein, zum anderen müssen auch die Proportionen der einzelnen Gebäude zueinander (also im städtebaulichen oder auch landschaftlichen Kontext) passen. Hierbei ist vor allem der Aspekt der Maßstäblichkeit von hoher Bedeutung, dass der Raum, das Viertel, die Stadt als „zusammengehöriges“ Ganzes gelesen werden kann. Gerade an dieser Schnittstelle kranken aber die meisten urbanen Planungen, wenn moderne Großstrukturen (meist Solitäre) wie auch großmaßstäblich angelegte Verkehrsflächen auf meist historisch gewachsene Kleinstrukturen treffen. Im Prinzip müßte es für jeden Block, für jedes Viertel und für jeden Stadtteil wie auch für die gesamte Stadt über den Bebauungsplan hinaus èn Detail ein gestalterisches Leitbild von Ansichten und Perspektiven geben, um die gewollten Raum- und Flächeneffekte neben den funtionalen Aspekten (Nutzung, Erschließung, Verkehrsflächen, Freiraum, Grünraum, Versorgung etc.) durch die Einzelbebauungen zu realisieren. Solange im Städtebau -mal leicht übertrieben formuliert- jeder Investor oder Bauherr machen kann, was er will und die planerischen Blicke bestenfalls bis zur Grundstücksgrenze reichen, darf man sich über das formale Chaos architektonischer Potterie weder wundern noch beschweren. Immer wieder sehen wir die formal katastrophalen Ergebnisse (in der Kunst würde man den Ausdruck „dilettantische Schmierereien“ verwenden) der meist allzu liberal ausgelegten Baukultur sich selbst verwirklichender Bauherren oder Investoren in den zahlreichen Neubaugebieten vor der Stadt, defacto eine Bankrotterklärung des guten Geschmackes wie auch des sozialen, kulturellen Zusammenhaltes. Und auch viele Architekten verstehen manchmal nicht, worum es im ansprechenden Städtebau eigentlich geht, wenn Bebauungspläne hierüber keine Auskunft geben. So werden formal in sich stimmige Gebäudekonzepte (gute wie schlechte, innovative wie altbackene, wirtschaftliche wie pompöse) unterschiedlichster Coleur beliebig in die Reihe implementiert, ohne, dass sie sich formal oder ästhetisch aufeinander beziehen würden. Die urbanen Proportionen sind dann nicht mehr lesbar, nicht mehr erkennbar, hinterlassen bedeutungslose Räume ohne nennenswerte Aufenthaltsqualität.