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architektur, vernunft & poesie

Freitag, Oktober 28th, 2011

Eine für uns wesentliche Erkenntnis aus der Beschäftigung mit alter und neuer Architektur ist die wichtige Bedeutung des ausgewogenen Zusammenspiels von Vernunft und Poesie. Die meisten Gebäude sind funktional und ökonomisch wohl passabel, aber i.d.R. arm an Poesie und Phantasie, sind daher weder ästhetisch „sinnstiftend“ noch irgendwie „kulturell“ bedeutend für uns Menschen als Lebensraum. Andere Gebäude verirren sich hingegen in seltsamen, skulpturalen Formalismen oder allzu plakativer „Zeichenhaftigkeit“ und stehen meist jenseits aller Vernunft, funktionaler Tauglichkeit und Wirtschaftlichkeit. Es gibt freilich nur wenige Architekten, denen es gelungen ist, eben diese Vernunft einerseits und die räumliche Poesie andererseits in ein Gebäude zu transformieren, dass es „klassisch“ über die Zeit hinaus von jedem in seiner Schönheit und Selbstverständlichkeit innen wie aussen gelesen und erkannt werden kann. Funktion, Ästhetik und Kontext stehen sich bei solchen Schöpfungen nicht im Wege sondern bedingen und ergänzen sich einander, bilden quasi eine Symbiose, sind in sich schlüssig und hinterlassen keine unbeantworteten Fragen. Architekturen wie auch Objekte werden immer von unserem Logos, unserem Verstand auf abstrakte, theoretische wie auch praktische Art und Weise ergründet und auf seine tatsächliche Tauglichkeit bewertet. Gleichzeitig vollziehen wir mit unseren Sinnen aber immer auch eine ästhetische Bewertung, die freilich von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich sein kann (Präferenzen), doch im Ganzen stets ganz bestimmten „Gestaltungsregeln“ folgt. So etwa wird eine Stütze im Verhältnis seiner Breite (Durchmesser) zur Höhe von 1:6 für uns Menschen niemals schlank und elegant, stattdessen kompakt und robust wirken. Hierfür muss sie – bereits schon nach den Regeln der alten Griechen – mindestens 1:8 oder 1:10 gegliedert sein. Runde Stahlstützen können von uns heute mühelos mit einer statisch wirksamen Schlankheit von 1:20 gebaut werden. Doch woher kommt dieses Empfinden für die Anmutung und Schönheit der Schlankheit von Gliedern? Zum einen sind es die Finger, Arme und Beine, deren Schlankheit wir sinnlich ja von Klein an erfahren und später in subjektive Kategorien wie stark, robust, dick, fett etc. oder schlank, elegant, zerbrechlich, dünn oder auch zärtlich referenziell bewerten. Mit Poesie hat dies noch nichts zu tun, wohl aber entstehen Gedichte -um im Terminus der Sprache zu bleiben- i.d.R. nicht mit plumpen oder negativ besetzten Wörtern, Sätzen und Aussagen. Und ein schönes Gedicht braucht auch mehr als nur die geschickte, kunst- und phantasievolle Verwendung schöner oder eleganter Wörter. Es muß inhaltlich auch „Sinn“ machen, verständlich sein. Zumindest ist ein schönes Gedicht inhaltlich wie sprachlich in sich schlüssig, ausgewogen, ausbalanciert, in sich ruhend.

Ein Gebäude wie das ehemalige „World Trade Center“ in New York wäre als Solitär in seiner geometrischen wie formalen Einfachheit zumindest aus ästhetischer Sicht fast eine Beleidigung für seinen Ort und die Zunft der Architekten. Doch durch die Spiegelung bzw. Duplizierung des Baukörpers sowie den Versatz im Stadtgrundriss entsteht plötzlich ein Dialog, ein ausbalanciertes Spannungsfeld zwischen beiden Baukörpern, so dass die unmittelbare Umgebung nicht auf den großen, groben wie undifferenzierten Maßstab antworten bzw. reagieren muß (was sie defacto nicht könnte). Durch den Dialog beider im Prinzip „plumpen“ Türme ist die Geschichte dennoch rund und in sich schlüssig, obwohl der Maßstab wie auch die Form nicht auf den Ort reagiert bzw. auf diesen abgestimmt ist. Das Crysler-Building hingegen ist durch seine vertikal betonte Achsialsymmetrie (Kirchturmarchitektur) wie kunstvolle Fassadengestaltung vollkommen in sich abgeschlossen, ohne dass es eines zweiten Gebäudes oder eines städtebaulichen Pendant bedürfte. Das Rockefeller Center hingegen bezieht seine Schönheit aus der abgewogenen Komposition mehrere, vollkommen unterschiedlich hoher und großer Baukörper, die dennoch u.a. durch die sich wiederholenden Motive (Setbacks) und Materialien (Limestone, Messing) als kompositorische Einheit wirken. Hätte man alle Grundstücksparzellen mit der gleichen Dichte und Geschosshöhe „gleichmäßig“ (zudem formal noch unterschiedlich) bebaut bzw. investor-like „aufgefüllt“, wäre der Ort städtebaulich, räumlich wie ästhetisch nicht weiter zu erwähnen. So aber haben die damaligen Architekten eine spannungsvolle räumliche wie funktionale Vielfalt geschaffen, die in der Summe vollkommen ausbalanciert ist. Dies sind nur ein paar Beispiele, wie die gekonnte Anwendung von „Gestaltungsregeln“ auch funktionalen Gebäuden zu poetischen Architekturen verhelfen. Sobald unsere Gebäude und Stadtviertel nichts mehr „erzählen“, verlieren sie ihre Poesie. Und selbst, wenn ein einzelnes Gebäude sehr viel zu erzählen hat, muß diese Geschichte auch und immer in den unmittelbaren Kontext „passen“, und sei es, dass man sich gekonnt von der Umgebung loslöst (wie am Beispiel des WTC), um in sich selbst aufzugehen.

Welche Rolle die „Vernunft“ in der Architektur spielt, sollte sich in Zeiten ökonomischer Zwänge und hoher Ingenieurskunst eigentlich von selbst erklären. Dennoch finden sich bei zahlreichen, auch neueren Gebäuden seltsame Grundrisse, Konstruktionen, Formen wie auch Materialien, die alles andere als vernünftig, wirtschaftlich, funktional und praktisch sind. So etwa sind Verkehrsflächen wie auch Nutzflächen oftmals zu klein oder zu groß geraten, Nutzungen am falschen Ort, Fassaden haben zu wenig oder zu viel Fensterfläche, Geschosse sind zu niedrig oder zu hoch dimensioniert usw. Entwickeln sich Architekturen zu stark aus einer Form oder einem formalen Zwang heraus, führt dies meist immer zu Konflikten mit der Funktion. Wie etwa soll man spitze (oder auch runde) Ecken möblieren und räumlich nutzen? Was passiert, wenn Türen und Fenster zu nahe an Wänden aufschlagen und damit wertvolle Stellflächen verhindern usw.? Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten, etwas falsch zu planen und zu bauen. Vernunft meint hier grundsätzlich, mit angemessenen wie sparsamen Mitteln den höchsten wie sinnvollen Komfort in der Nutzung zu ermöglichen. Nicht, daß mit der Erfüllung und Gewährleistung der Funktion allein schon all unsere Bedürfnisse an Gebäuden bereits befriedigt sind, doch was nutzt uns ein „schönes“ Gebäude (Poesie), wenn es nicht funktioniert? Umgekehrt werden wir an einem hochfunktionalem Gebäude nicht viel Freude haben, wenn es uns ästhetisch, sinnlich im Sinne der Poesie nicht anspricht.

Um ein paar Beispiele für gelungene „Poetische Architektur“ des letzten Jahrhunderts zu nennen, sollen Werke von Gottfried Böhm (u.a. das Rathaus in Bensberg, der „Mariendom“ in Neviges, die „Herz-Jesu-Kirche“ in Schildgen) , Karljosef Schattner (div. Universitätsbauten in Eichstätt) und Carlo Scarpa (u.a. die „Friedhofserweiterung Brion“ in San Vito d’Altivole/ Italien, der Museumsumbau „Castelvecchio“ in Verona/ Italien, der „Showroom Olivetti“ in Venedig/ Italien ) im Umgang mit dem Material und dem Bestand beispielhaft sein. Aber auch Mies van der Rohe (der „Barcelona Pavillion“, das „Farnsworth House“ in Plano Illinois/USA, die „Neue Nationalgalerie“ in Berlin), Le Corbusier (die „Chapelle Notre-Dame-du-Haut“ de Ronchamp 1951-1955/ Frankreich, das Doppelhaus in der Weissenhofsiedlung 1926-1927 in Stuttgart, die „Villa Savoye“ 1928-1931 in Poissy/ Frankreich, div. öffentliche Bauten in Candigarh/ Indien, die „Häuser Jaoul“ 1951-1955 in Neuilly-sur-Seine/ Frankreich), Frank Lloyd Wright (das „Solomon R. Guggenheim Museum“ in New York/USA, das „Haus Fallingwater“ in Pittsburgh/ USA, die „Johnson-Wax-Company“ in Racine bei Wisconsin/USA) und Walter Gropius (das „Fagus-Werk“ 1911-1914 in Alfeld an der Leine, das „Bauhaus“ und die Meisterhäuser 1925/26 in Dessau) sowie Adolf Loos (das „Haus Moller“ 1928 in Wien/ Österreich) haben hier mit Stahl, Glas, Ziegel und Beton Pionierarbeit in der Moderne geleistet. Ferner natürlich auch Werke von Alvar Aalto (u.a. die „Heilig-Geist-Kirche“ in Wolfsburg, das „Kulturhaus“ in Wolfsburg), Hans Scharoun (u.a. die „Philharmonie Berlin“ 1965-1963, das „Stadttheater Wolfsburg“ 1965-1973), Eero Saarinnen (der „JFK-Airport“ in New York/ USA, div. MIT-Gebäude in Cambridge/USA), Oscar Niemeyer (div. öffentliche Gebäude in „Brasilia“/ Brasilien, das „Museum für zeitgenössische Kunst“ in Niteroi bei Rio de Janeiro/ Brasilien), Luis Barragàn (das „Wohnhaus Barragàn“, „Las Arbodelas“, „Cuadra San Cristobal“, alle in Mexico City/ Mexico), Louis I. Kahn (das „Regierungsviertel Dhakar“ 1962-1983/ Bangladesch, das „Indian Institute of Management“ 1962-1974 in Ahmedabad/ Indien), Charles + Ray Eames (das „Case-Study-Haus Nr. 8“ in Pacific Palisades California/ USA), Richard Neutra (das „Haus Kaufmann“ 1947 in Palm Springs California/ USA, das „Haus Bucerius“ 1966 in Navegna im Tessin/ Schweiz). Aber auch aktuell gibt es ebenfalls eine Vielzahl sehr schöner, bemerkenswerter Architekturen, die den entspannten, sinnfälligen Umgang mit Form, Material, Kontext, Konstruktion und Funktion „en detail“ beherrschen. Soetwa die „Jakob-Kemenate“ in Braunschweig von O.M. Architekten, die „Neue Oper“ in Oslo von Snohetta, das Institusgebäude T in Bremerhaven von Kister Scheithauer Gross, das „Domenikuszentrum“ in München von meck architekten, der Glaspavillion der TU-Braunschweig sowie das Bergbauarchiv in Clausthal-Zellerfeld von gmp, die „Galeria Solare“ und das Studentenhaus im Rahmen der Stadtreperatur in Vila do Condo/ Portugal von Manuel Maia Gomez, die „Therme Vals“ in Graubunden/Schweiz von Peter Zumthor, die „Universitätsbibliothek Cottbus“ sowie das „Stellwerk SSB“ in Basel/ Schweiz von Herzog & de Meuron, das „Kunstmuseum Gallego“/ Spanien von Alvaro Siza, die „Church of the Light“ in Haraki bei Osaka/ Japan von Tadao Ando, die „Cooper Residence“ in Orleons/ Massachusetts sowie die „Cohn Residence“ und die „Gwathmey Residence“ in Amagansett bei N.Y/ USA von Gwathmey & Siegel, das „Neue Museum Berlin“ 1997-2009 sowie das “ River and Rowing Museum“ 1989-1997 in Henley-in-Thames/ England oder das „Liangzhu Museum“ in Liangzhu Cultural Village/ China von David Chipperfield, das „Vitra-Museum“ 1989 in Weil am Rhein von Frank O. Gehry, die „Feuerwache“ 1993 im Vitra-Werk sowie die „Bergstation Hungerburgbahn“ in Innsbruck/ Österreich von Zaha Hadid, die „Neue Synagoge Dresden“ 2001 sowie das „Jüdische Zentrum“ 2007 in München von  Wandel-Hoefer-Lorch, die „Feuerwache Heidelberg“ 2004-2007 sowie das „Haus W“ in Aachen 2005-1009 von Kulka + Urbanietz, das „Red House“ 2002 in Oslo/ Norwegen sowie das „White House“ 2006 in Strand/ Norwegen oder das „Dune House“ in Thorpeness/Suffolk/ England von Jarmund/ Vigsnaes,  das „Kew House 3“ in Australien von der Vibe Design Group, das „House in Ise“ 2010 in Mie/ Japan und der „White Tempel“ 2000 in Kyoto/ Japan von Takashi Yamaguchi, das Haus „Les Aventuriers“ 2007-2009 in Kanagawa/ Japan von Shun Hirayama Architecture und so viele weitere nationale wie internationale Beispiele mehr. Dennoch bleiben diese bemerkenserten wie vorbildlichen Gebäude nach wie vor die Ausnahme, verglichen mit den Millionen von Quadratmetern und Kubikmetern umbauten Raumes, die alljährlich im kleinen wie auch großen Maßstab neu-, an- und umgebaut werden.

Hierbei ist es meist nicht allein die Schuld „geiziger“ oder etwa „engstirniger“ Bauherren (den sogenannten Kunstbanausen) als vielmehr auch das künstlerische wie organisatorische Versagen oder Unterlassen der Architekten, auch mit wenigen Mitteln, unbequemen Bauherren oder unspektakulären Bauaufgaben wie kleinen Bausummen dennoch beispielhafte, schöne, ästhetisch befriedigende wie originelle Stadt-, Gebäude- und Raumlösungen auf´s Papier zu bringen und sie entsprechend mit guten Handwerkern und Baufirmen zu realisieren. Das hat auch etwas mit dem zunehmenden Zeit- und Kostendruck zu tun, unter dem vor allem größere Projekte meist leiden. Kreativität und Ideenreichtum wie auch Genialität und Kunstsinn/ Architektursinn läßt sich eben nicht mit der Stechuhr, in Schablonen oder über einen vorgegebenen Zeit- und Kostenrahmen generieren. Künstlerisches Talent und Begabung sind das eine . . . Erfahrung, Übung und Teamwork das andere, um den hohen komplexen Ansprüche von anspruchsvollen Gebäuden und Architekturen irgendwie gerecht zu werden. Überhaupt gibt es viel zu viele „billige“, ästhetisch aber ausdruckslose, einfallslose, im weitesten Sinne plumpe und ordinäre, meist industrialisierte Standardlösungen im Bauwesen, die tagtäglich -auch von den Profis- angewendet werden. Sei es, um die vermeindlichen Kosten zu minimieren oder aus purer Einfalls- und Ideenlosigkeit. Freilich kostet es den Architekten Zeit und Geld -sowie Know-How-, ein originelles, schönes, durchdachtes Detail für eine Treppenanlage zu entwerfen oder einen gelungenen Fliesenspiegel für ein WC oder Badezimmer anzureissen, der auch in das gestalterische Gesamtkonzept passt. Freilich, die Summe der zu treffenden Entscheidungen an und in einem Bauwerk ist imens groß, so daß Architekten gerne auf sogenannte Standard- und Systemdetails zurück greifen, die dann im Sinne des Bauherren oder Investors „kostengünstig“ und „erprobt“ in Serie verwendet werden können. Doch hiermit erfüllt man bestenfalls funktionale Ansprüche, nicht aber gestalterische, ästethische, sinnliche Ansprüche.

Immerhin gibt es Architekten, die sich vor dem ersten Strich zunächst einmal sehr intensiv mit dem Baugrundstück, dem Ort (genius loci) und dem unmittelbaren Kontext auseinander setzen. Es folgt dann die spezifisch auf den jeweiligen Ort abgestimmte „semantische“ Auseinandersetzung mit der Bauaufgabe, aus der letztendlich dann die der Funktion entsprechenste Bautypologie abgeleitet bzw. entwickelt wird. Es macht daher keinen Sinn, eine bereits fertig entwickelte Bautypologie funktions- und ortsunabhängig x-beliebig zu reproduzieren. Architekturen lassen sich aufgrund der vielen unterschiedlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten (Ort, Topographie, Grün, Funktion, Bautechnik etc.) eben nicht universal „standardisieren“, will man dem jeweiligen Ort und der spezifischen Funktion respektvoll, vernünftig und angemessen begegnen. Wie aber nun reagiert man mit einem Bauwerk und einer Funktion „angemessen“ auf einen Ort? Etwa, in dem man den Maßstab, die Struktur und die charakteristische Körnigkeit des Ortes berücksichtigt, indem man (natur-) gegebene Besonderheiten eines Ortes unbebaut läßt und diese sogar noch durch das Bauwerk hervorhebt und verstärkt, indem man Material und Farbe sorgsam in Beziehung zur Landschaft und Umgebung setzt, indem man auf die vorhandene Topographie reagiert und mit ihr arbeitet, gegebenenfalls sogar neue, raumbildende Topographie schafft, erhaltenswerte wie schöne Grün- und Baumbestände räumlich wie funktional integriert, indem man baukörperlich wie auch mit den Materialien auf die klimatischen Besonderheiten eines Ortes regaiert usw. Wie nun funktioniert eine „semantische“ Auseinandersetzung mit dem Ort und der Bauaufgabe? Etwa, indem man den Rang und die Bedeutung des Ortes wie auch des Gebäudes definiert, indem man den Takt, den Rhytmus, die Harmonie, die Melodie und Lautstärke definiert, indem man Wünsche, Bilder, Sehnsüchte, Phantasien und Bedürfnisse der Menschen formuliert und artikuliert, indem man eine räumliche Vorstellung (Leitbild, Motiv) skizziert, wie wir Menschen gerne Leben wollen usw. Und schliesslich funktionale Überlegungen, welche und wieviele Innen- und Aussenräume welcher Größe wir auf welche Art und Weise nutzen und zueinander organisieren wollen, welche Räume für unser Leben, Wohnen und Arbeiten eine besondere Bedeutung haben, welche Räume oder Orte eine untergeordnete Rolle spielen, wie wir Räume miteinander verbinden, öffnen oder abgrenzen wollen, wie wir Ein- und Ausblicke, das Private und das Öffentliche gestalten wollen, wie wir Technik integrieren, Wege und Zugänge platzieren usw.  All das zu überlegen ist für sich genommen schon ziemlich viel, fließt aber letztendlich ganz konkret und ablesbar als Summe vieler einzelner Entscheidungen und Überlegungen in ein gutes Gebäude ein. Diese hohe Komplexität zu beherrschen ist vielleicht eine Kunst, vor allem aber das Ergebnis eines vielschichtigen, mehrdimensionalen, hochvernetzten Denkens, wofür man als Kreateur (Architekt) viel Zeit, Muße, Erfahrung, Wissen und Fleiß benötigt.